„Ich bin im Gasthaus aufgewachsen“, erzählt der 51-jährige Walter Weithaler. Er erinnert sich noch gut an frühere Zeiten: „Ich weiß noch, dass ein Fass Bier 2.000 Lire gekostet hat – etwa die Hälfte von dem, was es heute kostet“, erzählt er. Im April vergangenen Jahres hat er das direkt an der Hauptstraße gelegene Gasthaus „Rose“ in St. Felix neu eröffnet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284747_image" /></div> <BR /><BR />Zuvor stand das Lokal rund eineinhalb Jahre leer. Nach 30 Jahren als Baggerfahrer musste Weithaler aus gesundheitlichen Gründen beruflich umdenken. „Ich wusste, dass das Gasthaus leer steht und habe zuvor selbst viel Zeit hier verbracht. Mein größtes Anliegen war es, mit der Bar einen Treffpunkt für die jungen Menschen in unserem Dorf zu schaffen“, so Weithaler.<BR /><BR />Ohne Fördergelder wäre dies allerdings kaum möglich gewesen. Das Konsumverhalten habe sich laut dem Neo-Gastwirt in den vergangenen Jahren zu stark verändert: „Die Leute gehen seltener in Bars, sie müssen aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten sparen. Außerdem hat sich seit Corona das soziale Leben der jungen Menschen stärker in private Räumlichkeiten verlagert.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284750_image" /></div> <BR /><BR />Um das Lokal trotzdem erhalten zu können, hat der 51-Jährige um Fördermittel des Landes für gastgewerbliche Nahversorgungsbetriebe angesucht – Gelder, die die Eröffnung und Aufrechterhaltung von gastgewerblichen Nahversorgungsbetrieben insbesondere in strukturschwachen Gebieten unterstützen sollen. Das trifft auf St. Felix zu. <h3> Strenge Förderkriterien</h3>Die Förderung sieht – laut Hoteliers- und Gastwirteverband – bei Neueröffnung eines einzigen gastgewerblichen Nahversorgungsbetriebes einen einmaligen Beitrag von bis zu 30.000 Euro vor sowie 13.000 Euro pro Folgejahr für dessen Erhaltung. Um die Förderkriterien zu erfüllen, muss sich der Betrieb im Ortskern oder höchstens einen Kilometer davon entfernt befinden, mindestens zehn Stunden an mindestens fünf Tagen in der Woche geöffnet und ganzjährig in Betrieb sein. Zudem muss das Lokal die Versorgung garantieren, also Gäste oder Passanten mit Speis und Trank versorgen. Als strukturschwach gelten touristisch gering entwickelte Gebiete.<BR /><BR />Dennoch sei der Betrieb eines Gasthauses in kleinen, touristisch gering entwickelten Gebieten wie St. Felix auch mit den Fördergeldern des Landes nicht immer einfach. „Angestellte kann ich mir keine leisten, deshalb bleibt die ganze Arbeit an mir hängen“, schildert der 51-Jährige. Täglich arbeite er rund zehn Stunden im Wirtshaus, auch über Mittag sei immer geöffnet. Dennoch hält Weithaler an seiner Überzeugung fest: „Ich weiß, wie wichtig solche Orte für das Dorfleben sind.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284753_image" /></div> <BR /><BR />Anders gefördert, obwohl im gleichen Ort gelegen, wird das Gasthaus von Ion Roman. Auch der 31-Jährige weiß um die Bedeutung von Gasthäusern für die Dorfgemeinschaft – insbesondere in kleinen Gemeinden. Anfang Dezember 2025 zog mit ihm wieder neues Leben ins Gasthaus „Laugen“, das an der Grenze zum Trentino liegt. Nach über einem Jahr Stillstand. Der aus Moldawien stammende Gastronom suchte lange nach einem Lokal, mit dem er sich eine Zukunft aufbauen kann. „Das ,Laugen„ hat mich sofort überzeugt – wegen der Menschen, der Umgebung und des touristischen Potenzials, das ich hier in der Gegend sehe“, so Roman.<BR /><BR />Auch für ihn sind Gasthäuser weit mehr als reine Schank- oder Beherbergungsbetriebe: „Gasthäuser sind Treffpunkte der Dorfgemeinschaft.“ Auch die Gäste an der Theke teilen diese Ansicht. „Es braucht solche Lokale, damit die Leute zusammenkommen können“, meinen zwei Männer am Tresen.<BR /><BR />Auch Ion Roman hat finanzielle Hilfe für sein Lokal beantragt. Unterstützung für die Neueröffnung seines Gastbetriebs könnte er aus dem europäischen Leader-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums erhalten. Der Gastwirt beteiligte sich an einem zeitlich begrenzten Aufruf der lokalen Aktionsgruppe des Leader-Gebiets „Südtiroler Grenzland“.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284756_image" /></div> <BR /><BR />Mehrere Projekte wurden im Rahmen des Aufrufs, der sich an „nicht-landwirtschaftliche Start-Ups“ richtete, eingereicht. „Drei Projekte – darunter auch jenes des Ion Roman – wurden von der lokalen Arbeitsgruppe als förderfähig eingestuft“, erklärt Hubert Ungerer, Koordinator der Aktionsgruppe. Damit habe der Betrieb laut Ungerer Anspruch auf 50.000 Euro für die Betriebseröffnung. „Das Ansuchen muss noch von den zuständigen Stellen der Landesverwaltung genehmigt werden“, so Ungerer. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1284759_image" /></div> <BR /><BR />Neben der finanziellen Unterstützung aus dem Leader-Fonds kann der 31-jährige Gastwirt auch auf Unterstützung der Bevölkerung zählen. „Vor der Eröffnung standen Dutzende helfende Hände in unserer Küche und haben unserer Familie gezeigt, wie man traditionelle Gerichte wie Knödel oder Gulasch zubereitet“, berichtet Ion Roman. Für ihn sei diese Geste besonders schön gewesen. „Das war wundervoll. Wir sind sehr dankbar für diesen Zusammenhalt und die Unterstützung, die wir erfahren“, sagt der Moldauer. Dieser starke Rückhalt sei für ihn eine wesentliche Grundlage für die gute Zukunft des Betriebs.