„Ich bin der Sache nachgegangen und war vom Ergebnis nicht nur überrascht, sondern erschüttert“, sagt der frühere Meraner Sozialstadtrat Stefan Frötscher. <BR /><BR /><BR /><BR />Ilia Conti ist eine Frau, die hart im Nehmen ist. Ihren Ex-Mann hat sie aus der Obdachlosigkeit geholt, ihren körperlich beeinträchtigten Sohn mit Hartnäckigkeit in Arbeit gebracht. So war es für sie auch keine Frage, ihre seit Jahren demente Mutter, die zudem vor rund 4 Jahren auch noch einen Schlaganfall erlitten hatte und als Invalidin eingestuft wurde, daheim zu pflegen. <BR /><BR />Im Oktober 2020 wird die Frau aus dem Spital entlassen, weil es mit ihr zu Ende gehe. „Ihre Mutter will sterben, sagte mir der Spitalsarzt. Ich habe sie dann wie ein Vögelchen aufgepäppelt, Löffel für Löffel. Meine Mutter isst nur, wenn ich ihr das Essen eingebe“, erzählt Ilia Conti, die seit 4 Jahren in Pension ist und vorher 20 Jahre in der Küche und dann 3 Jahre als Pflegehelferin in einer Pflegeeinrichtung gearbeitet hat. <BR /><BR /><b>Hausarzt rät zu Neueinstufung</b><BR /><BR />Auf Anraten des Hausarztes hat Conti im Oktober 2020 um eine Pflegeneueinstufung ihrer Mutter angesucht. Wegen der Pandemie kam die Einstufungskommission aber erst heuer Anfang Mai bei Ilia Conti vorbei. Dabei wurde der Fragebogen ausgefüllt und das Malheur nahm seinen Lauf. <BR /><BR />Laut Schreiben des Landes vom Mai brauche die 95-Jährige nicht mehr 188 Stunden und 18 Minuten Pflege pro Monat, wie dies 2017 festgestellt worden war, sondern nur mehr 178 Stunden und 11 Minuten pro Monat. Das heißt: Pflegestufe 2 und 900 Euro Pflegegeld im Monat und nicht mehr Pflegestufe 3 und 1350 Euro monatlich. <BR /><BR />Weil die Einstufung rückwirkend gilt, wird das seit November 2020 zu viel ausgezahlte Pflegegeld jetzt einbehalten sprich 2700 Euro. „Das wurde mir nicht schriftlich mitgeteilt, es kam einfach kein Geld mehr. All dies empfinde ich als Erniedrigung. Offensichtlich hat man festgestellt, dass mir meine Mutter jetzt weniger Arbeit macht, weil sie noch mehr ans Bett gefesselt ist. Dabei kann ich sie keine Minute aus den Augen lassen“, sagt sie.<BR /><BR /><embed id="dtext86-50288140_quote" /><BR /><BR /> Bettlägrig sei ihre Mutter seit Jahren. Sie aus dem Bett in den Rollstuhl zu hieven, um sie auf den Balkon zu schieben, sei sie ohne starke Arme ihres Lebensgefährten nicht imstande. Ebenso anstrengend sei es, ihre inkontinente Mutter zu waschen usw. „Aber ich gebe nicht auf, ich gebe nie auf. Ich habe über das Patronat Rekurs eingelegt, aber vielleicht lebt meine Mutter dann schon gar nicht mehr. Dann habe ich tatsächlich weniger Arbeit“, sagt sie und ihre Augen füllen sich mit Tränen.<BR /><BR /> Den Fall Maria P. hat der frühere Meraner Sozialstadtrat Stefan Frötscher an die Öffentlichkeit gebracht, weil er Ilia Conti bereits in Vergangenheit bei sozialen Anliegen begleitet hat. „Ich kenne Ilia als eine Frau, die nie aufgibt. Als sie mir ihre Situation schilderte und ich der Sache nachgegangen bin, war ich vom Ergebnis nicht nur überrascht, sondern erschüttert. Ich habe mich ans Patronat gewandt, ihr zum Rekurs geraten und war ihr bei den weiteren Schritten behilflich.“<BR /><BR />Für Soziallandesrätin Waltraud Deeg, die den Fall nicht kennt, „ist es gut, dass Rekurs eingereicht wurde“. „Für mich ist die Herabstufung so nicht verständlich, aber es kommt immer wieder vor, dass sich die Pflegende beim Ausfüllen des Fragebogens zum Pflegeausmaß so ,zusammenreißen„, dass dann so etwas herauskommt“, sagt Deeg.<BR />