Mittwoch, 29. April 2015

Unbekanntes Risiko aus der Hosentasche

Auf sein Handy will kaum jemand verzichten. Doch die Auswirkungen des Mobilfunks auf den Menschen müssen erst noch eindeutig geklärt werden. Wie der Mittwoch zeigte, sind sich in dieser Angelegenheit selbst die Experten nicht einig.

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Foto: © shutterstock

Am gesamten Mittwoch findet im Landtag eine Anhörung zu den technischen, gesundheitlichen, pädagogischen und rechtlichen Aspekten von Mobilfunk und digitalen Medien statt. Fachleute aus Medizin, Ingenieurswesen, Schule, Umwelt und Recht aus Italien, Österreich und Deutschland trugen vor.

Das Ergebnis: recht widersprüchlich. Beim heiklen Thema der Strahlung sind sich auch die Experten nicht einig.

Experten: Bei Mobilfunk und WLAN keine gefährliche Strahlung

Ingenieur Guido Riva von der Ugo-Bordoni-Stiftung befasste sich intensiv mit den technischen Aspekten des Mobilfunks. Im Landtag erklärte er, dass besonders die ionisierenden Strahlen – zu denen beispielsweise Röntgenstrahlen und Radioaktivität zählen – gefährlich seien. Der Mobilfunk gehöre nicht zu dieser Gruppe.

Ingenieur Andreas Zöschg von der Gikispy GmbH hat das WLAN-Netz für Bozen errichtet. Auch er betonte: Beim WLAN-Funk handle es sich um nicht gefährliche Strahlung. Allerdings: „Das Problem ist die Zahl der Emissionen. Heute gibt es viele Geräte, die eine WLAN-Übertragung nutzen, nicht nur Handys.“

„Es ist ein Irrtum, dass unter der Antenne am wenigsten Strahlung zu spüren ist. Das lässt sich eindeutig widerlegen“, erklärte indessen Ingenieur Martin Virnich, Vertreter des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen. Es sei deshalb Unsinn, Antennen auf Schulen oder anderen „sensiblen“ Gebäuden anzubringen. Sinnvoller wäre da die Trennung in Innen- und Außenversorgung: So müssten Hausmauern nicht mit besonders starker Leistung durchstrahlt werden.

Ärzte über gesundheitliche Auswirkungen uneins

Entwarnung für all jene, die ihre Gesundheit durch den Mobilfunk in Gefahr sehen, wusste Dr. Alessandro Polichetti vom Obersten Sanitätsrat Italiens zu geben: „Zu toxischen oder karzinogenen Auswirkungen durch den Mobilfunk gibt es keine gesicherten Erkenntnisse“, sagte er. Handys gebe es mittlerweile schon lange. Eine erhöhte Rate an Hirntumoren sei bisher nicht festgestellt worden.

Dem widersprach Dr. Fiorenzo Marinelli, vehement: Der Biologe und Forscher beim Institut für Molekulargenetik des staatlichen Forschungsrates CNR erklärte, die Spitzen der Mobilfunkstrahlung hätten eindeutig Auswirkung auf die menschlichen Zellen. „Epidemiologische Studien haben eine Zunahme von Pathologien in der Nähe von Mobilfunkantennen festgestellt.“ Andere Studien bezeichneten den Mobilfunk als „sicher krebserregend“. Marinelli riet dazu, vor allem auf Kabelverbindungen zu setzen.

Professor Norbert Vana, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats Funk beim österreichischen Ministerium für Verkehr, Infrastruktur und Technologie erklärte indessen: „Nach derzeitigem Forschungsstand sind Auswirkungen auf kognitive Fähigkeiten auszuschließen. Die gentoxische Wirkung ist noch nicht geklärt, ebenso die Auswirkungen auf Zeugungsfähigkeit und Tumorentwicklung.“ Aufgrund der Unsicherheit werde aber weiterhin ein sorgsamer Umgang mit Mobiltelefonie empfohlen.

stol

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