Dienstag, 17. August 2021

Unwetterlage beruhigt sich: Zivilschutzstatus herabgesetzt

Da sich das Wetter in Südtirol gebessert hat, ist am Montagmittag der Zivilschutzstatus herabgesetzt worden. In den Gebieten, die besonders stark von den Unwettern betroffen waren, wie zum Beispiel in Teilen des Wipptals und im Ahrntal, gibt es weiterhin Gefahrenpotenzial, wie die Einsatzkräfte sagen.

Die Lage im Land beruhigt sich. Die Aufräumarbeiten dauern allerdings noch an.
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Die Lage im Land beruhigt sich. Die Aufräumarbeiten dauern allerdings noch an. - Foto: © Freiwillige Feuerwehren des Ahrntals
Der Montag war der bisher gewitterreichste Tag in Südtirol. Über 2300 Blitze wurden gezählt, enorme Regenmengen fielen und starke Windböen wurden gemessen. Dies führte zu über 200 Einsätzen der Feuerwehren Südtirols.

Am Montag ist die Kaltfront abgezogen und es dürfte nun deutlich ruhiger werden, weshalb das Landeswarnzentrum Entwarnung geben konnte.

Da für die kommenden Tage keine zivilschutzrelevanten Naturereignisse zu erwarten sind, bleibt der Zivilschutzstatus Aufmerksamkeit nur mehr für die Covid-Lage aufrecht, berichtet der Direktor des Landeswarnzentrums Willigis Gallmetzer nach der heutigen Bewertungskonferenz, bei der alle Aspekte eingehend beleuchtet und besprochen wurden.



Weiterhin Gefahrenpotenzial

Doch in einigen Gebieten des Landes, die besonders stark von den Unwettern getroffen wurden, bleibt ein Risiko bestehen, dass es zu erneuten Problemen kommen kann, berichtet der Offizier der Berufsfeuerwehr gegenüber STOL.

Nach wie vor sind die Böden gesättigt und damit labil, weshalb mit Rutschungen und Steinschlägen zu rechnen ist, wie das Landesamt für Geologie und Baustoffprüfung und die Landesforstabteilung hervorheben. Größte Vorsicht im freien Gelände ist demnach geboten, das gilt auch für die mit den Aufräumarbeiten Befassten.

Warnung für die Bevölkerung von Pflersch und Ahrntal am Montagabend

In Pflersch und im Ahrntal war die Bevölkerung am Montagabend aufgefordert worden, die Häuser nicht zu verlassen und Hauptbach und Seitenbäche zu meiden. 30 Personen wurden vorsichtshalber evakuiert. Die Bevölkerung von Pflersch war um 19.25 Uhr, jene der Gemeinde Ahrntal um 19.46 Uhr über das Bevölkerungsinformationssystem BIS gewarnt worden, das über die Verkehrsmeldezentrale verschickt und über Radio- und Fernsehsender sowie das Südtiroler Bürgernetz verbreitet wird.


Diese Aufnahmen zeigen einen gewaltigen Murenabgang in Pflersch am Montag:


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Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr und der Wildbachverbauung waren am Montag vor Ort und analysierten die Entwicklung der Lage. Im Lagezentrum im Landeszivilschutzzentrum wurde die Situation seit Montagabend die ganze Nacht über im Auge behalten und bewertet und koordiniert. Die Freiwilligen Feuerwehren rückten in der Nacht auf heute zu insgesamt 200 Einsätzen aus, allein 60 davon im Ahrntal. In Innerpflersch gibt es noch Probleme bei der Stromversorgung, da ein Kraftwerk durch die Mure aus dem Toffringerbach stärker beschädigt wurde.

Starkregen mit bis zu 90 Litern pro Quadratmeter, Sturmböen mit über 100 Stundenkilometer, Hagelkörner mit 3 Zentimetern Durchmesser

Der Landeszivilschutz hatte angesichts der Kaltfront, die am Montag mit gewittrigen Starkregen und Hagelschauern über Südtirol gezogen war, den Zivilschutzstatus mittags auf die Stufe Aufmerksamkeit angehoben. Die angekündigten Sturmböen traten ein, mit Spitzen von über 100 Stundenkilometern in Salurn, die Niederschlagsmengen erreichten knapp 90 Liter pro Quadratmeter innerhalb weniger Stunden in Ladurns und Pens, Hagelkörner mit fast 3 Zentimetern Durchmesser fielen in Mölten, fasst Günther Geier vom Landesamt für Meteorologie und Lawinenwarnung zusammen.

Aufräumarbeiten im Pflerschertal

In Pflersch laufen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Die Berufsfeuerwehr und das Landesamt für Wildbachverbauung Nord der Agentur für Bevölkerungsschutz führen am Dienstag in Pflersch Lokalaugenscheine durch. Nach einer Besprechung am Dienstag um 7 Uhr mit Vertretern der Berufsfeuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr, der Gemeinde und zweier örtlicher privater Unternehmen, die vonseiten der Gemeinde mit ersten Aufräumarbeiten beauftragt worden waren, wurden mehrere Schadstellen besichtigt, berichtet Amtsdirektor Alexander Pramstraller.

In erster Linie hat der Einstoß eines Murgangs beim Toffringerbach in den Pflerscherbach Probleme bereitet. Der Pflerscherbach wurde dort rückgestaut und aus seinem Bett gedrängt, die Straße nach Innerpflersch wurde unterbrochen. Die Berufsfeuerwehr und die beiden Unternehmen sind derzeit mit Aufräumarbeiten rund um 6 Häuser befasst.

Weitere seitliche Zubringer weisen derzeit volle Geschieberückhaltebecken im Unterlauf auf. Auch bei der Talstation Ladurns beim Hotel Alpin hat Gesteinsmaterial den Pflerscherbach verlegt ebenso in Innerpflersch beim Hotel Feuerstein.

Sehr viele kleinere Schäden im Ahrntal

Im Ahrntal ist die Lage unter Kontrolle. Insgesamt galt es 76 Einsätze abzuarbeiten – alle sind noch im Gange. Keine großen, wohl aber sehr viele kleinere Schäden sind im Ahrntal zu verzeichnen, berichtet die stellvertretende Amtsdirektorin Caterina Ghiraldo vom Landesamt für Wildbachverbauung Ost in einer ersten provisorischen Bilanz, unter anderem im Kleinklausenbach gegenüber dem Keilbach, von dem sich Material auf den Parkplatz der Talstation des Skigebietes Klausberg ergoss. In Luttach und Prettau werden derzeit 6 bis 7 Bagger für Räumungsarbeiten eingesetzt. Die Rückhaltebecken in der Oberen Ahr, zum Beispiel im Jarlbach, sind mit Material vollgefüllt. Mehrere Holzbrücken wurden von den Fluten mitgerissen.

Alle Pegel sinken

Die Pegel an den Hauptgewässern sind am Montagabend sukzessive angestiegen. Der Eisack hat in Freienfeld den Höchststand um 21.20 Uhr erreicht, berichtet Roberto Dinale vom Landesamt für Hydrologie und Stauanlagen, in Brixen wurde die maximale Höhe um 1.10 Uhr nachts erreicht, seitdem sinken alle Pegel. Auch die Ahr und der Unteraluf der Rienz sind markant angeschwollen mit maximalen Wasserständen um 23.30 in St. Georgen und um 1.15 Uhr in Vintl.

Auch bei den Staudämmen in Mühlbach und Franzensfeste kam es zu einer Herabsetzung von der „Warnstufe“ zur „Aufmerksamkeitsstufe“.

lpa/stol