Die Bozner Fronleichnams-Prozession am Sonntag war überschattet von einem bedenklichen Zwischenfall. Die Pfarrverantwortlichen und Teilnehmer zeigen sich teilweise schockiert vom Erlebnis. Von einer „Respektlosigkeit sondergleichen“ ist unter anderem die Rede.<BR /><BR /><?O_Tiefgestellt><?_O_Tiefgestellt>Noch vielen Gläubigen der Dompfarre ist der Christtag 2023 in eher verängstigender Erinnerung. Damals hatten Pro-Palästina-Demonstranten die Bischofsmesse massiv gestört. Um in Zukunft derartige Szenen zu vermeiden, hatten sich die Pfarrverantwortlichen mit dem Regierungskommissariat und der Quästur in Verbindung gesetzt. Ein verstärktes Aufgebot der Ordnungskräfte vor dem Dom wurde zugesichert. Seitdem werden die Festgottesdienste quasi unter Polizeischutz gefeiert. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036116_image" /></div> <BR /><BR />Die vergangenen Ostertage gingen ohne Zwischenfälle über die Bühne, umso negativ überraschter zeigten sich die Teilnehmer an der traditionellen Fronleichnams-Prozession am vergangenen Sonntag, dass ihr religiöser Umgang am Dominikaner-Platz lautstark von einer Pro-Palästina-Demo „empfangen“ und gestört wurde. <BR /><BR />Bischof Ivo Muser hatte bereits beim Abschluss-Segen auf dem Pfarrplatz zum neuerlichen Zwischenfall Stellung genommen. „Wir sind alle dazu aufgerufen, uns für den Frieden einzusetzen. Der wichtigste Grundsatz dabei ist gegenseitiger Respekt und Dialog“, meinte er. <BR /><BR /><BR /><BR />Am Respekt habe es den Demonstranten am Sonntag neuerlich gemangelt, meint Domdekan Bernhard Holzer am Tag danach. „Dass sie sich nicht einmal beim Vorbeiziehen des Allerheiligsten ruhig verhalten haben, zeugt nicht von Respekt gegenüber unserer Religion“, meint er. Holzer war im Anschluss an die Prozession von zahlreichen Gläubigen angesprochen worden, die sich überaus besorgt zeigten. „Das kann ich verstehen, denn auch für mich ist in dieser Aktion kein Zusammenhang erkennbar. Wir beten in jeder Messfeier für den Frieden, explizit auch für den Frieden im Heiligen Land“, sagt Holzer. „Sollen wir jetzt keine Prozessionen mehr abhalten? Ist das das Ziel?“, fragt er sich. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036119_image" /></div> <BR /><BR />Don Mario Gretter meint, dass er die Aktion nicht gutheißen könne, andererseits „leben wir in einem Staat, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt.“ Er glaubt zudem, dass nicht die Prozession das Ziel der Demonstranten war, sondern die Feier zum Tag der Republik am Waltherplatz. „Sie haben sich aber auch nicht die Frage gestellt, was diese Prozession für uns Christen bedeutet“, meint er. <BR /><BR />Mit dabei waren am Sonntag auch Stadträtin Johanna Ramoser und Vizebürgermeister Stephan Konder. „Es stimmt mich sehr nachdenklich. Ich hatte Angst“, sagt Ramoser am Tag danach. Gemeinsam mit Konder hat sie bei Bürgermeister Renzo Caramaschi interveniert. „Er möge als Zuständiger für die öffentlichen Sicherheit dafür sorgen, dass derartige Zwischenfälle nicht mehr passieren“, sagt Ramoser. <BR /><BR />„Es war eine gezielte Störung einer religiösen Veranstaltung“, sagt Konder. Wenn jemand für den Frieden in Palästina demonstrieren wolle, dann gebe es eine Reihe anderer Möglichkeiten, meint der Vizebürgermeister. Damals zu Weihnachten hat er hautnah miterlebt, wie angespannt die Situation im Bozner Dom war, als die Demonstranten plötzlich zum Altar vormarschiert sind. „So etwas möchte ich nicht mehr erleben“, meint er. <h3> „Respektlosigkeit sondergleichen“</h3>Die langjährige Landtagsabgeordnete Eva Klotz ist am Tag nach der Prozession immer noch sehr aufgewühlt. „Als wir an der Absperrung der Polizei vorbeigekommen sind, habe ich das Gespräch mit einer Frau gesucht“, berichtet Klotz. „Was denken sie, wurde ich gefragt. Zeit zu antworten hatte ich nicht.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1036122_image" /></div> <BR /><BR />Die Situation habe sie betroffen gemacht, vor allem die Ignoranz der Demonstranten. „Wenigstens in dem Moment, als die Priester mit dem Allerheiligsten vorbeizogen, hätten sie still sein sollen. Diese Chance haben sie verpasst. Ich würde ihnen ihren Idealismus abnehmen, würden sie sich mit unseren Idealen und Bräuchen auseinandersetzen“, meint die ehemalige Politikerin. Sie selbst befürworte eine Zweistaaten-Lösung, bezeichnet die Aktion letztendlich aber als „Respektlosigkeit sondergleichen.“