Der Vorschlag wurde in Abwesenheit des Dekans, der sich gerade auf Kur befand, vorgetragen. Während im Pfarrgemeinderat einige wenige von der Idee überzeugt schienen, ist der Dekan – und mit ihm ein guter Teil der Bevölkerung – gegen das Vorpreschen einiger weniger. <BR /><BR />Die Befürworter des Baus hatten angeführt, St. Ulrich brauche wie beispielsweise Wolkenstein eine eigene Totenkapelle. Und sie hatten auch einen ersten Plan mit einem unterirdischen Bau vor dem Eingang zur Herz-Jesu-Seitenkapelle der Pfarrkirche vorgelegt.<BR /><BR />Dem kann der Dekan nichts abgewinnen: „Wir haben in St. Ulrich genug Räume, in denen wir unsere Toten aufbahren können. Wir sind seit einiger Zeit abgekommen von der häuslichen Aufbahrung, können seitdem die Pfarrkirche – oder da eine Seitenkapelle–, die Annakirche am Friedhof oder auch die Antoniuskirche nutzen. Zudem gibt es am Friedhof einen eigens eingerichteten Raum, wo man vom Verstorbenen Abschied nehmen kann. Also braucht es einen neuen Bau, den man ja auch schwerlich finanzieren könnte, gar nicht“, sagt der Dekan ganz klar.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="841499_image" /></div> <BR /><BR />Auch die Ausrede, die Aufbahrungsstätte am Friedhof sei etwas zu abgelegen, lässt Pitscheider nicht gelten: „Wenn jemandem die paar Schritte bzw. die 10 Minuten, dorthin zu kommen, um von einer lieben, geschätzten Person Abschied zu nehmen, zu viel sind, dann ist sowieso alles zu spät“, verdeutlicht er. <BR /><BR />Und er führt auch einige andere praktische Hinweise an. In der großen Pfarrkirche sei genug Raum, es sei Licht da, es sei auch warm genug, und bei gut besuchten Rosenkranzgebeten hätten auch recht viele Menschen Platz. In einer Totenkapelle sei das anders, und viele müssten vor der Tür stehen bleiben. Wo es im Winter auch ganz schön kalt werden kann...<BR /><BR /><embed id="dtext86-57327198_quote" /><BR /><BR />Außerdem führt der Dekan auch theologische Aspekte für sein striktes Nein zum Vorhaben an: „Unser Glaube spricht von der Auferstehung, vom Übergang der Seele in den Frieden, ins Licht, in die Ruhe. Und das soll unterirdisch geschehen? Will man die Verstorbenen schon vor der Beerdigung sinnbildlich verschwinden lassen? In einem dunklen ,Loch' kann man die Aspekte des Glaubens fürwahr nicht vermitteln.“<BR />Zudem sei es heute so, dass zahlreiche Menschen im Altersheim oder in einem Krankenhaus versterben und erst zur Beerdigung überführt werden. Da bringe man sie rasch in die Kirche. „Die Kirche ist der Ort, wo die Menschen lebend gerne hinkommen, deshalb soll ihnen auch als Verstorbene die Tür da offen bleiben.“<BR /><BR />Der fleißige Friedhofswärter Alexander Verra schließt sich der Meinung des Dekans an: „Wir haben im Ort genug andere Möglichkeiten. Ich kann mich mit dem Vorschlag nicht anfreunden, auch weil sicherlich keine Möglichkeit einer Finanzierung besteht.“<BR /><BR />Gerade dazu spricht Dekan Vijo Pitscheider einen markanten Satz: „Das Geld sollte man besser für die Lebenden und nicht für die Verstorbenen einsetzen.“<BR />