Die Zahl der Todesopfer könnte allerdings auf zehn steigen, denn sechs ältere Personen, die als vermisst galten, dürften unter den Schlammmassen ums Leben gekommen sein, hieß es am Mittwoch. Mittlerweile kämpft ein 500 Mann starker Aufräumtrupp gegen die Ausbreitung der Umweltkatastrophe. Der WWF befürchtet dennoch verheerende Langzeitschäden. Die Umweltkatastrophe sei „beispiellos in der ungarischen Geschichte“ und könne “Ökosysteme, Flusslandschaften, Grund, Boden und Trinkwasservorräte massiv gefährden“.Andreas Beckmann, Leiter des WWF-Donau-Karpaten-Büros, zeichnet ein düsteres Szenario: „Es sieht nicht gut aus.“ Sollten es die Hilfstrupps in den kommenden vier Tagen nicht schaffen, den giftigen Rotschlamm zu binden, würde dieser in die Donau fließen.Nicht nur für die Flüsse ist die Lage offenbar katastrophal. Beckmann: „Das Grundwasser ist in drei Komitaten massiv gefährdet, weil es dort stark geregnet hat.“ Die im Rotschlamm enthaltenen Schwermetalle würden den Boden derart verseuchen, dass er eigentlich komplett abgetragen werden müsse.Sich in Kolontar und Umgebung aufzuhalten, sei derzeit nicht ratsam: „Die Luft ist vergiftet und in den Häusern stehen die Menschen bis zur Hüfte im Schlamm.“ Die gesundheitlichen Langzeitfolgen für die Menschen seien unabsehbar, denn einzelne Stoffe in der rotbraunen Masse seien krebserregend.Die Natur im Katastrophengebiet ist laut WWF jedenfalls zerstört: Otter, Eisvogel, Uferschwalbe - aber nicht nur seltene Arten sind bedroht. Die gesamte Tierwelt ist quasi dem Untergang geweiht. „Das Donaudelta ist zu weit weg, aber auch dort lauern Gefahren“, machte Beckmann auf die vielen unbewachten Deponien aufmerksam, die seit dem Zusammenbruch des Kommunismus in den ehemaligen Ostblock-Ländern immer mehr verfallen und damit eine tickende ökologische Zeitbombe darstellen. „Wir brauchen dringend eine lückenlose Erfassung dieser Reservoirs“, forderte Beckmann.apa