<BR />Seit gestern ist auch das letzte Vieh im Tal. Andernorts wurden Rinder, Schafe und Ziegen bereits vor Wochen von den Almen geholt. Was bleibt, ist das Problem mit dem Herdenschutz. Nachdem vor zwei Jahren im Jaufental auf der Porstalm drei Wanderer von einem Herdenschutzhund gebissen worden waren, haben sich auch heuer wieder zwei solcher Zwischenfälle ereignet. Für Hirt und Hundebesitzer Anton Staudacher endete der Vorfall mit einer Anzeige. <h3> Auf Fehler des Wanderers zurückzuführen</h3>Beim Ortsaugenschein durch Amtstierarzt Dr. Heinz Dietmar Kluge, Tieraufseher Hermann Verdross und dem Hundebesitzer wurde festgestellt, dass die Alm sowohl abgezäunt als auch mit Warnschildern versehen war. Auch sei der Wanderweg, der durch die Almwiesen führt, 2023 und 2024 gesperrt gewesen. <BR /><BR />Zudem gebe es eine ausgeschilderte Umleitung sowie entsprechende Hinweise in den Karten des AVS und Sentres. Für Staudacher war der Zwischenfall eindeutig auf das Fehlverhalten eines der Wanderer zurückzuführen, die trotz aller Warnhinweise und Herdenschutzzaun mitten durch die Weidefläche spaziert waren.<h3> App nach Schweizer Modell gefragt</h3>Der Amtstierarzt kam zum Schluss, dass Aufklärungsarbeit und eine geeignete Landesgesetzgebung nötig seien, um die Herausforderungen des Herdenschutzes adäquat umsetzen zu können – u. a. durch die Sperrungen von Wanderwegen, Aufklärungskampagnen und die Entwicklung einer App nach Schweizer Modell. <BR /><BR />Eine Übertragung des Schweizer Modells auf Südtirol sieht Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher skeptisch: „Wir können nicht bei jedem Einzelfall eine Revolution starten.“ Viel wichtiger sei es, den Menschen das richtige Verhalten in der Natur zu erklären. <h3> Kampagne für Touris bereits im Gespräch</h3>Was für viele Einheimische logisch ist, wie etwa passendes Schuhwerk und die richtige Ausrüstung beim Wandern, sei laut Walcher vor allem internationalen Gästen nicht immer bewusst. Außerdem fehle es an Respekt im Umgang mit Tier und Natur. „Tieren darf man sich nicht annähern, auch nicht für ein Selfie“, so Walcher.<BR /><BR />Im Landtag habe man bereits über eine Kampagne mit IDM und den Tourismusorganisationen diskutiert, um Gästen korrekte Verhaltensweisen näherzubringen. Dabei betont Walcher: „Ich möchte weniger Regeln, dafür aber klare.“ <h3> Fünf Fragen an den Schweizer Wolfsexperten</h3><b>Wie werden Tierherden durch Hunde geschützt?<BR /></b>Marcel Züger: Es gibt zwei verschiedene Konzepte. In Osteuropa setzt man vor allem auf die Rasse „Kangal“. Diese Hunde werden ausgebildet, die Herde gegen sämtliche Eindringlinge zu verteidigen – egal ob Wolf, fremder Hund oder Mensch. Bei uns hingegen werden eher südeuropäische Rassen wie der „Maremmano“ eingesetzt. Sie dienen eher als Alarmanlage und stellen sich dem Wolf. Im Zweifelsfall sind sie aber nicht kräftig genug, um gegen ihn zu kämpfen.<BR /><BR /><b>Also sind die Hunde nicht für ihre Aufgaben geeignet?<BR /></b>Züger: Die Hunde werden zwar gut ausgebildet, sind aber mit der Situation überfordert. Sie sind die ganze Nacht im Einsatz. In Ländern wie der Türkei oder Rumänien können sie sich tagsüber ausruhen, doch bei uns stören Wanderer diese Ruhe. So sind die Hunde praktisch rund um die Uhr im Dienst. Nach zwei bis drei Wochen sind die Hunde dann völlig erschöpft – und das wirft nicht zuletzt auch eine Tierschutzfrage auf.<BR /><BR /><embed id="dtext86-71735620_quote" /><BR /><b><BR />Es gibt eine App in der Schweiz, die das Zusammentreffen mit Herdenhunden auf Wanderwegen vermeiden soll?<BR /></b>Züger: Die Wanderwege-App zeigt das komplette Wegenetz in Form einer Karte. Auch temporäre Sperren oder der Einsatz von Herdenschutzhunden sind sichtbar, sofern sie eingetragen werden. Wanderer können ihre Route also theoretisch so planen, dass sie Konfliktsituationen aus dem Weg gehen.<BR /><BR />In großen, stark frequentierten Destinationen werden Herdenschutzhunde ohnehin nicht eingesetzt, betroffen sind eher weniger bekannte Gebiete. Dort wird die Karte jedoch nicht regelmäßig von den Hirten aktualisiert, was man auch nachvollziehen muss. Eine Garantie für eine sichere Wanderung ist es daher nicht. <BR /><BR />Es braucht wolfsfreie Zonen, alles andere wird langfristig nicht funktionieren. In der Schweiz investieren wir sehr viel Geld für den Schutz vor Wölfen, der Schaden bleibt am Ende aber derselbe – und das hat man noch nicht begriffen. Eine Koexistenz zwischen Wolf und Landwirtschaft ist auf lange Sicht einfach nicht möglich.