Tausende von Südtirolern und Urlaubern fahren täglich an der Stelle vorbei, an der sich am Abend des 31. August 2014 tragische Szenen abgespielt haben. Kaum jemand nimmt Notiz vom „Marterle“, das an den Tod des 39-jährigen Alexander Mayr erinnert. In seiner Funktion als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Atzwang war er mit seinen Kameraden ausgerückt. Im Zuge eines äußerst heftigen Gewitters samt heftigem Hagel war die Brennerstaatsstraße rund 2 Kilometer nördlich von Blumau verlegt worden. <BR /><BR />Um sicher zu gehen, dass kein Auto in den Geröllmassen eingeschlossen ist, beschloss Mayr, über die Mure zu gehen. Eine fatale Entscheidung. Auf dem Weg zurück zu seinen Kameraden wurde der Feuerwehrkommandant von einer zweiten, weit größeren Mure erfasst. Schlamm und Geröll drückten ihn zunächst gegen die Leitplanken, dann darüber hinweg. In der Folge wurde der 39-Jährige von den Schlammmassen zwischen Staatsstraße und darunter gelegenem Eisack förmlich einbetoniert. <BR /><BR />„Bis zuletzt sind 3 Kameraden bei ihm geblieben, haben mit bloßen Händen versucht, Alexander zu befreien“, erinnert sich Franz Mayr, Cousin und damals Vize-Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Atzwang (hier das Interview). Auch er war damals vor Ort, als das tragische Unglück geschah. Immer wieder neu nachkommendes Material machte die Arbeit der Kameraden aber immer wieder zunichte. „Es war, als wäre Alexander einbetoniert. Wir haben gezogen, wir haben gegraben, haben versucht, seinen Kopf frei zu halten. Aber wir mussten immer wieder weglaufen, es kam immer wieder Material nach“, berichtete damals einer der Wehrmänner, die direkt bei Alexander Mayr waren und versuchten, ihn frei zu bekommen. Als ein erneuter Schwall aus Schlamm und Geröll aus dem Bachgraben des Gasterer Baches schoss, mussten die Kameraden schließlich selbst die Flucht ergreifen. Der 39-Jährige wurde unter der Mure begraben. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1067367_image" /></div> <BR /><BR />Obwohl es gelang, den Verschütteten rasch auszugraben, gab es für ihn keine Rettung mehr. Alle Wiederbelebungsversuche durch den Notarzt waren vergebens. Er hinterließ neben seiner Frau, seinen 3 Kindern, seinem Vater und seinen 3 Geschwistern auch seine Kameraden und eine Dorfgemeinschaft, die lange Zeit unter Schock stand. „Es war einfach nur gespenstisch“, erinnert sich ein Atzwanger, der lieber nicht genannt werden möchte. „Als die ersten Wehmänner vom Einsatz in die Halle zurückkehrten, war irgendwie sofort klar, dass etwas nicht stimmte. Die bedrückende Stimmung war förmlich greifbar.“ <BR /><BR />Eine Welle der Solidarität rollte damals über die Hinterbliebenen hinweg. Wie groß die Anteilnahme an Alexander Mayrs Tod war, zeigte der schier nicht enden wollende Trauerzug bei dessen Beerdigung, zu dem auch Feuerwehrabordnungen aus dem ganzen Land kamen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1067370_image" /></div> <BR /><BR />10 Jahre lang war Alexander Mayr Kommandant der FFW Atzwang. Genau so viele Jahre sind nun vergangenen, seit er im Einsatz auf so tragische Weise ums Leben gekommen ist. Und auch heute wird das Dorf wieder still stehen – genauso wie damals, als das tragische Unglück geschah. Und wieder werden am morgigen Sonntag seine Kameraden zur Kirche marschieren, um ihres verstorbenen Kommandanten, Kameraden und Freund zu gedenken.