In dieser Woche hat es Südtirol nach langer Zeit wieder einmal kräftig eingeschneit, verglichen mit der Rekordnacht von vor 40 Jahren kann jedoch nur von leicht angezuckert die Rede sein. In der Nacht vom 31. Jänner auf den 1. Februar 1986 zog ein massives Mittelmeertief über Südtirol und brachte extreme Schneemengen mit sich. In Toblach fielen in nur 24 Stunden eineinhalb Meter Neuschnee. <BR /><BR />„Ein Rekord, der bis heute mit Abstand ungebrochen bleibt“, sagt Landesmeteorologe Dieter Peterlin. Am 1. Februar war die Schneedecke in Toblach 2,15 Meter dick. Ähnlich sah es in anderen Südstaugebieten aus, etwa in Ulten. In Weißbrunn summierte sich die Gesamtschneehöhe sogar auf 2,30 Meter. <h3> Orte im ganzen Land ohne Strom und Telefon</h3>So viel zu den Spitzenwerten, doch auch im restlichen Land hat es stark geschneit: etwa 1,70 Meter in Sexten, 1,12 Meter in Matsch und 92 Zentimeter in St. Ulrich. In tiefen Lagen regnete es zwischendurch. So betrug die Schneehöhe in Auer „nur“ 34 Zentimeter. In Bozen wurde damals die größte Niederschlagsmenge aufgezeichnet, die in der Landeshauptstadt jemals innerhalb von 24 Stunden gefallen ist. In ganz Südtirol waren Orte und Höfe tagelang von der Außenwelt abgeschottet, oft ohne Strom und Telefon. Die Schulen blieben eine Woche lang geschlossen.<h3> Viele Südtirolerinnen und Südtiroler erinnern sich noch gut an den historischen Schneefall:</h3>Nur wenige Tage vor dem 1. Februar 1986 hatte sich Thomas Winkler aus Meran ein neues Auto gekauft. „Am 31. Jänner bin ich dann mit einem Freund nach Naturns ins Bürgerhaus gefahren, das bekannt für die gute Pizza war. Schon bei der Hinfahrt fiel viel Schnee. Doch ich war jung und wir hatten keine Angst. In Naturns haben wir dann gemütlich gegessen“, schreibt er. „Als wir zum Auto zurückgingen, lag unglaublich viel Schnee. Wie es damals üblich war, schob ich eine Musikkassette hinein, und so fuhren wir langsam gegen die Töll entgegen. Dass ich nach Hause gekommen bin, war großes Glück – ohne jeglichen Rutscher und obwohl ich damals keine Winterreifen hatte“, erinnert er sich.<BR /><BR /><BR />Auf einem Bauernhof in Toblach lebte Hannes Preindl aus Niederdorf im Jahr 1986. „Ich musste unseren Hund aus seiner Hütte befreien, da diese komplett zugeweht war. Ältere Feuerwehrkameraden erzählten, wie sie nach einer Vollversammlung ihre Autos stehen ließen und zu Fuß nach Hause gingen. Auch ein Einsatz mit Feuerwehrautos wäre in der Nacht nicht mehr möglich gewesen“, schreibt er. „Trotz allem hatten wir Kinder große Freude, wir hatten ja schulfrei.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268727_image" /></div> <BR />Auch Teresa Moling Vallazza erinnert sich noch gut an die historischen Schneefälle im Jahr 1986: „Mein Mann und mein Nachbar haben den Weg jeweils in gegenübergesetzter Richtung freigeschaufelt und sich selbst dabei nicht gesehen. Nur durch den mit der Schaufel hochgeworfenen Schnee konnten sie wissen, wo es langgeht, sonst wären sie aneinander vorbeigegangen.“<BR /><BR /><BR />Einen denkbar ungünstigen Moment zur Führerscheinprüfung erwischte Eva Maria Bernhard am Morgen nach dem großen Schneefall: „Als ich mich zur Fahrschule begab, merkte ich schon, dass der Schneepflug durch die Italienallee gefahren war und nur in der Mitte einen Fahrstreifen freigelegt hatte. Rechts und links türmten sich die Schneehaufen. Es schien unmöglich, den Fahrtest abzulegen. Ich fuhr mitten durch die Italienallee, 30 Sekunden bis zum Gerichtsplatz. Dann sagte die Prüferin: ,Stopp, Sie haben nicht bestanden. Sie sind die ganze Zeit über den Mittelstreifen gefahren.‘ Ich war perplex. Danach wurde an dem Tag die Prüfung abgebrochen. Ich werde den Tag des großen Schneefalls also nie vergessen, Auto fahre ich immer noch“, erinnert sie sich.<BR /><BR /><BR />Der 1. Februar 1986 ist ein Datum, das auch Rosmarie Fink in Erinnerung bleiben wird. „Damals war die Hochzeit meiner Freundin in Latzfons angesagt. Als ich am Morgen aus dem Fenster schaute, dachte ich mir: ,Oh mein Gott, heute wird nichts mit der Hochzeit‘. Eine meterhohe Schneedecke war zu sehen. Wir waren dann doch alle pünktlich um 11 Uhr in der Kirche und die Hochzeitsfeier konnte beginnen“, schreibt sie. „Der Strom war ausgefallen und die Kirchenglocken konnten nicht geläutet werden. Beim Hochzeitsmahl war es aber lustig und am Abend haben wir bei Kerzenlicht gefeiert“, erinnert sie sich.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268730_image" /></div> <BR /><BR />„Der Stromausfall dauerte drei Tage, Schulen waren geschlossen und Bäume lagen auf den Straßen“, erinnert sich Annamaria Geier aus Nals zurück. „Aber es gibt Schlimmeres, wir sind nur verwöhnt.“<BR /><BR /><BR />Günther Lasta war an jenem Datum beim Militärdienst in Innichen und einige Stunden damit beschäftigt, sein Auto freizuschaufeln. „Dann sind wir bis nach Toblach gefahren, ab dort war die Straße gesperrt. Deshalb bin ich bis Geiselsberg zu Fuß gegangen. Das dauerte fünf Stunden, aber ich hatte ja zwei Tage frei“, so Lasta.<BR /><BR /><BR />Gerne erinnert sich Florian Egger an den Rekordschneefall vor 40 Jahren zurück: „Wir hatten als Freiwillige Nachtdienst beim Weißen Kreuz in der Fagenstraße in Bozen, als wir zu einem Notfall gerufen wurden“, schreibt er. „Bereits der Weg zum Einsatzfahrzeug war mit zentimeterhohem Schneematsch gesäumt. Ich fuhr mit Blaulicht über den Grieser Platz zum Einsatzort und erzeugte eine meterhohe Fontäne. Am nächsten Morgen kam ein Kollege mit seinem Fiat 500. Er öffnete die Fahrertür. Noch bevor er aussteigen konnte, ergoss sich ein Schwall Wasser aus seinem Auto, welches sich auf der Anfahrt angesammelt hatte. Die Lacher waren natürlich auf unserer Seite.“ <BR /><BR /><BR />Freiwillige beim Weißen Kreuz war auch Christina Baumgartner. „Ein Einsatz nach Olang endete im Osten von Bruneck, weil der Schneepflug uns entgegenfuhr und die Straße nur einspurig befahrbar war. Damals gab es noch keinen Hubschrauber und so hat uns die Feuerwehr bei Patientenfahrten unterstützt“, erzählt sie. „Gott sei Dank normalisierte sich die Situation auf den Straßen mit Wochenbeginn. Gehsteige und Seitenwege waren aber noch lange nicht passierbar.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268733_image" /></div> <BR />Damit beschäftigt, den Schnee aus dem Haus hinauszubefördern, waren Elisabeth Ferdick und ihre Familie aus Prags: „Unser Hof war alt und sehr renovierungsbedürftig. Eingeschneit waren wir fünf Tage, ohne Telefon, ohne Strom und ohne Angst. Rückblickend war das damals eine einfache und bescheidene Lebensweise, aber ganz gewiss nicht weniger schön als heute.“<BR /><BR /><BR />Sehr froh über den Schnee und den damit verbundenen Ausfall der Schule war Angelika Lanthaler aus Tramin. „Mein Opa hatte in der Nachbarschaft ein Weingut. Das bedeutete Rodeln den ganzen Tag, nicht einmal der Fernseher hat uns aufgehalten“, erinnert sie sich. „Es herrschte eine Ruhe im Land und die Menschen im Dorf waren ideenreicher, weil sie Straßen und Wege zum Rodeln oder Skifahren nutzten – ganz ohne Aufstiegsanlage.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268736_image" /></div> <BR />„Für jenen Samstag war die Sendungsfeier der Seelsorgehelferinnen angesetzt. Ich begann damit, die Feier abzusagen. Leider machte sich der damalige Weihbischof Heinrich Forer umsonst auf den Weg. Ihn hatte ich vergessen zu informieren. Die Sendungsfeier wurde auf den 22. März verschoben und fand in der Seminarkirche von Brixen statt“, erinnert sich Edith Baumgartner aus Völs am Schlern.<BR /><BR /><BR />„Da am 3. Februar mein Geburtstag ist, war es für mich besonders schlimm, genau an diesem Wochenende nicht nach Hause zu kommen. Ich war damals im Heim in Bozen untergebracht. Meine Cousine und ich sind dann übers Wochenende bei entfernten Verwandten in Bozen geblieben“, berichtet Karolina Premstaller aus Durnholz im Sarntal. <BR /><BR /><BR />„Ich war damals bei mir zu Hause, oberhalb von Lana vor St. Pankraz. Dort hatten wir auch zehn Tage keinen Strom“, schreibt Konrad Mairhofer. „Es hat drei bis vier Strommasten verbogen und abgerissen. Zum Glück hatte unser Nachbar ein Stromaggregat und wir konnten Stromkabel anschließen.“<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1268739_image" /></div> <BR />Für Evi Keifl sind die Erinnerungen an die ersten Februartage 1986 sehr lebendig, auch weil sie einige Tage zuvor ihr zweites Kind bekommen hatte. „Der Schneefall hat uns Wöchnerinnen am Anfang erfreut, dann aber doch langsam besorgt. Später im Haus hatten wir dann weder Heizung noch Strom. Nach zwei oder drei kalten Tagen und Nächten, die mit dem ,Poppele‘ zunehmend grenzwertig wurden, kam der Strom endlich zurück“, erinnert sie sich.<BR /><BR /><BR />Mit der weißen Pracht sind Christine Rottensteiner und ihre wenige Wochen alte Tochter aus Bozen zwar nicht direkt in Berührung gekommen, doch der Knall der Schneemassen, die vom Dach fielen, sei ohrenbetäubend gewesen. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir beide bei jeder Mahlzeit erschraken“, schreibt sie.