Neben coronabedingt aufgeschobenen Visiten machen dem Sanitätsbetrieb vor allem Personalmangel und steigende Nachfrage zu schaffen. Sanitätsdirektor Josef Widmann stellt aber auch die Frage, ob wirklich jede Facharztuntersuchung notwendig ist. <BR /><BR /><BR />365 Tage warten heißt es, wer sich in einem nicht dringenden Fall in Innichen einer urologischen Visite unterziehen lassen will. Das ist der absolute Negativrekord bei den Wartezeiten für Facharztvisiten an den 7 Krankenhäusern im Land. Oberpusterer, die schneller zum Urologen wollen, müssen eben auf andere Spitäler im Land ausweichen. <BR /><BR />Doch auch in anderen Fachbereichen sieht die Lage nicht viel besser aus. So wartet man im Krankenhaus Brixen 286 Tage auf eine endokrinologische und 215 Tage auf eine internistische Visite. 278 Tage muss man auf eine orthopädische Visite am Krankenhaus Schlanders warten. Und am Krankenhaus Bozen kommt man zu einer Gastroskopie erst in 226 Tagen an die Reihe, in Meran nach 212 Tagen. <h3> Dermatologie hinkt hinterher</h3>Besonders lang sind die Wartezeiten für dermatologische Visiten: 286 Tage am Krankenhaus Schlanders, 253 in Sterzing, 219 in Brixen und 187 Tage in Innichen. Im Schnitt liegen die Wartezeiten für nicht dringende Facharztvisiten vielfach bei rund 3 Monaten. <BR /><BR />Das Problem der langen Wartezeiten hat sich nicht nur durch Corona weiter verschärft. „Natürlich hat uns die Pandemie zurückgeworfen, aber wir haben schon vieles, was sich angehäuft hat, wieder aufgeholt“, sagt Generaldirektor Florian Zerzer. Allerdings würden die vielen Visiten, die wegen Corona aufgeschoben worden sind, derzeit auch für eine erhöhte Nachfrage sorgen. Hinzu komme der notorische Personalmangel, der die Wartezeiten in einigen Fachbereichen noch einmal verlängert.<BR /><BR /><embed id="dtext86-57421033_quote" /><BR /><BR />In diesem Sinne sei es laut Zerzer mehr als positiv, dass die Regierung in Rom einen ersten Schritt gesetzt habe, indem man Ärzten die Möglichkeit geben will, nicht mehr mit 67 Jahren zwingend in den Ruhestand zu treten, sondern auf freiwilliger Basis bis 72 weiterzuarbeiten. „Wir haben zwar vorgebaut und im Rahmen der Facharztausbildung 120 angehende Ärzte außerhalb des Stellenplanes im Dienst, aber diese Maßnahme würde einiges der in den kommenden Jahren zu erwartenden Zuspitzung der Lage wegnehmen“, so Zerzer.<BR /><BR />Neben dem Personalmangel sei es aber vor allem die steigende Nachfrage an Facharztvisiten, die zu immer längeren Wartezeiten führe, so Sanitätsdirektor Josef Widmann. Corona allein ist daran nicht Schuld. So habe man in der Arbeitsgemeinschaft Radiologie festgestellt, dass der Leistungsumfang noch deutlich ansteigen wird. „Wenn man dieses Thema aber einigermaßen unter Kontrolle bringen will, braucht es nicht nur mehr Personal, sondern auch mehr technische Ausstattung“, so Widmann.<BR /><BR /> Man müsse sich aber bewusst sein, dass man die Anzahl an Facharztvisiten nicht ad infinitum ausdehnen könne. Insofern müsse man sich wohl die Frage stellen, ob auch wirklich jede Visite sein muss, so Widmann. <BR />