„Tagsüber bin ich Mutter, nachts Krampus“, erzählen Desire Raffeiner von den Tschan Teifl Loidn und Silvia Prossliner, Krampusfrau bei den Höllenweiber Südtirol. Während Nadine Plieger als Kellnerin arbeitet, bevor sie bei Nacht als Mitglied der Tschan Teifl Loidn zu einem Krampus wird. Wie die Südtirolerinnen zum Krampusbrauch gefunden haben, was sie daran begeistert und welche Reaktionen sie damit auslösen, erzählen sie im Gespräch.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102269_image" /></div> <h3> „Zu Beginn war es nicht einfach“</h3>„Als 2016 die Höllenweiber gegründet wurden, war es zu Beginn nicht einfach“, erzählt Silvia Prossliner, Mitglied der Frauengruppe. „Da Südtirol ein sehr traditionsbezogenes Land ist, gab es vor rund 10 Jahren so gut wie keine anderen Krampusfrauen“.<BR /><BR /> In den vergangenen Jahren habe sich das geändert: Das Krampuswesen habe sich etwas modernisiert und zunehmend für Krampusfrauen geöffnet. Die genaue Anzahl hier im Land lässt sich allerdings schwer abschätzen. Während Frauen früher fast ausschließlich als Schildträgerinnen bei Schauläufen mitwirkten, mischen mittlerweile immer mehr Frauen als Krampusse mit.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102266_image" /></div> <h3> „Als die Angst verging, kam die Freude und ich wurde selbst zum Krampus“</h3>Desire Raffeiner, Krampusfrau bei den Tschan Teifl Loidn kam durch ihren Partner zum Krampuswesen. „Ein paar Mal musste ich als Schildträgerin einspringen und nahm also eher zufällig an meinen ersten Schauläufen teil. Die Atmosphäre dort hat mich so sehr begeistert, dass ich mich dazu entschlossen habe, selbst Krampus zu werden“, erzählt sie weiter.<BR /><BR />Mit dem Krampustum aufgewachsen ist hingegen Nadin Plieger, ebenfalls Mitglied der Tschan Teifl Loidn: „Mit meinem Vater als Mitgründer der Tuiflgruppe kam ich schon früh mit dem Thema Krampus in Berührung. Schon als Kind sah ich, wie sie ihre ,Lorven' anzogen, in ihre Rollen schlüpften und wie sie versuchten, mir meine Angst zu nehmen. Als die Angst verging, kam schließlich Freude.“ Und Nadin wurde selbst zum Krampus.<BR /><BR /><i>Sehen Sie hier die Bilder der Krampusgruppen:<BR /><BR /><embed id="dtext86-67587431_gallery" /><BR /></i><h3> „Einen Moment aus dem Alltag ausbrechen und in die Rolle des Krampus eintauchen“</h3>„Es ist einfach bärig, als Krampus um die Häuser zu ziehen und die Emotion in den Augen der Zuschauer zu sehen“, schildert Silvia von den Höllenweiber Südtirol. <BR /><BR />Auch für Desire sind Schauläufe immer wieder ein besonderes Erlebnis: „Man kann einen Moment aus dem Alltag ausbrechen und vollständig in die Rolle des Krampus eintauchen. So passiert es nicht selten, dass sich unter der düsteren Maske auch ein ernstes Gesicht verbirgt.“ <BR /><BR />„Auch das Zusammentreffen und der Austausch mit den anderen Tuiflgruppen vor den Schauläufen machen das Krampussein zu etwas ganz Besonderem. Mittlerweile sind daraus auch viele Freundschaften entstanden“, erzählt Plieger.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102458_image" /></div> <h3> Zuschauer sind begeistert</h3>Wenn die Krampusfrauen dann auch Mal ihre „Lorven“ abnehmen, sind die Reaktionen weitgehend positiv. „Die meisten ,Frauenlorven' haben ohnehin weibliche Gesichtszüge und lange Haare, weshalb viele schon erahnen, dass eine Frau unter der Maske steckt,“ so Silvia von den Höllenweiber Südtirol. Trotzdem seien die Zuschauer immer wieder begeistert, schildern die 3 Krampusfrauen.<h3> Krampuslarven mit weiblichen Gesichtszügen und langen Haaren</h3>„Neben der Maske ist das Tuiflgewand meist aus weiteren 2 bis 3 Teilen zusammengesetzt: Dem Schellenbalken bzw. Glockengurt sowie dunkler Kleidung und einem Fellmantel darüber. <BR /><BR />Das Gewand eines jeden Krampus ist individuell gestaltet, erklärt Desire: „Ich wollte zum Beispiel eine ganz besondere ,Lorv', bei der die Hälfte meines Gesichts sichtbar bleibt. Indem der Mensch noch darunter hervorblitzt, wollte ich den Aspekt der Verwandlung betonen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102707_image" /></div> <BR /><BR />Da das Gewand eines jeden Krampus sehr verschieden ist und sich nahezu alles personalisieren lässt, variieren auch Preise und Gewicht. „Grob gesagt, wiegt das gesamte Gewand mehrere Kilogramm, die Preise für das gesamte Gewand starten bei knapp über tausend Euro“, erklärt die 26-jährige Nadin Plieger. <BR /><BR />Indem die 3 Krampusfrauen das Brauchtum neu interpretieren, schließen sie neue Freundschaften und schaffen unvergessliche Erlebnisse, während sie als Krampusse nicht weniger toben als ihre männlichen Artgenossen. <BR /><BR />Für die Zukunft hofft Silvia Prossliner, dass sich noch mehr Frauen für das Krampuswesen begeistern lassen. „Wir sind stolz darauf, dieses Brauchtum als Frauen neu zu interpretieren und hoffen, dass sich in Zukunft noch mehr Frauen herantasten.“