Im Interview spricht UIrich Seitz über die vergangenen Monate, seine persönlichen Ziele und darüber, warum das Job-Speed-Dating ein großer Erfolg war.<BR /><BR /><b>Herr Seitz, Ende Oktober 2025 haben Sie diese neue Tätigkeit angetreten. Wie liefen die ersten Monate?</b><BR />Ulrich Seitz: Die ersten Monate waren äußerst erfolgreich. Ich möchte vor allem Menschen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigung auf Schwierigkeiten mit öffentlichen Körperschaften stoßen, als Vermittler zur Seite stehen. Ein Projekt, auf das ich besonders stolz bin, ist das Job-Speed-Dating für Menschen mit Behinderung. Dabei wollten wir bewusst keine Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten der Landesabteilung Arbeit schaffen, sondern dort ansetzen, wo Menschen trotz guter Qualifikation schon länger auf Arbeitssuche sind und nicht weiterkommen.<BR /><BR /><b>Wie lief das Projekt bisher?</b><BR />Seitz: Der Erfolg war riesig. Seit Februar haben wir vier Job-Speed-Datings organisiert. Teilgenommen haben insgesamt 62 Unternehmen sowie 300 Menschen mit Beeinträchtigung. Elf Menschen konnten bisher in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vermittelt werden. Sechs weitere stehen vor einer definitiven Einstellung, 17 warten auf ein Vorstellungsgespräch. Zehn Menschen bereiten wir derzeit auf öffentliche Wettbewerbe vor. Außerdem haben wir 25 Lebensläufe gemeinsam mit den Kandidatinnen und Kandidaten überarbeitet. Weil das Job-Speed-Dating so gut funktioniert hat, planen wir im Herbst eine Fortsetzung. Der nächste Termin steht bereits fest, und zwar der 29. Oktober.<BR /><BR /><b>Wie viele Menschen mit Behinderungen leben in Bozen?</b><BR />Seitz: Über 7.000 Menschen haben einen Bescheid, der eine Invalidität oder eine längerfristige starke Beeinträchtigung feststellt. Dazu kommen etwa 6.000 Menschen, die für eine Pflegeeinstufung angesucht haben. Das sind also insgesamt knapp 13.000 Menschen mit Beeinträchtigung in Bozen. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Dunkelziffer. Ich gehe davon aus, dass noch etwa 20 Prozent hinzukommen könnten – Menschen, die bisher keinen Kontakt zu den entsprechenden Diensten hatten, auf eine Rückmeldung warten oder gar nicht wissen, welche Leistungen ihnen zustehen.<BR /><BR /><b>Was waren Ihre wichtigsten Ziele, als Sie die ehrenamtliche Tätigkeit übernommen haben?</b><BR />Seitz: Mir war von Anfang an wichtig, keine Doppelstrukturen zu den bereits bestehenden Vereinen, Organisationen und öffentlichen Angeboten aufzubauen. Ich wollte dort ansetzen, wo tatsächlich Stillstand herrscht. Deshalb hat die Gemeinde Bozen den neuen Beratungsschalter für Menschen mit Beeinträchtigung im Rathaus eingeführt, der seit Juli jeden Donnerstagnachmittag geöffnet ist.<BR /><BR /><b> Mit welchen Problemen kommen Menschen mit Beeinträchtigung zum Schalter?</b><BR />Seitz: Am häufigsten geht es um finanzielle Unterstützung, Pflegeeinstufung und Zivilinvalidität. Auch das Thema Arbeit spielt eine große Rolle – sowohl bei Menschen, die bereits berufstätig sind und Probleme am Arbeitsplatz haben, als auch bei jenen, die eine Stelle suchen. Weitere zentrale Themen sind Mobilität und Wohnung. Häufig kommen Menschen zu uns, die negative Erfahrungen mit öffentlichen Verwaltungen gemacht haben oder finanziell nicht die Möglichkeit haben, sich anderweitig beraten zu lassen.<BR /><BR /><b>Wie sieht es mit dem Abbau architektonischer Barrieren aus?</b><BR />Seitz: Die Situation ist zufriedenstellend, aber es gibt noch viel Luft nach oben. Wenn eine Barriere abgebaut wird, taucht häufig an anderer Stelle schon die nächste Herausforderung auf. Gerade in den neuen Stadtvierteln müssen wir stärker darauf achten, dass die Erreichbarkeit gewährleistet ist. Ein großes Problem sind die öffentlichen Toiletten. Hier wünsche ich mir deutlich mehr Offenheit und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Gerade abends und am Wochenende sind viele öffentliche Einrichtungen geschlossen. Für Menschen mit Beeinträchtigungen kann das zu einem ernsthaften Problem werden.<BR /><BR /><b> Was sind Ihre nächsten Ziele für die kommende Zeit?</b><BR />Seitz: Da meine Tätigkeit ehrenamtlich ist, sind die zeitlichen Möglichkeiten natürlich begrenzt. Deshalb müssen wir Prioritäten setzen. Mein großer Wunsch wäre, möglichst viele junge Menschen mit Beeinträchtigung in den Arbeitsmarkt zu bringen. Wenn uns das gelingt, wäre das für mich ein großer Erfolg. Ein weiteres Ziel ist der Abbau von Bürokratie. Die Menschen wollen wissen: Was muss ich jetzt konkret tun? Heute erhalten viele eine solche Flut an Informationen, dass sie am Ende gar nicht mehr wissen, was für sie relevant ist. Ich wage zu behaupten: Die Menschen sind heute so verwirrt wie noch nie zuvor. Wir müssen die Probleme wieder herunterbrechen und gemeinsam Prioritäten setzen: Was ist jetzt wichtig? Was ist machbar? Und was kann eine Person oder eine Familie tatsächlich bewältigen?