Montag, 05. November 2018

Unwetter: Eine Million Kubikmeter Holz dahin

Landesrat Arnold Schuler hat nun die Zahlen vor sich liegen: Wie die „Dolomiten“ in ihrer Montagsausgabe berichten, liegen nach dem dem verheerenden Windwurf in Südtirol eine Million Kubikmeter Holz am Boden.

Am Karersee liegen die Bäume wie Streichhölzer am Boden. - Foto: Walter Donegà
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Am Karersee liegen die Bäume wie Streichhölzer am Boden. - Foto: Walter Donegà

Die größten Windwurfschäden wurden laut den Forstbehörden in den Forstinspektoraten Bozen 1 (Aldein, Deutschnofen, Truden) mit 330.000 Kubikmetern verzeichnet, weiters im Forstinspektorat Bozen 2 (Welschnofen) mit 250.000 Kubikmetern. Im Forstinspektorat Bruneck 1 liegen immerhin etwa 150.000 Kubikmeter Holz auf dem Boden, vor allem im Gadertal. Im Forstinspektorat Meran hat der Wind vor allem in Ulten und Schnals gewütet, im Inspektorat Sterzing hingegen in Ridnaun und Ratschings.

Bei den Zahlen handelt es es sich um Schätzungen. Der Bürgermeister von Welschnofen, Markus Dejori, geht davon aus, dass im Wald, der auf seinem Gemeindegebiet liegt, sogar 500.000 Kubikmeter Holz betroffen sind, doppelt so viel wie von den Forstbehörden zunächst geschätzt.

Lagebesprechung am Montag

Am Dienstagvormittag wird es eine interne Lagebesprechung geben: Landesrat Schuler trifft sich unter anderem mit den Abteilungsdirektoren. „Dabei wird es auch um die Prioritätenreihung gehen“, sagt der Abteilungsdirektor für Forstwirtschaft, Mario Broll. Die betroffenen Waldeigentümer im Süden Südtirols seien nicht vorwiegend Private, sondern die öffentliche Hand. Würden einzelne Gebiete oder ganz Südtirol zum Notstandsgebiet erklärt, dann könnte die Vergabe der Arbeiten vereinfacht erfolgen und man würde „in vernünftigen Zeiten“, also schneller weiterkommen, sagt Broll. „Öffentliche Körperschaften unterliegen dem Vergaberecht“ und damit Vorschriften wie in punkto Transparenz, diese würden aber auf jeden Fall eingehalten.

Wegenetz muss frei sein, um aufräumen zu können

Um mit den Aufräumarbeiten zu beginnen, müsse man zunächst das Hauptwegenetz freibekommen, erklärt Broll. Das Gleiche gelte in einem zweiten Schritt auch für Güterwege und Hoferschließungswege. „Dann geht es auch darum – wie in einem Kapillargefäßsystem – zu den Hauptforstwegen und zu den Seitenforstwegen zu gelangen, die ja immer noch zu sind. Die Lavazéjochstraße ist ja immer noch gesperrt. Wie soll man mit einem Prozessor oder einem Harvester dort hinkommen?“, fragt sich Broll.

Danach müsse das Erschließungsnetz auf seine Fahrtauglichkeit hin überprüft werden, damit sich niemand verletze. Weiters müssten die Einsätze der Firmen, die vor Ort tätig werden, koordiniert werden. Die Situation sei je nach Gemeinde unterschiedlich – sei es was die Waldeigentümer betrifft, als auch die Standorte (flach oder steil). Deshalb werde es Sitzungen geben für die betroffenen Gemeinden.

Notstandsgebiete abgrenzen

Am Dienstag soll versucht werden, das Notstandsgebiet abzugrenzen, sagt Landesrat Arnold Schuler. Ob angesucht wird, einzelne Gebiete oder ganz Südtirol zum Notstandsgebiet zu erklären, werde bereits heute entschieden. Die Voraussetzungen sollen geschaffen werden, um Beiträge nicht nur aus Rom, sondern auch aus Brüssel zu bekommen.
Beschränkte Möglichkeiten für die Holzlagerung

Eine Herausforderung werden die Lagerplätze (Nasslagerung) für eine längerfristige Lagerung. „Zurzeit haben wir nur beschränkte Möglichkeiten für die Lagerung. Wir brauchen weitere Flächen“, sagt Schuler. Das Aufräumen und Aufarbeiten werde je nach Zone zwischen 30 und 50 Euro pro Kubikmeter Holz kosten.
Ziel ist: Der Holzpreis soll nicht zu stark sinken

Faktor Holzpreis

Ein entscheidender Faktor sei nun der Holzpreis. Ziel des Landes sei es, dass der Holzpreis nicht zu stark sinke. Man könne nicht jetzt, wo in Europa so viele Holzmengen überall herumliegen, „das Holz auf den Markt werfen und verkaufen“, meint Schuler. „Man muss abwarten, bis sich der Preis wieder erholt.“ Bald sollen Gespräche mit den Betreibern der großen Sägewerke bzw. den Holzhändlern in Südtirol folgen, um mit ihnen die Strategie abzusprechen. Diese hätten erklärt, sie seien nicht daran interessiert, „jetzt unmittelbar zu einem Ramsch-Preis Holz zu kaufen“, berichtet der Landesrat.
Rasch handeln, wo der Wald Schutzfunktion hat

Ein riesiger Aufwand soll die Wiederaufforstung werden. Abteilungsdirektor Broll kündigt an: „Wir werden Standort für Standort genau analysieren. Viel werden wir der Natur überlassen. Es ist ein Glück, dass jetzt im Herbst die Samen schon reif sind. Deshalb wird es da sehr viel Anflug geben. Weiters haben wir schon den Auftrag dafür erteilt, dass, sobald die Notsituation vorbei ist, sowohl die Samen von der Lärche als auch von der Fichte gesammelt werden, damit unsere Forstgärten für die nächsten Jahre aufgemöbelt werden“, sagt Broll.

Dort, wo der Wald eine ausgesprochene Schutzfunktion ausübe – gegen Rutschungen und Lawinen – und wo sich Häuser und Straßen unter dem Wald befinden, werde eine genaue Erhebung und Kartierung vorgenommen. Aufforstungen und technische Maßnahmen müssten dort kombiniert werden, erklärt Broll. Die Schutzfunktion, die der Wald dort ausgeübt habe, müsse auch vorübergehend gewährleistet werden. „In diesen Gebieten wird man schneller aufforsten und so schnell wie möglich intervenieren“, verspricht der Abteilungsdirektor für Forstwirtschaft. Summa summarum könne man sagen: „Das Konzept ist da. Wichtig ist, dass sich niemand verletzt“, resümiert Broll.

D/hof

stol