„Ich bin überrascht, wie hartnäckig manche Patienten bei ihrer Entlassung noch sind: Sie streiten auch da noch die Existenz von Corona ab, nur um ihr ganzes Weltbild nicht umwerfen zu müssen“, sagt Andrea Pizzini, der mit „Wellenbrecher“-Videos über den Alltag auf den Stationen berichtet. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="708425_image" /></div> <BR /><b>Vor einem Jahr haben Sie mit Ihren Dokumentationen angefangen, jetzt erleben Sie bereits die vierte Welle sozusagen von innen. Wie geht es Ihnen?</b><BR /><BR />Andrea Pizzini: Mir tun vor allem die Pfleger leid. Es ist echt frustrierend, wie es derzeit zugeht – auf der Intensivstation, aber auch in den Normalstationen. Direkt erlebe ich jene in Bozen und Meran, mittlerweile kenne ich aber überall Pfleger und Ärzte und ich bekomme die Geschichten erzählt. Waren in der ersten und zweiten Welle die Patienten noch dankbar und froh, dass sie behandelt wurden, so ist jetzt mindestens die Hälfte der Patienten ungehobelt, sie sind stur und grantig, sie wollen nicht im Bett bleiben. Ich selbst habe einen Patienten auf der Normalstation erlebt, der sich nach einer Sauerstofftherapie und Medikamenten gut fühlte und gehen wollte. Die Pfleger mussten ihm erklären, dass seine Werte schlecht seien. Vor 2 Wochen musste ein anderer Patient intubiert werden – 2 Tage zuvor hatte er gesagt, es gehe ihm gut, er sei froh, dass er nicht impfen müsse. Er ist immer noch intubiert. Die Pfleger müssen – grob gesagt – Leuten den Hintern putzen, weil sie einfach nicht glauben wollen, dass es Corona gibt. Es gibt Esoteriker, die sich beklagen, dass es keine zuckerfreie Marmelade oder Bionahrung gibt. Oft sind es auch die Angehörigen, die Pflegern und Ärzten das Arbeiten schwer machen. Einer sagte, man solle seinen Angehörigen entlassen und aufhören, diese Show abzuziehen. Die Ärzte mussten ihm erklären, dass sein Angehöriger ohne Intubation sterben werde. Auf der Normalstation hat mir einer gesagt, er sei froh, infiziert zu sein, jetzt bekomme er seinen Green Pass, ohne sich impfen lassen zu müssen. Und ich habe von Leuten gehört, die aus der Intensivstation entlassen wurden und die sogar dann noch sagten, sie würden sich nach der Genesung sicher auch nicht impfen lassen. <BR /><BR /><b>Erzählen die Leute Ihnen dann auch, dass sie auf Coronapartys waren, sich bewusst mit dem Virus angesteckt haben?</b><BR /><BR />Pizzini: Nein, ich habe die Kamera dabei. Ich habe versucht, mit 30 No-Vax-Patienten zu reden. 2 haben mit mir geredet und mir die Genehmigung zur Veröffentlichung gegeben, einer hat diese im Nachhinein zurückgezogen, weil er Druck aus der Familie bekam. Ich werde weiterhin versuchen, Aussagen von No-Vax-Patienten zu sammeln. Das von den Coronapartys scheint mir aber auf der Hand zu liegen. Auch die Mitarbeiter der Covid-Stationen sehen das so. Immer, wenn man von solchen Partys in einer Gegend hörte, kamen ein oder 2 Wochen später mehrere Patienten genau aus der Gegend ins Krankenhaus. Das ist wohl kein Zufall. Klar sagen tut das aber keiner, wohl auch, um die anderen zu schützen. <BR /><BR /><embed id="dtext86-51659587_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Wer sind denn die Patienten dieser vierten Welle?</b><BR /><BR />Pizzini: Ich sehe vor allem deutschsprachige Patienten aus den Tälern, die wenigsten stammen aus der Stadt. Ich bin überrascht, wie hartnäckig sie auch im Krankenhaus noch Corona leugnen. <BR /><BR /><b>Herr Pizzini, es ist alles frustrierend, Sie dokumentieren freiwillig diese Pandemie. Wie ernähren Sie Ihre Familie?</b><BR /><BR />Pizzini: Ja, die Leute wollen mir nicht glauben, dass ich das nebenbei und kostenlos mache. Ich vernachlässige dafür meine Familie. Ich bin den halben Tag im Krankenhaus, den anderen halben Tag gehe ich meinem Brotjob nach. <BR /><BR /><b>Undankbarkeit ist der Welten Lohn...bei Ihnen sogar Beschimpfungen.</b><BR /><BR />Pizzini: Solange ich auf Facebook beschimpft und bedroht werde, kann ich das abschalten. Ich werde aber auch auf der Straße beschimpft und das stört mich. Andererseits konnte ich es auch nicht stehen lassen – schon meinen Kindern zuliebe –, dass es Leute gibt, die diese Pandemie verleugnen. Ich wollte im September aufhören, aber Pfleger und Ärzte haben mich motiviert, weiterzumachen. Ich bekomme schon auch positives Feedback, so ist es nicht. Viele und ich selber sagen mir: Es ist wichtig, dass ich hingehe und das dokumentiere. <BR /><BR /><b>Als Sie angefangen haben, die Situation in Südtirols Coronastationen zu dokumentieren, setzte man alle Hoffnung auf die Impfung. Worauf hoffen Sie jetzt?</b><BR /><BR />Pizzini: Ich mag gar nicht so richtig vorausschauen, ich traue mich nicht – alles kann sich so schnell ändern. Momentan ist die Situation in den Intensivstationen stabil, überraschend stabil. Ich hoffe auf die neuen Medikamente. <BR /><BR />