Montag, 07. August 2017

Unwetter in Südtirol: Eine Bilanz

Gewitter, Niederschläge, Hagel – Südtirol hat ein stürmisches Wochenende mit schweren Sachschäden erlebt. Auch am Montag wird noch aufgeräumt, einige Straßen bleiben gesperrt. Tote oder Verletzte gab es hierzulande keine, in anderen italienischen Provinzen starben hingegen mehrere Menschen.

Im Innerfeldtal gingen gleich mehrere ganze Hänge ab. - Foto: FFW Innichen
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Im Innerfeldtal gingen gleich mehrere ganze Hänge ab. - Foto: FFW Innichen

Noch am Sonntag zog Landesmeteorologe Dieter Peterlin Bilanz über ein außergewöhnlich gewitterintensives Wochenende. Vor allem in der Nacht von Samstag auf Sonntag war es in einigen Landesgebieten, vor allem im Pustertal zu starken Unwettern gekommen.

Laut dem Experten wurden in der Nacht auf Sonntag an der Wetterstation Toblach 74 Liter pro Quadratmeter Niederschlag gemessen, das meiste davon in weniger als 2 Stunden. Der durchschnittliche Monatsniederschlag beträgt an dieser Messstation 107 l/m².

Schwere Sachschäden im Hochpustertal

In Prags fielen laut Peterlin wohl über 100 Liter pro Quadratmeter. Hier trat der Pragser Bach über die Ufer und überschwemmte das Dorf, es sind große Schäden zu beklagen (STOL hat berichtet). Zahlreiche Straßen im Oberpustertal wurden verlegt.

Weitere Niederschlagsmengen: Sarnthein 47 l/m², Wolkenstein 43 l/m², Brixen 29 l/m², Bruneck 23 l/m². Zudem gab es Hagel: So wurden beispielsweise in Welsberg-Taisen große Hagelkörner von rund 3 Zentimetern beobachtet.

Und damit nicht genug: „Südtirolweit gingen am Samstag 6.400 Blitzeinschläge nieder, am Sonntag weitere 8.200“, so Peterlin.

Gewitter entwickelten sich immer wieder neu

Doch wie kam es dazu? „Am Samstag gab es nochmals extreme Hitze, an der Laimburg wurden 36,9 Grad Celsius gemessen, außerdem gab es hohe Luftfeuchtigkeit (drückende Schwüle). Beides bedeutet viel Energie, die sich in Form von Gewitter entladen kann. Gefährlich wird es, wenn die Gewitter nicht einfach schnell durchziehen, sondern sich an Ort und Stelle immer wieder neu entwickeln. Dadurch können große Regenmengen zusammenkommen. Genau das ist eben am Samstag im Pustertal, Prags und Gadertal geschehen“, fasst der Wetterexperte zusammen.

Auch am Sonntag zog eine Kaltfront durch Südtirol, wiederum kam es im Hochpustertal zu starken Gewittern. Erst gegen Abend stabilisierte sich die Wetterlage.

Straßen weiterhin gesperrt

Die Aufräumarbeiten gehen auch am Montag weiter, einige Straßen bleiben aufgrund der Vermurungen weiterhin gesperrt, so etwa die Staatsstraße 51  Alemagna von Toblach bis Schluderbach oder die Landesstraße 47 Pragser Wildsee ab der Einfahrt ins Pragser Tal. Aktuelle Informationen gibt es bei der Verkehrsmeldezentrale.

Mehrere Tote und Vermisste

Verletzt wurde bei den Unwettern in Südtirol niemand, in anderen norditalienischen Regionen gab es hingegen insgesamt fünf Tote. Bei Cortina d’Ampezzo starb am Samstag die 60-jährige Carla Catturanis, deren Pkw von einer Schlammlawine erfasst wurde.

Auf der Marmolata wurde ein Bergsteiger vom Blitz getroffen, in der Provinz Belluno wurde ein Mann vom Baum erschlagen, ebenso in der Provinz Pordenone. In der Provinz Brescia starb eine junge Frau als sie in eine Schlucht stürzte.

Im Gardasee gilt eine Person nach dem Kentern eines Bootes als vermisst, bei Luservera in der Provinz Udine ein Bergsteiger.

stol

stol