Samstag, 18. August 2018

"Umarmung für Genua": Bewegende Abschiedsfeier

In einer bewegenden Trauerfeier haben tausende Menschen in Genua Abschied von den Opfern des Brückeneinsturzes genommen. Im Beisein der Spitzen von Staat und Regierung fand die Zeremonie am Samstag in einer Messehalle statt. Etliche Angehörige blieben der Feier allerdings fern.

18 Särge waren in Genua aufgebahrt. - Foto: ANSA
18 Särge waren in Genua aufgebahrt. - Foto: ANSA

Einige zogen private Trauerfeiern in ihren Heimatorten vor, andere boykottierten die Veranstaltung aus Protest gegen die Regierung. Auch mehrere tausend Einwohner von Genua kamen zu der Zeremonie. „Ich kenne niemanden, der bei dem Unglück getötet wurde. Aber ich wollte trotzdem kommen. So etwas hätte nicht passieren dürfen“, sagte der Genuese Claudio Castellaro.

Als die an den Rettungsarbeiten beteiligten Feuerwehrleute kurz vor Beginn der Trauerfeier in die Messehalle kamen, brandete Applaus auf. Auch die Spitze der Regierung wurden mit Applaus empfangen.

Ein Stich "mitten ins Herz"

„Der Einsturz der Morandi-Brücke hat Genua mitten ins Herz getroffen. Der Schmerz sitzt tief“, sagte Genuas Erzbischof Angelo Bagnasco in seiner Predigt. Auch Papst Franziskus habe sein Mitgefühl ausgesprochen. „Wir wissen, dass jegliches menschliche Wort, egal wie ernst gemeint, wenig ausrichten kann.“

In der Halle standen 18 Särge aufgebahrt, darunter ein kleiner weißer mit der Leiche des jüngsten Opfers, des achtjährigen Samuele. Er war mit seinen Eltern unterwegs zur Fähre Richtung Sardinien, wo die Familie Ferien machen wollte, als die Brücke einstürzte.

Landesweit galt am Samstag Staatstrauer. Vor öffentlichen Gebäuden wehte die Fahne auf Halbmast. Bei den Fußballspielen des Wochenendes tragen die Spieler schwarze Armbinden und legen eine Schweigeminute ein. Die Partien der beiden genuesischen Teams, Sampdoria und Genua, wurden verschoben.

Noch mehr Tote

In der Nacht zum Samstag hatten Rettungskräfte in den Trümmern der Brücke weitere Todesopfer entdeckt. Feuerwehrleute fanden die Leichen nach Angaben des Katastrophenschutzes in einem Auto, das unter einem Betonblock begraben lag. Italienischen Medien zufolge handelt es sich bei den Opfern um ein Ehepaar und seine neunjährige Tochter.

Die Leiche des wohl letzten Vermissten wurde indes im Laufe des Samstags geborgen. Laut Informationen der italienischen Nachrichtenagentur Ansa wurde der leblose Körper des Mannes aus den Trümmern gezogen. Sollte der Fund tatsächlich bestätigt werden, stiege die Anzahl der Toten auf 42. 

Die vierspurige Morandi-Brücke im Westen von Genua war am Dienstag während eines Unwetters auf einer Länge von mehr als 200 Metern eingestürzt.

apa/afp 

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stol