Montag, 31. August 2020

Unwetter in Südtirol: Lage entspannt sich wieder

In der Nacht auf Montag hat sich die Lage im Land nach den schweren Unwettern beruhigt: Die Wasserpegel sind wieder deutlich gesunken, mehrere Straßen, darunter die Brennerautobahn, konnten wieder geöffnet werden. Am Montagmorgen wurde die Evakuierung für Neumarkt aufgehoben, wenig später auch für Klausen.

Die Lage im Land hat sich in der Nacht wieder beruhigt, die Aufmerksamkeitsstufe Alfa bleibt jedoch weiterhin aufrecht.
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Die Lage im Land hat sich in der Nacht wieder beruhigt, die Aufmerksamkeitsstufe Alfa bleibt jedoch weiterhin aufrecht. - Foto: © LVF
Die schweren Regenfälle am Wochenende hatten im ganzen Land ihre Spuren hinterlassen: Mehrere Einwohner von Neumarkt mussten evakuiert werden ( STOL hat berichtet), ebenso in Klausen ( STOL hat berichtet).

Straßen waren aufgrund von Muren oder Gefahr von Hochwasser gesperrt worden, der Zugverkehr unterbrochen ( STOL hat zur Lage am Sonntagabend berichtet).



Wasserläufe: Pegelstände unter Warnschwelle

In der Nacht auf Montag beruhigte sich die Lage und wurde „von Minute zu Minute besser“, hieß es am Montagmorgen aus dem Lagezentrum des Zivilschutzes.

„Der Wasserpegel der Etsch hat die Alarmschwelle unterschritten und sinkt weiter“, meldete die Feuerwehr Neumarkt am Montagmorgen, weshalb die Evakuierung der Bewohner aufgehoben werden konnte. Auch die betroffenen Firmen konnten ihre Tätigkeit wieder aufnehmen.

Bei allen Messungen am Montag waren die Pegel der großen Fließgewässer in Südtirol wieder unter der Warnschwelle.

„Die Projektierung und Verstärkung der Etsch-Böschungen in den vergangenen 20 Jahren haben sich in den vergangenen Tagen bewährt, insbesondere in Neumarkt, wo mit 7,1 Meter der höchste jemals gemessene Hochwasserstand erreicht wurde. Die durchgeführten Arbeiten und die ständige Beobachtung der Ufer durch die Freiwillige Feuerwehr haben gezeigt, dass das Präventionssystem funktioniert“, heißt es in der Aussendung des Landespresseamts.

Die Ufermauern werden am Montag erneut überprüft. Während der Nacht haben 3 Techniker der Zentrale mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren durchgehend die Situation überwacht.

A22 und Brennerbahnlinie wieder offen – Staatsstraße bei Atzwang noch gesperrt

Die am Sonntag aufgrund des Hochwassers gesperrte Linie der Brennerbahn bei Klausen ist wieder offen. Aufrecht bleibt noch die Sperre der Linie der Pustertalbahn. Die Züge werden durch Busse ersetzt.

Die Brennerautobahn A22 ist wieder zweispurig befahrbar. Der Straßendienst ist weiter mit Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten beschäftigt, vor allem auf der Brennerstaatsstraße (SS12) bei Atzwang.

Die wichtige Verkehrsader werde voraussichtlich noch innerhalb des Tages wieder für den Verkehr geöffnet, sagt Philipp Sicher, Direktor der Landesabteilung Straßendienst.

Die Staatsstraße (SS51) zwischen Toblach und Schluderbach bei Höhlenstein sowie die Staatsstraße im Ahrntal (SS621) bei Prettau sind wieder befahrbar. Auf der Pustertaler Staatsstraße zwischen Olang und Welsberg gibt es eine Einbahnregelung.

Eingriffe: Situation in Klausen am kritischsten

Für die Freiwilligen Feuerwehren war die Situation beim Hochwasser in Klausen am kritischsten. Gleich 14 Freiwillige Feuerwehren mit rund 150 Feuerwehrleuten waren und sind im Einsatz - jetzt vor allem bei den Aufräumarbeiten in überfluteten Kellern und Garagen. Die Arbeiten werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen.



Zudem wurde eine Trinkwasser-Leitung beschädigt, weshalb mehrere Haushalte ohne Trinkwasser sind. Mehrere Personen mussten am Sonntag in Klausen evakuiert werden, durften am Montagvormittag aber wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Im Bezirk Unterland (Neumarkt und Pfatten) waren rund 50 Freiwillige Feuerwehrleute des Bezirkes Unterland vor Ort und standen bei der Besetzung der Bezirkseinsatzzentrale, der Flussbeobachtungsstellen, der Deichwachen und als Bereitschaft im Gerätehaus im Einsatz.

In den Bezirken Meran, Bozen, Pustertal und Wipptal hatte sich die Lage bis zum späten Sonntagabend beruhigt und der Hochwasserdienst wurde beendet. Es waren keine weiteren Einsatzmaßnahmen mehr erforderlich.

Wälder: Keine großen Schäden verzeichnet

Für Südtirols Wälder wurden bisher keine größeren Schäden gemeldet. Mehrere Zufahrtsstraßen zu Höfen waren aufgrund von Erdrutschen auch durch Bäume verlegt und gesperrt, insbesondere im Sarntal, Villanders und Barbian. Es wurden jedoch keine größeren Eingriffe verzeichnet.

Geologische Situation: Beobachtung kritischer Stellen

3 Geologen des Landes waren am Sonntag im Einsatz, um die besonders kritischen Stellen genauer unter die Lupe zu nehmen und zu überwachen.

Sie waren vor allem in Hafling, Nals und Atzwang vor Ort. Derzeit sind auch 70 Meter der Böschungsmauer am Zusammenfluss von Eisack und Grödner Bach in Waidbruck unter Beobachtung.

Obwohl die Warnstufe im ganzen Land mittlerweile aufgehoben ist, bleibt die Aufmerksamkeitsstufe ALFA aufgrund der Covid-19-Pandemie aufrecht.

400 Einsätze

Seit Samstag wurden rund 400 Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren gezählt, über 3000 Feuerwehrleute waren beteiligt. Auch alle 500 Mitarbeiter des Straßendiensts waren in den vergangenen Tagen und Nächten im Einsatz.

150 Freiwillige Feuerwehren und somit knapp die Hälfte aller Wehren Südtirols standen oder stehen noch immer im Einsatz. 5 Bezirkseinsatzzentralen und die Landeseinsatzzentrale wurden besetzt, um die Feuerwehren bei der Abwicklung der Einsätze und Koordinierung der Eingriffe zu unterstützen.










lpa/liz