Donnerstag, 24. Oktober 2019

Uluru: Australiens „Heiliger Berg“ wird gesperrt

Australiens „Heiliger Berg“ ist vermutlich mehr als 500 Millionen Jahre alt. Seit knapp 150 Jahren klettern Touristen hinauf. Damit ist nun Schluss. Auf Bitten der Aborigines-Ureinwohner ist der Aufstieg auf den Uluru nach diesem Freitag verboten.

Am Freitag darf man zum letzten Mal auf den Uluru.
Am Freitag darf man zum letzten Mal auf den Uluru. - Foto: © shutterstock

Ein letztes Mal noch. An diesem Freitag, um kurz vor 7, wird es am Uluru noch einmal sein wie bisher jeden Morgen.

Ein letztes Mal noch werden sie warten, Hunderte Touristen aus aller Welt mit Sonnenhüten und Wasserflaschen, die alle hinauf wollen auf den riesigen Brocken aus rotem Fels mitten in der australischen Wüste, der zwischendurch einmal Ayers Rock hieß, bis man ihn wieder so nannte wie die Ureinwohner, die Aborigines, immer schon. In dieser Größe und dieser Farbe gibt es einen solchen Berg nirgendwo sonst auf der Welt.

Wie jeden Morgen wird dann Punkt 7 ein Ranger in Uniform erscheinen und bekanntgeben, ob der Aufstieg an diesem Tag erlaubt ist. Oder ob es nicht etwa doch wieder einmal zu heiß sein wird (mehr als 35 Grad) oder zu windig.



Wenn dem so ist, dann ist die Kletterei auf den Uluru schon vorbei. Andernfalls sind noch einmal 9 Stunden Zeit. Eine Last-Minute-Tour gewissermaßen. Denn dann ist endgültig Schluss.

Auf Bitten der hiesigen Aborigines, der Anangu, die hier schon seit mehr als 30.000 Jahren zuhause sind, ist der Weg nach oben von Samstag an offiziell verboten.





Wer sich trotzdem bei einer Kletterei erwischen lässt, muss mindestens 630 australische Dollar (knapp 390 Euro) zahlen. Es kann noch deutlich teurer werden, bis hin zu ein paar Monaten im Gefängnis. Mit so etwas spaßen die Australier nicht.

Schild bat um Nicht-Besteigung

Dass das Verbot kommt, steht seit Herbst 2017 fest. Seither laufen die Vorbereitungen. Die vergangenen Jahre baten die Anangu alle Besucher darum, freiwillig unten zu bleiben. Auch ein Schild am Einstieg wies darauf hin, dass es sich um eine heilige Stätte halte, man bitte darum, sie nicht zu betreten. Viele hielten sich daran.

Zehntausende machten sich trotzdem auf den anderthalb Kilometer langen Weg nach oben – oft genug in praller Sonne und oft auch mit etwas schlechtem Gewissen. Der 360-Grad-Rundumblick ins Outback war dann aber grandios.

Müll und Pinkeln auf dem Uluru

Parkchef Sammy Wilson, selbst ein Anangu, begründet das Verbot so: „Der Uluru ist für uns ein extrem wichtiger Ort. Kein Spielplatz und auch kein Freizeitpark wie Disneyland.“

Wenn es nur das wäre: Trotz aller Schilder und Broschüren lassen Touristen haufenweise ihren Abfall liegen. Mangels Toiletten verrichten manche auf dem Unesco-Weltkulturerbe auch ihre Notdurft.

Solche Zustände gehören nun bald der Vergangenheit an. Derzeit ist es aber noch schlimmer als sonst. In den letzten Wochen war am Uluru so viel los wie wahrscheinlich nie zuvor in seiner Existenz.

In der Touristensiedlung Yulara – 18 Kilometer weiter, der einzigen halbwegs in der Nähe – sind die Hotels trotz horrender Preise ausgebucht.
Auch der Campingplatz ist voll bis auf den letzten Platz.

Touristenschlangen wie am Mount Everest

An manchen Tagen sah es am Uluru nun so aus wie auf dem Foto vom Mount Everest, das im Frühjahr um die Welt ging: eine lange Schlange von Menschen, dicht an dicht. Wie eine riesige Ameisenstraße.

Alles in allem werden dieses Jahr mehr als 400.000 Besucher erwartet.

Zum Vergleich: In der Anfangszeit des Uluru-Tourismus, in den 1950er-Jahren, waren es ein paar Hundert. Nach Alice Springs, in die nächste richtige Stadt, sind es 470 Kilometer.

Das Verbot ist umstritten. Viele finden es richtig, endlich den Bitten der Aborigines zu entsprechen. 700.000 Ureinwohner gibt es noch, die im Vergleich zu den restlichen 24 Millionen Australiern vielfach benachteiligt werden.

Andere halten die Klettertour für so etwas wie ein Grundrecht für alle Bewohner des fünften Kontinents.

Auch unter den Aborigines sind nicht alle einer Meinung. Wenn man mit Jüngeren spricht, lautet die Antwort häufig: „Ist mir egal.“ Der Künstler Billy Cooley, Jahrgang 1952, sagt: „Ich hätte kein Problem damit, wenn der Berg offen bleibt. Die Leute kommen dazu aus aller Welt. Wenn sie heimlich klettern, dann gibt es noch mehr Unfälle.“

37 Menschen starben beim Aufstieg

Tatsächlich ist der Uluru trotz seiner bescheidenen Höhe gefährlich.

Der Fels ist nicht nur steil, sondern auch extrem glatt. Mindestens 37 Menschen kamen ums Leben. Seit man sich an einer 300 Meter langen Kette nach oben hangeln kann und dadurch auch Halt beim Abstieg hat, sind es weniger geworden.

Zuletzt starb im Juli vergangenen Jahres ein 73 Jahre alter Japaner. Vergangene Woche stürzte ein zwölfjähriges Mädchen mehrere Meter nach unten.

Mit dem Kletterverbot enden fast anderthalb Jahrhunderte Geschichte: Der erste Weiße dort oben war wahrscheinlich 1873 der englische Entdecker William Goose. Er benannte ihn nach Sir Henry Ayers, einem ehemaligen Premierminister von South Australia.

An diesem Wochenende soll es am Uluru eine feierliche Zeremonie geben, von Aborigines und Weißen gemeinsam. Sicherheitshalber wird auch die Polizei dabei sein.

Nächste Woche wird dann die Kette abgebaut und auch die 138 stählernen Pfosten, die bis zu 30 Zentimeter in den roten Stein gerammt wurden.

Die Gedenksteine für die Toten und die Platte, die ganz oben in alle Richtungen weist, werden ebenfalls nach unten geholt. Die Einzigen, die künftig noch klettern dürfen, sind die Anunga selbst. Sie haben dazu eigentlich aber keinen Grund. Ihre heiligen Stätten sind alle unten am Uluru, in der roten Erde.

dpa/liz

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