Samstag, 05. März 2016

Umgang mit Missbrauchsvorwürfen: Kardinal lehnt Rücktritt ab

Der australische Kardinal George Pell hat einen Rücktritt als Finanzchef des Vatikan im Zusammenhang mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gegen Geistliche in seinem Heimatland abgelehnt.

Symbolbild.
Symbolbild. - Foto: © shutterstock

Ein Rücktritt „würde einem Schuldeingeständnis gleichkommen“, sagte der 74-Jährige in einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit dem australischen Fernsehsender Sky News. Sollte Papst Franziskus seinen Rücktritt verlangen, werde er aber „tun, was immer er will“.

Kardinal Pell: "Hätte mehr tun müssen"

Pell war in der zurückliegenden Woche vier Tage lang von der australischen Missbrauchskommission zu Vorwürfen gegen Geistliche in seiner Heimat befragt worden. Dabei räumte er persönliche Fehler im Umgang mit den Anschuldigungen ein. Nach eigenen Angaben erfuhr Pell etwa im Jahr 1974 von sexuellen Übergriffen eines Priesters. Der Kardinal sagte dazu, er hätte daraufhin „mehr tun müssen“.

Die Vorwürfe gegen den Priester Edward Dowlan, der mittlerweile im Gefängnis sitzt, brachte ein Bub nach Pells Angaben „beiläufig in einer Unterhaltung“ vor. Er habe die Gerüchte lediglich an den Schulkaplan weitergegeben.

Dass in der Stadt Ballarat bei Melbourne damals mehrere Priester Kinder missbrauchten, bezeichnete Pell als „schrecklichen Zufall“. Pell hatte zuvor stets bestritten, davon gewusst zu haben.

Soll Schweigegeld angeboten haben

Neben Dowlan richten sich die Vorwürfe auch gegen den Priester Gerald Ridsdale, mit dem sich Pell einst ein Zimmer teilte. Ridsdale soll sich in den Jahren 1960 bis 1980 an mindestens 50 Buben vergangen haben, bevor er im Jahr 1993 aufflog und zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Pell wird unter anderem vorgeworfen, Ridsdales Neffen David ein Schweigegeld angeboten zu haben, was der Kardinal bestreitet.

Die australische Missbrauchskommission war im Jahr 2012 eingesetzt worden. Sie befragte fast 5.000 Missbrauchsopfer, die Vorwürfe richten sich gegen Kirchen, Waisenhäuser, Schulen und Jugendeinrichtungen. Die katholische Kirche wird bereits seit Jahren durch zahlreiche Missbrauchsfälle weltweit erschüttert.

apa/afp

stol