Ob die jüngsten Ereignisse auf mangelhafte Ausbildung, fehlende Sicherheitsvorkehrungen oder einfach auf das erhöhte Flugaufkommen zurückzuführen sind, bleibt oft unklar. Manfred Mussner, Leiter der italienischen Luftfahrtbehörde ENAC, gibt jedoch Entwarnung: Die meisten Unfälle, ob in der klassischen oder Ultraleicht-Luftfahrt (UL), seien menschlichem Versagen geschuldet. <BR /><BR />Der Flugexperte mahnt: „Die Ausbildung zum UL-Piloten hinkt jener zum Privat- oder Berufspiloten weit hinterher.“ Dennoch müsse angemerkt werden, dass die Anzahl der Flugunfälle zwar in absoluten Zahlen leicht gestiegen, in relativen Zahlen, also in Bezug auf die steigende Anzahl sich im Umlauf befindender Fluggeräte, eindeutig im Sinken ist – offenbar dank der verbesserten Technik. <h3> Ursprünglich nur Drachenflieger und Paragleiter</h3>Doch was genau steckt hinter dem Begriff „ultraleicht“? Wie Mussner klarstellt, ist die UL-Fliegerei von der herkömmlichen Luftfahrt getrennt zu betrachten: „Ursprünglich bezog sich der Ausdruck auf Drachenflieger und Paragleiter, die auch motorisiert sein konnten. Der gesetzliche Rahmen ließ jedoch zu, dass auch andere motorisierte Fluggeräte in diese Kategorie fallen konnten. Dazu gehören Kleinstflugzeuge sowie Hubschrauber.“<h3> Zulassungs- und Wartungsvorschriften weniger streng</h3>UL-Fluggeräte dürfen maximal zwei Personen – einen Piloten und einen Passagier – befördern und gelten luftrechtlich nicht als Flugzeuge im klassischen Sinne, sondern als Luftsportgeräte. Dementsprechend sind Zulassungs- und Wartungsvorschriften weniger streng als für größere Flugzeugklassen. In Italien benötigt man für das Fliegen keinen Pilotenschein im eigentlichen Sinne, sondern den „Attestato di Volo da Diporto o Sportivo“, wie er unter anderem vom Aero Club Bozen vergeben wird. <BR /><BR />Auch ein luftfahrtmedizinisches Tauglichkeitszeugnis und eine Zertifizierung des Luftfahrzeuges sind nicht notwendig. Das macht die Fliegerei vergleichsweise kostengünstig und attraktiv für Hobbypiloten. <h3> UL-Fliegerei wird zunehmend Beliebter</h3>„Der Anteil der UL-Fluggeräte steigt durch diese Vorteile rasant an, wobei die technische Entwicklung auch auf der Sicherheitsebene große Fortschritte erzielt hat“, erklärt Mussner. Ein strukturelles Problem sieht er in der Zuständigkeit: „Die Luftfahrtbehörde selbst ist im UL-Bereich nur beschränkt zuständig, da die Piloten und Fluggeräte von den Aeroclubs eigens zertifiziert werden.“ <BR /><BR />Die Regeln werden somit weniger und weniger streng, die Freiheiten für Piloten gleichzeitig größer, so Mussner. Dies, zusammen mit der wirtschaftlichen Attraktivität, wird der UL-Fliegerei vermutlich auch weiterhin zunehmende Beliebtheit bescheren.