Sie berichten, wie sich ihre Situation seit ihrer Ankunft in Südtirol weiterentwickelt hat und welche Nachrichten sie aus ihrer Heimat bekommen. Insbesondere sorgen sie sich um das Wohl ihrer Eltern, die nach einem kurzen Aufenthalt in Südtirol wieder nach Dnipro zurückgekehrt sind. <BR /><BR />Seit nunmehr vier Jahren leben Oksana (53) und ihr Mann Oleg in Südtirol, beide haben eine Festanstellung gefunden und mittlerweile eine arbeitsbezogene Aufenthaltserlaubnis. Die beiden fühlen sich hier sehr gut aufgenommen und wissen die Lebensbedingungen zu schätzen. Mehrmals betont Oksana die schöne Natur, den Wohlstand, die soziale Absicherung, die schönen Bräuche und vor allem den Frieden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1281003_image" /></div> <BR />Ein Frieden, der in ihrer Heimatstadt Dnipro nur mehr eine allmählich verblassende Erinnerung darstellt. Immer wieder mal kehren vor dem inneren Auge die Bilder an die schicksalshaften Tage von damals zurück, als sie ihre Großfamilie zusammentrommelte, um frühzeitig Schutz vor dem Krieg zu suchen. Dnipro liegt in der Ostukraine und wurde angesichts seiner strategischen Lage und einer Fabrik, die einst Atomwaffen für die gesamte Sowjetunion produzierte, ein Ziel der russischen Aggressoren.<BR /><BR />In den Kriegswirren wurde Oksanas Großfamilie auseinandergerissen: Eine der Zwillingstöchter landete in Spanien, die andere in der Schweiz, sie selbst fand durch Freunde in Südtirol Schutz, während die Eltern nach wie vor in Dnipro leben. „Ich habe meine Eltern überredet, uns nach Südtirol zu folgen und tatsächlich waren sie auch für sechs Monate hier, aber letztlich kehrten sie wieder in ihr Haus im Zentrum von Dnipro zurück“, berichtet Oksana. Die Großeltern würden es sehr zu schätzen wissen, dass ihre Kinder, Enkel und sogar Urenkel in Sicherheit aufwachsen können, sie selbst aber bevorzugen es, „in ihrem eigenen Zuhause zu sterben, als untätig in einem fremden Haus zu sein“. <BR /><BR /><b>„Niemand denkt ans Aufgeben“</b><BR /><BR />Tagtäglich telefoniert Oksana mit ihnen, auch mit Freunden hält sie sich auf dem Laufenden. Mehrmals täglich und jede Nacht gibt es Luftalarm, etwa zweimal in der Woche erschüttern Bombeneinschläge und Explosionen die Großstadt, Strom gibt es nur für zwei bis drei Stunden täglich. <BR /><BR />„Die Menschen passen sich an, niemand denkt ans Aufgeben“, sagt Oksana. Damals, als sie dem Schrecken entronnen waren und von der Burg Greifenstein auf die kleine Ortschaft Siebeneich herabblickten, fühlte sich alles noch irreal an: „Einen Moment lang hatte ich das Gefühl, dass wir vielleicht gestorben und im Paradies gelandet seien“, meint sie und schlussfolgert: „Das Leben muss weitergehen!“