Freitag, 06. Oktober 2017

Umfrage: Eltern für das Impfen, aber gegen Impfzwang

Bereits seit Wochen haben sich immer wieder Eltern an die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) gewandt, die ihre Sorgen und Gedanken in Sachen Impfen und Impfzwang anbrachten.

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Foto: © shutterstock

Aus diesem Grund hat die VZS in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut APOLLIS eine kurze Umfrage zum Thema durchgeführt.

Dafür wurde im August 2017 eine systematische Stichprobe von 200 Müttern und Vätern mittels standardisiertem Fragebogen persönlich befragt. Die Stichprobe, so erklärt die VZS, spiegelt die Zusammensetzung aller Südtiroler Familien mit impfpflichtigen Kindern nach Sprachgruppe, Wohngegend, Bildungsgrad und ähnlichem wider. „Sie ist jedoch nur eingeschränkt repräsentativ, vermag also Tendenzen aufzuzeigen, die Prozentangaben dürfen jedoch nur als ungefähre Größenordnung des jeweiligen Phänomens gelesen werden.“

3 Gruppen von Eltern

Die Einstellung der Befragten zu den Pflichtimpfungen für Kinder fällt eindeutig aus: 70 Prozent stehen dem Impfen positiv gegenüber, die Mehrheit lehnt jedoch den gesetzlichen Zwang ab, wie die Verbraucherzentrale erklärt:

Damit lassen sich in Bezug auf die Thematik 3 Gruppen von Eltern unterscheiden. Die größte darunter ist sowohl für das Impfen als auch für die Entscheidungsfreiheit der Eltern nach entsprechender Aufklärung („Liberale Impfbefürworter“).

Andere Eltern, überdurchschnittlich oft italienischsprachige, sind mit der gesetzlichen Impfpflicht samt Sanktionen einverstanden. Auch hohe Schulbildung und ein Gesundheitsberuf erhöhen die Wahrscheinlichkeit, den Impfzwang gutzuheißen („Befürworter Impfzwang“).

Schließlich gibt es eine kleinere, vorwiegend deutschsprachige Gruppe von Eltern, die dem verpflichtenden Durchimpfen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen („Impfskeptiker“).

Der wissenschaftliche Leiter der Studie, Hermann Atz von APOLLIS, kommentiert das erhobene Meinungsbild folgendermaßen: „Der überraschend und ohne vorbereitende Kampagne eingeführte Impfzwang hat in Südtirol vor allem bei deutschsprachigen Eltern zu Irritation geführt. Obwohl auch sie mehrheitlich den Nutzen von Impfungen sehen, möchten sie selbst entscheiden können, ob, wann und gegen welche Krankheiten ihre Kinder geimpft werden. Eine rigide Durchsetzung des Zwanges könnte daher zu Abwehrreaktionen vieler Eltern führen, die dem gesundheitspolitischen Anliegen des Gesetzes wenig dienlich sind.“

Eltern fühlen sich wenig bis nicht informiert

Was die Information betrifft, fühlen sich laut Umfrage alle 3 Gruppen von Eltern zu einem erheblichen Teil (35-45 Prozent) wenig bis gar nicht über die Vor- und Nachteile von Kinderimpfungen informiert.

Ganz allgemein wird, so die VZS, die bisherige Informationsarbeit von Seiten der Gesundheitsdienste recht kritisch bewertet, am schärfsten – aus nachvollziehbaren Gründen – von den Impfskeptikern.

Deshalb plädiere eine große Mehrheit dafür, dass sich unabhängige Organisationen, wie die Verbraucherzentrale Südtirol, noch mehr dafür einsetzen, damit Eltern ausreichend und objektiv über die Vor- und Nachteile von Kinderimpfungen informiert werden.

Details zur Befragung können dem Kurzbericht der VZS entnommen werden.

stol

stol