Es handelt sich dabei um den 32-jährigen Quirin Kuhnert aus Bayern, der seit einigen Jahren in Friaul-Julisch Venetien lebte und in der Ortschaft Brazzano di Cormons (Gorizia) ein Feinkostgeschäft übernommen hatte. Nun kam er ums Leben, als er versuchte, seine 83-jährige Nachbarin vor einer herabstürzenden Schlammlawine zu retten. Der Erdrutsch stand kurz davor, die kleine Wohnanlage zu verschütten, die beide bewohnten.<BR /><BR /> Nur wenige Stunden zuvor hatte der 32-Jährige noch ein Video in den sozialen Medien veröffentlicht: Darin verwandelte sich die Treppe der Kirche, direkt neben seinem erst kürzlich erworbenen Haus, bereits in einen reißenden Wasserlauf.<h3> Die Unwetter-Nacht</h3>Die Nacht brachte für ihn und seine Frau kaum Schlaf. Dumpfe Geräusche vom Hang hinter dem Gebäude ließen das Paar schließlich hinausgehen, um nachzusehen. Zeugen, die später mit Überlebenden sprachen, berichteten von einem tiefen Grollen, während das Tor des letzten Hauses der dreiteiligen Wohnreihe unter der Wucht der Wassermassen und des Schlamms nachzugeben drohte. Der 32-Jährige brachte seine Frau zunächst in Sicherheit und machte sich dann gemeinsam mit einem weiteren Anwohner auf den Weg, um die übrigen Nachbarn zu warnen.<BR /><BR />Eine Bewohnerin des mittleren Hauses konnten sie noch rechtzeitig erreichen: Barfuß und im Pyjama rannte sie aus ihrer Wohnung, unmittelbar aus dem Schlaf gerissen. Doch als die beiden Männer die Tür der älteren Nachbarin erreichten, brach die Schlammlawine über sie herein. Der deutsche Helfer wurde von den Wassermassen erfasst und mitgerissen – offenbar hatte er gerade eine Treppe hinaufsteigen wollen, um das Fenster im ersten Stock zu erreichen. Sein Begleiter wurde von der Druckwelle zu Boden geschleudert und mehrere Meter weit fortgerissen. Minuten später konnte er schwer verletzt geborgen werden. Trotz eines eingeklemmten Beckens und eines Oberschenkelbruchs schwebt er nicht in Lebensgefahr. Sein mutiger Einsatz rettete jedoch wenigstens einer der Nachbarinnen das Leben.<h3> Bergung erfolgte erst zwölf Stunden später</h3>Die Bergung des 32-Jährigen gestaltete sich deutlich dramatischer: Erst nach zwölf Stunden Dauereinsatz fanden Feuerwehrkräfte aus ganz Norditalien, unterstützt vom Zivilschutz, Polizei, Carabinieri, einem Hubschrauber und Suchhunden, den Körper des Mannes unter einem massiven Geröllberg.<BR /><BR />„Der Familie des Opfers gelten meine tief empfundenen Anteilnahmen“, erklärte Regionalpräsident Massimiliano Fedriga. „Es ist besonders schmerzhaft, wenn ein Leben endet, während es versucht, ein anderes zu retten.“ <BR /><BR />Der leblose Körper der 83-jährigen Nachbarin konnte in der Nacht auf Dienstag ebenfalls unter den gewaltigen Mengen aus Schlamm und Gestein gefunden werden.