Donnerstag, 06. Februar 2020

Umweltfreundliche Lösungen für den Brenner-Korridor

Die Nachhaltigkeit des Straßenverkehrs entlang der Brennerachse stand am Donnerstag im Mittelpunkt der BrennerLEC-Tagung in Bozen.

Der Verkehr am Brenner-Korridor war Thema bei einer Veranstaltung in Bozen.
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Der Verkehr am Brenner-Korridor war Thema bei einer Veranstaltung in Bozen. - Foto: © zö

Insgesamt 11,1 Millionen Fahrzeuge sind 2019 in beiden Richtungen über den Brenner gefahren: 7 Millionen davon waren Leichtfahrzeuge (bis 3,5 Tonnen), 4,1 Millionen Schwerfahrzeuge (davon wiederum 2,4 Millionen Euro 5-Fahrzeuge).

Rund 45.000 Fahrzeuge wurden am Tag gezählt. Wie dieses Verkehrsaufkommen bewältigt und zugleich der Verkehr auf der Brenner-Achse nachhaltiger gestaltet werden kann, darum ging es am Donnerstag bei der Fachtagung „Driving through the Alps respectfully“ im Palais Widmann in Bozen.

Die Veranstaltung wurde von der Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz im Rahmen des EU-Projekts BrennerLEC (Lower Emission Corridor) organisiert.

„Alle Möglichkeiten müssen ausgeschöpft werden“

Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte eingangs, wie wichtig der Korridor-Gedanke zur Bewältigung des Verkehrs an der Brennerroute sei: „Es müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, von der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene über die Tarif-Politik bis hin zu Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Autobahn“, erklärte Kompatscher.

Auch Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider setzt auf einen umweltfreundlichen Brenner-Korridor: „Straße und Schiene müssen in Kombination und nicht in Konkurrenz zueinander gesehen werden. Mit dem Brenner Basistunnel sind wir an einem guten Punkt angelangt, nun gilt es die südlichen und nördlichen Zulaufstrecken und – parallel dazu –Maßnahmen auf der Straße zu realisieren.“

Für Umweltlandesrat Giuliano Vettorato hat die Fortsetzung des BrennerLEC-Projekts auch nach April 2021 Priorität. „Die Straßenverkehrsordnung sieht bisher Tempolimits aus Umweltgründen nicht vor. Es gilt die Regierung dahingehend zu sensibilisieren“, erklärte Vettorato. Wichtig sei aber auch das Miteinbeziehen der Bevölkerung: „Um das Allgemeingut Luft und damit unsere Gesundheit zu schützen, müssen wir auch die Bürger für umweltfreundliche Maßnahmen entlang der Brennerachse gewinnen.“

Ziel des 2016 gestarteten Projekts ist es, eine emissionsarme Verkehrsachse (Lower Emissions Corridor LEC) zu schaffen. Dazu wurde in mehreren Phasen und Abschnitten die dynamische Geschwindigkeitsreduzierung entlang der Brenner-Route getestet.

Weniger NO2, weniger CO2

Die bisherigen Resultate zeigen, dass der Leichtverkehr (bis 3,5 Tonnen) einen großen Einfluss auf die Luftqualität und den Verkehrsfluss hat. 60 Prozent der Stickstoffdioxid-Emissionen stammt von Pkws und kleinen Nutzfahrzeugen, für die die Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 Kilometern pro Stunde gilt.

Während der Testphasen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Kilometern in der Stunde sank die NO2-Konzentration entlang der Autobahn um 10 Prozent (6mg/m3), zugleich sanken die CO2-Emissionen um knapp 700 Tonnen und die auch Fahrtdauer wurde an Tagen mit hohem Verkehrsaufkommen um 30 Prozent kürzer. Die Fahrzeuge konnten mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde fahren, anstelle der bei kritischen Verkehrsverhältnissen üblichen 55 Stundenkilometer.

Neben den wichtigsten Ergebnissen von BrennerLEC wurden im Rahmen der Tagung auch Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern (wie etwa Salzburg) vorgestellt und die künftige Situation mit der Inbetriebnahme des Brenner Basistunnels (BBT) und der damit einhergehenden Verlagerung des Warentransports von der Straße auf die Schiene beleuchtet. Thematisiert wurde insbesondere auch die Möglichkeit, die Geschwindigkeit auf der Autobahn nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern aus ökologischen Gründen zu regeln.

lpa

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