<BR />Es ist 20.30 Uhr im feucht-kalten Hamburg. Ich bin auf dem Weg von der Redaktion zum Studio. Es ist jener Ort, wo aus Stunden, Tagen oder gar Wochen gründlichster Recherche schlussendlich eine Sendung wird, die Millionen vor den Fernseher lockt und dann auch fesselt. <BR /><BR />Achim, ein Kollege aus der Redaktion, und ich, seit jüngst sein Schützling, machen uns auf den kurzen Weg. Heute wird es ernst. Es ist Sendetag. Noch wenige Stunden, dann wird im ZDF die brandneue Ausgabe der Talkshow „Markus Lanz“ ausgestrahlt. Noch wenige Minuten, dann begegne ich den prominenten Gästen, deren Stimmen gleich im ganzen Land zu hören sein werden.<BR /><BR /> Mein Nervositätsspiegel steigt wieder, nachdem er sich kurz beruhigt hat. Denn: Erst vor weniger als einer halben Stunde habe ich niemand Geringeren als den Südtiroler Star-Moderator Markus Lanz persönlich kennengelernt. Ein sympathischer Mann, elegant, selbstbewusst und top informiert, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Hinter den Kulissen ist er, trotz seines Erfolgs, nahbar geblieben. <BR /><BR />„Es freut mich, Sie kennenzulernen, Herr Lanz“, sage ich beim Handschlag. Er lächelt kurz, drückt meine Hand und antwortet: „Ich bin der Markus.“ Mit erstaunlicher Leichtigkeit wechselt er im Bruchteil einer Sekunde vom klaren Hochdeutsch in den Südtiroler Dialekt und mindestens genauso mühelos wieder zurück.<h3> Regelmäßige Heimkehr nach Südtirol</h3>Man merkt sofort: Seiner Heimat ist Markus nach wie vor verbunden. „Er fährt regelmäßig nach Südtirol“, weiß Redaktionsmitglied Olav. Seit über 15 Jahren moderiert der Pusterer seine eigene Talkshow im ZDF – eine der erfolgreichsten in ganz Deutschland. So sitzen von Dienstag bis Donnerstag am späten Abend Millionen gespannt vor Fernsehgeräten, um Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Journalismus, Unterhaltung, Kultur und allem Drumherum im oft hitzigen Schlagabtausch mit dem Südtiroler Moderator zu erleben.<BR /><BR /> Um 21 Uhr ist Aufnahmebeginn. Die Show-Gäste sollten jeden Moment eintreffen. Die Mitarbeiter eilen hastig durch die Gänge, während Redakteure letzte Informationen austauschen. Bei den Visagisten herrscht Hochbetrieb. Sie verpassen den Gästen die richtige „Ausstrahlung“. Im Studio sind die fünf Kameras positioniert. Nach einem letzten Check werden noch schnell die weißen Stühle zurechtgerückt und das Licht optimiert. Es wirkt alles leicht chaotisch und zugleich bestens organisiert.<BR /><BR />Nun tritt Gästebetreuer Achim in Aktion. Seine Aufgabe ist es, die heutigen Gäste in ihren Garderoben abzuholen und ins Studio zu begleiten. Einer von ihnen, Boris Palmer, der Oberbürgermeister von Tübingen, ist schon startklar. „Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Trubel und an die Promis“, schmunzelt Achim.<BR /><BR /> Er hat bereits Herbert Grönemeyer betreut und sich dabei mit dem Schauspieler und Sänger über Gott und die Welt unterhalten oder mit der ehemaligen First Lady Daniela Schadt, Ehefrau von Bundespräsident a. D. Joachim Gauck, kurz „geschnackt“. Bei uns würde man Ratscher dazu sagen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1235961_image" /></div> <BR />Auf dem Weg ins Studio bleibt Achim plötzlich stehen und begrüßt mitten im Flur einen Mann, dessen Stimme mir bekannt vorkommt: Thorsten Frei, Chef des Kanzleramts. Auch ich nutze die Gelegenheit, dem Spitzenpolitiker die Hand zu schütteln. <BR /><BR />Achim geht weiter. Nach wenigen Metern bleibt er vor der nächsten Tür stehen und öffnet sie. Dahinter: gedämpftes Licht, Couch, Flatscreen und eine Bar für die Gäste – der erste Einblick in den VIP-Raum. Um den Glastisch sitzen bereits Boris Palmer, Belit Onay, der Oberbürgermeister von Hannover, sowie die Oberbürgermeisterin von Ludwigshafen, Jutta Steinruck, und Journalistin Karina Mößbauer. Hinter den Kulissen werfen sie sich bereits erste Argumente hin und her. Das Thema: die Stadtbild-Debatte.<h3> In der Stadtbild-Debatte gehen die Wogen hoch</h3>Kaum ein Thema beschäftigt Deutschland derzeit mehr als dieser Sager von Friedrich Merz. Der Kanzler hatte öffentlich von „Problemen im Stadtbild“ im Zusammenhang mit Migration und Rückführungen gesprochen und damit für einen Aufschrei gesorgt. Es gab viel Zustimmung, aber auch Empörung. Es wird heute eine heiße Diskussion. Das merke ich schon beim Betreten des VIP-Raums: Die Gäste laufen bereits warm. Neben Politik wird aber auch über Fußball, Familie und Freunde gesprochen. Dann kommt die Aufnahmeleiterin in den Raum: Es ist Showtime.<BR /><BR />Der Prominenz folgend gehen Achim und ich den Flur entlang, biegen jedoch in die Regie ab, die vorhin noch leer war – nun läuft der Betrieb auf Hochtouren. Auf acht Bildschirmen behalten Chefredakteur, Redakteure, Regisseure und Techniker alles im Blick, während sie sich eifrig Funksprüche über das Headset hin und her schicken. Die Zuschauer sehen nur das Endprodukt, wie viel sich zusätzlich hinter den Kulissen abspielt, ist beeindruckend.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1235964_image" /></div> <BR /><BR />Während die Sendung zu laufen beginnt, nehmen Achim und ich in der letzten Sitzreihe Platz. Auf den Monitoren erscheinen die Gäste, die eben noch im VIP-Raum saßen. Markus Lanz betritt das Studio, begrüßt zuerst seine Gäste und danach die Zuschauer mit sicherer Stimme. Ich lehne mich in den gepolsterten Sessel zurück, atme durch und merke, dass die Nervosität der Neugier gewichen ist. Ich befinde mich im Herzstück einer der bekanntesten Talkshows Deutschlands, darf sie vor Ort mitverfolgen. Ein Abend, der mir sicher in Erinnerung bleiben wird.