Spätestens als man gestern Vormittag den Fernseher oder das Radio angemacht hat, wusste man: In Innichen läuft ein Großeinsatz. Die Bevölkerung wurde vom Zivilschutz aufgerufen, aus Sicherheitsgründen zu Hause zu bleiben. Lange blieb der Grund des Einsatzes unklar, im Laufe des Vormittags stellte sich dann heraus: Eine unfassbare Bluttat hat sich ereignet. 2 Menschen wurden ermordet. Der mutmaßliche Täter starb gestern am frühen Abend im Bozner Krankenhaus. <BR /><BR />Doch von Anfang an: Alles begann, als um 23.20 Uhr ein Alarm bei der Freiwilligen Feuerwehr Innichen einging. „Anrainer der St.-Korbinian-Straße hatten Alarm geschlagen, da sie Gasgeruch wahrgenommen hatten“, berichtet Andreas Schäfer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Innichen. Innerhalb kürzester Zeit erreichten die Wehrleute den Schauplatz des Geschehens. „Die Nachbarn berichteten uns, dass sie zudem Schüsse gehört hätten“, so Schäfer. Nach einer ersten Lageerkundung entschied der Feuerwehr-Kommandant, Verstärkung anzufordern. „Wir haben sofort Polizei und Carabinieri alarmiert, auch die Rettungskräfte sind dazugekommen“, sagt Schäfer. Zudem kümmerten sich die Wehrleute darum, die Nachbarn, welche die Feuerwehr alarmiert hatten, in Sicherheit zu bringen. Als die Ordnungshüter eintrafen, wurde gemeinsam mit den ebenfalls eingetroffenen Nachbarwehren aus Sexten und Welsberg die nächsten Schritte besprochen.<BR /><BR />„Das Haus wurde ausgeleuchtet, um zu verstehen, ob sich jemand darin befindet“, so Schäfer. Das habe der mutmaßliche Täter, der sich im Gebäude befand, bemerkt, woraufhin er sofort angriff. „Plötzlich hat er auf uns geschossen“, erzählt Schäfer. Ein Carabiniere-Beamte, der Zuflucht in einem benachbarten Hauseingang gesucht hatte wurde leicht verletzt. Sonst kam von den Einsatzkräften zum Glück niemand zu Schaden. Von mehreren Kugeln getroffen wurde allerdings ein Feuerwehrauto; ebenso ein Einsatzfahrzeug der Carabinieri und andere Autos wurden beschädigt.<BR /><BR />„Ich persönlich habe den Schützen nicht gesehen, aber einige andere Feuerwehrmänner schon, da sie anders positioniert waren“, sagt der Feuerwehr-Kommandant. Nachdem sich der Schütze wieder beruhigt hatte, entschied Schäfer, ins Gerätehaus zurückzukehren, um den Großeinsatz von dort aus zu koordinieren. Wie spät es da etwa gewesen ist, erinnert sich der Kommandant nicht mehr genau: „Es ist so viel passiert, da hatte ich keine Zeit, auf die Uhr zu schauen.“ Die Hauptaufgabe der Feuerwehr war es in weiterer Folge, das Dorf großräumig abzusperren und Kontakt mit der Bevölkerung aufzunehmen. Das gelang vor allem über das Smartphone, wie Schäfer berichtet: „Auf Whatsapp haben wir eine Nachricht an alle möglichen Gruppen gesendet, um die Bevölkerung zu warnen und sie aufzufordern, das Haus nicht zu verlassen.“ <BR /><BR />Im Laufe des Sonntagvormittag traf dann eine Spezialeinheit der Carabinieri ein, die die Wohnung, in der sich der Schütze verschanzt hatte, stürmte. Der Großeinsatz endete schließlich gegen 11 Uhr. Sowohl die freiwilligen Feuerwehrmänner als auch die restlichen Einsatz- und Rettungskräfte waren de facto also mehr als 11 Stunden lang auf den Beinen. „Es war ein langer und anstrengender Einsatz“, sagt Schäfer und fügt hinzu: „Wir haben das Nötigste getan, um der Bevölkerung zu helfen. Ich bin froh, dass kein Freiwilliger zu Schaden gekommen ist.“