Dienstag, 31. Januar 2017

Urteil im Prozess um Zugsunglück von Viareggio erwartet

Sieben Jahre und sieben Monate nach einem Zugsunglück in der toskanischen Küstenstadt Viareggio mit 32 Todesopfern ist der Prozess in der Stadt Lucca in die Endphase getreten.

Ein mit Flüssiggas betankter Zug entgleiste und explodierte im Juni 2009 nahe dem Bahnhof in Viareggio. Nun wird ein Urteil erwartet.
Ein mit Flüssiggas betankter Zug entgleiste und explodierte im Juni 2009 nahe dem Bahnhof in Viareggio. Nun wird ein Urteil erwartet. - Foto: © D

Nach 140 Verhandlungstagen wird am Dienstag ein Urteil erwartet. In dem Verfahren sind hochrangige Manager der italienischen Bahnen sowie auch Österreicher angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft fordert für einen der österreichischen Angeklagten, Chef der in Wien ansässigen Firma GATX Rail Austria GmbH – die Eigentümerin des entgleisten und explodierten Kesselwaggons -, zehn Jahre Haft. Acht Jahre und drei Monate wurden für einen weiteren Manager der Firma, ebenfalls ein Österreicher, beantragt.

16 Jahre Haft für ehemaligen FS-Chef gefordert

Weitere niedrigere Strafanträge und auch Freispruchanträge betreffen Techniker der GATX Rail Deutschland. Für Mario Moretti, ehemaliger Chef der italienischen Staatsbahnen (FS) und amtierender CEO des Rüstungskonzerns Leonardo Finmeccanica, fordern die Staatsanwälte 16 Jahre Haft.

Die Ankläger verlangen weiters eine Strafzahlung in der Höhe von jeweils einer Million Euro von den italienischen Staatsbahnen sowie von der GATX Rail Austria GmbH, der GATX Rail Deutschland und von der deutschen Firma Jugenthal Waggon Hannover, die für die Wartung des entgleisten Kesselwaggons zuständig war.

Zug im Jahr 2009 nahe Bahnhof entgleist und explodiert

Die Angeklagten müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Auslösen einer Brandkatastrophe verantworten. Einigen von ihnen wird auch vorgeworfen, Sicherheitsvorschriften verletzt zu haben.

Am 29. Juni 2009 war ein Güterzug in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Viareggio entgleist, worauf einer der mit Flüssiggas befüllten Tankwaggons explodierte. Die Detonation und der anschließende Großbrand richteten im Zentrum der Stadt schwere Verwüstungen an. Rund 1.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden. Es war das schwerste Zugsunglück in Italien seit mehr als 20 Jahren.

Der Güterzug in Viareggio bestand aus 14 Druckgaskesselwaggons, die im Eigentum der GATX Rail Austria GmbH und ihrer Tochterunternehmen standen. Die Staatsanwälte behaupten, dass in einem der Radsätze ein Riss vorhanden war, der zum Zeitpunkt der letzten Inspektion durch GATX hätte erkannt werden müssen.

Da er aber vermutlich übersehen worden sei, habe der Riss die Entgleisung und das Bersten des Tanks verursacht. GATX weist jedoch darauf hin, dass der Tank mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine senkrecht im Boden verankerte Stahltraverse aufgerissen wurde, die in den Verantwortungsbereich der italienischen Staatsbahn fällt.

apa

stol