Dienstag, 21. Juli 2020

Urteil: Krampusse falsch beschuldigt

Viereinhalb Jahre nach einem Nikolausumzug in Schlanders können 2 Krampusse, die fälschlicherweise der Körperverletzung beschuldigt worden waren, aufatmen. Die beiden Personen, die sie des Übergriffs bezichtigt hatten, wurden jetzt zu je einem Jahr und 4 Monaten bedingter Haft verurteilt.

Falsche Anschuldigungen gegen 2 Krampusse in Schlanders erhoben: So hat das Gericht geurteilt. Im Bild ein Foto vom Umzug in Schladers im Jahr 2017.
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Falsche Anschuldigungen gegen 2 Krampusse in Schlanders erhoben: So hat das Gericht geurteilt. Im Bild ein Foto vom Umzug in Schladers im Jahr 2017. - Foto: © no
Der traditionelle Nikolausumzug im Dezember, an dem wie jedes Jahr auch mehrere als Krampus verkleidete Personen teilnahmen, hatte auch 2015 viele Zuschauer angezogen. 2 von ihnen erstatteten in den Tagen danach Anzeige gegen 2 Krampusse wegen Körperverletzung.

Sie gaben an, im Ortskern von den vermummten Gestalten tätlich angegriffen worden zu sein. Daraufhin wurde gegen die beiden Krampusse ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Diese wiesen jedoch alle Vorwürfe zurück. Und schon bald tauchte eine Reihe von Ungereimtheiten auf, die ihre Aussage zu stützen schienen.

Beispielsweise wurden mehrere Personen angehört, die gesehen haben wollten, dass ein als Krampus verkleideter Mann einen Schlag von einem Zuseher erhalten hatte – und nicht umgekehrt. Andere Personen wiederum konnten den Tatverdächtigen ein Alibi geben: Sie könnten gar nicht die Angreifer gewesen sein, weil sie sich zum angeblichen Tatzeitpunkt 20 bis 30 Meter entfernt aufhielten. Einen Monat später kam es zu einem zufälligen Treffen zwischen einem Krampus, einer der Personen, die Anzeige erstattet hatte, und einem unbeteiligten Dritten: Dieser Dritte sollte später bezeugen, dass der Strafantragsteller gegenüber dem Krampus sogar eingeräumt habe, dass er ihn falsch beschuldigt hätte.

Aufgrund all dieser entlastenden Hinweise wurde das Verfahren gegen die 2 Krampusse noch in der Ermittlungsphase eingestellt, weil sie die ihnen angelastete Straftat nicht begangen haben. In der Folge gerieten nun aber die Strafantragsteller selbst ins Visier – wegen des Vorwurfs der falschen Anschuldigungen.

Die beiden Krampusse ließen sich – vertreten von Rechtsanwalt Martin Ohrwalder – als Nebenkläger ein. Etliche Zeugen wurden im Rahmen des Strafverfahrens angehört, auch der unbeteiligte Dritte. Jetzt hat Richter Stefan Tappeiner die beiden ursprünglichen Strafantragsteller zu einer bedingten Haftstrafe von je einem Jahr und 4 Monaten verurteilt – zuzüglich zur Schadenersatzzahlung und Übernahme der Prozesskosten.

rc

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