Donnerstag, 18. August 2016

Uli Emanuele: Der Künstler im Wingsuit

Den Traum vom Fliegen hat er sich stets erfüllt – und er flog wie kaum ein anderer. Basejumper Uli Emanuele war einer der ganz Großen seines Fachs. Ein Künstler im Wingsuit, unterwegs mit bis zu 170 km/h.

"Es ist gut, Angst zu haben", meinte Uli Emanuele in einem Gespräch mit Markus Lanz vor einem Jahr. "Das hilft, keine Fehler zu machen."
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"Es ist gut, Angst zu haben", meinte Uli Emanuele in einem Gespräch mit Markus Lanz vor einem Jahr. "Das hilft, keine Fehler zu machen."

Im Videotipp sehen Sie ein Gespräch von Uli Emanuele mit Markus Lanz. Es fand im September 2015 statt. Das Interview mit Emanuele beginnt bei 0.00 und dauert bis Minute 17.

Nervenkitzel und Adrenalin bis in die Zehenspitzen gehörten zum Leben von Uli Emanuele einfach immer dazu. Seit 9 Jahren war der Leiferer Feuer und Flamme fürs Basejumpen.

„Wenn man so einen Sport macht, weiß man um das Risiko. Wenn du dir nicht sicher bist, ob es sich dafür zu sterben lohnt, dann musst du auch nicht springen. Basejumpen ist das Schönste für mich. Es ist das Einzige, das ich machen mag", sagte Emanuele in einem Gespräch mit Markus Lanz vor knapp einem Jahr. „Bei diesem Sport kann ich machen, was ich mag. Ich brauche niemanden. Im ganzen Leben sind wir nie frei. Aber bei diesem Sport entscheide ich alles.“

Am Mittwoch ist der 30-Jährige bei einem Sprung in der Schweiz tödlich verunglückt.

STOL hat in Gedenken an den Ausnahmesportler Uli Emanuele ein Kondolenzbuch eingerichtet.

Felsloch-Sprung machte Emanuele weltberühmt

Spätestens seit seinem atemberaubenden Sprung durch ein Felsloch waren Uli Emanuele und sein extremes Hobby hierzulande wohl jedem ein Begriff: In der Schweiz stürzte er sich durch eine 2,6 Meter breite Öffnung im Fels, eine 1,8 Meter tiefe Bergnadel – und filmte das Ganze mit einer Helmkamera. Kein Basejumper hatte so einen Sprung vor ihm gewagt.

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Der Sprung katapultierte Emanuele in die internationalen Schlagzeilen. Russia Today, Spiegel Online, USA Today, Eurosport berichteten. USA Today meinte damals: Uli Emanuele sei „möglicherweise die verrückteste Person der Welt“.

Sprang durch einen Feuerring

Aber der „verrückte“ Uli konnte nicht anders: Der Sprung durch das Felsloch, meinte der 29-Jährige im Sommer 2015, sei durchaus noch zu toppen. Und so zischte Emanuele mal über Kollegen im Etschtal hinweg, zeigte Sprünge am winterlichen Eiger in der Schweiz, von der Paganella bei Trient, in den Dolomiten (STOL hat berichtet) sowie am Gardasee. Uli Emanuele sprang gar durch einen Feuerring.

Emanuele setzte auf seine Erfahrung

Das Risiko seiner waghalsigen Touren meinte er dabei stets abschätzen zu können. Seine Erfahrung erlaube es ihm, auch schwierige Projekte zu meistern, sagte er. Er betonte, wie sorgsam er seine Routen plane, immer Vorsicht walten lasse. Seine Familie und Freunde lernten, obwohl sie sich Sorgen machten, mit seiner Leidenschaft zu leben. „Sie kennen mich und wissen, dass der Sport zu mir gehört.“

Die Angst flog immer mit

In dem Interview mit Markus Lanz im September 2015 gab Emanuele zu, bei seinen Sprüngen auch Angst zu empfinden. "Das hilft, keine Fehler zu machen. Es ist gut, Angst zu haben", meinte er damals. "Vor jedem Sprung denke ich mir: Uli, mach keinen Fehler. Sonst könnte das dein letzter Sprung sein." (Das Gespräch mit Markus Lanz vom September 2015 sehen Sie als Videotipp in diesem Artikel).

stol

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