<b>Herr Menara, was versteht man denn unter Urwegen?</b><BR /><BR />Hanspaul Menara: Ein typischer Urweg ist ein Pflasterweg, den man manchmal in der bäuerlichen Kulturlandschaft findet. Bei vielen dieser Wege lässt sich das Alter nicht genau bestimmen. In den vergangenen Jahren hat auch die Naturparkverwaltung wieder Pflasterwege angelegt, die deshalb erst wenige Jahre alt sind. In meinem neuen Buch wollte ich mich vor allem auf archäologische oder prähistorische Fundorte konzentrieren. Die Wege, die zu diesen Orten führen, können als Urwege bezeichnet werden, denn schon die Menschen damals nutzten sie, um ihre Kult- und Siedlungsstätten zu erreichen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75300207_quote" /><BR /><BR /><b>Vor 40 Jahren haben Sie bereits ein Buch über Urwege veröffentlicht, nun die Neuauflage. Was hat sich seitdem verändert?</b><BR /><BR />Menara: Es hat sich sehr viel getan. In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele weitere Fundstätten entdeckt. Ich habe in meinem neuen Buch 50 Wanderwege beschrieben, die zu solchen Fundorten hinführen. Das können Kapellen, Höhenkirchlein, Hügel, Wallburgen oder prähistorische Brandopferplätze sein. Darüber hinaus beschreibe ich kurz und prägnant 350 Fundorte – jeweils mit Angaben zu den Funden und ihren Entdeckern.<BR /><BR /><b>Und was ist mit den Wegen? Sind viele mittlerweile asphaltiert worden?</b><BR /><BR />Menara: Ja, so mancher alte Pflasterweg wurde asphaltiert und zu einem Fahrweg ausgebaut und ist damit in seiner ursprünglichen Form verschwunden. Viele Wege zu den Höfen sind jedoch erhalten geblieben. Dasselbe gilt für Pfade von touristischem Interesse. Sehr viele Urwege sind deshalb nicht verloren gegangen. <BR /><BR /><b>Warum sollte man sich auf den Spuren der frühesten Alpenbewohner begeben?</b><BR /><BR />Menara: Mich hat vor allem die Neugier angetrieben. Wo und wie haben die Menschen vor der geschriebenen Geschichte gelebt? Wo waren sie unterwegs? Über das Mittelalter mit seinem großen Siedlungsaufbau aus Burgen, Kirchen und Bauernhöfen ist vieles bekannt. Aber man weiß darüber wenig, was bis ungefähr um Christi Geburt passierte. Interessant ist auch so manche Parallele.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75300431_quote" /><BR /><BR /><b>Was meinen Sie damit? Können Sie das näher erläutern?</b><BR /><BR />Menara: Vor Kurzem war Herz-Jesu-Sonntag. Doch schon vor 5.000 Jahren entzündeten die Menschen eine Art Sonnwendfeuer. Dabei opferten sie Teile ihres Hab und Guts – meist kleine Nutztiere – den Göttern.<BR /><BR /><b>Wie haben Sie für das Buch recherchiert?</b><BR /><BR />Menara: Im Lauf der Jahrzehnte bin ich die meisten Wege in Südtirol selbst gegangen und kenne sie gut. Auch die archäologischen Entdeckungen habe ich über viele Jahre hinweg aufmerksam verfolgt und die Funde notiert. Zudem habe ich auf eine umfangreiche Literatur zurückgegriffen. All das hat mir eine gute Grundlage geboten. <BR /><b><BR />Was ist Ihre ganz persönliche Lieblingswanderung in Ihrem neuen Buch?</b><BR /><BR />Menara: Das ist schwierig zu sagen. Eigentlich habe ich gar keine Lieblingswanderung, denn vieles spielt dabei eine Rolle: die Schönheit des Weges, das Wetter, die Jahreszeit mit ihren besonderen Eindrücken – wie die Blüte im Frühling oder die bunten Blätter im Herbst. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75300435_quote" /><BR /><BR /><b>Wie schwierig ist es eigentlich, heute noch etwas aus vergangenen Zeiten zu finden?</b><BR /><BR />Menara: Die Vielfalt ist sehr groß. Früher kannte man Urzeitstätten nur in der Kulturlandschaft. Inzwischen wurden jedoch auch viele Funde an Bergseen, Gipfeln, Almen und Anhöhen gemacht. Heute stößt man nur noch selten auf neue Entdeckungen – meist mit etwas Glück und einem geschulten, archäologisch interessierten Blick. Der Reiz der Fundstellen liegt mehr darin, sich vorzustellen, dass dort vor Tausenden von Jahren Menschen gelebt haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1328532_image" /></div> <BR /><b>Haben Sie schon einmal etwas gefunden?</b><BR /><BR />Menara: Ja, einige Silexgeräte – also Kleinstgeräte aus Feuerstein, seltener auch aus Bergkristall, die vor allem aus der Mittel- und Jungsteinzeit stammen. Ich habe aber nie gezielt danach gesucht. In Schnals fand ich einmal ein solches Feuersteingerät, und zwar im Mastauntal in der Nähe jener Stelle, an der auch die Gletschermumie Ötzi entdeckt wurde.<BR /><BR /><b>Müssten Urwege und historische Stätten in Südtirol besser geschützt werden?</b><BR /><BR />Menara: Kaum. Es gibt zwar einige sogenannte archäologische Hotspots, aber da waren schon so viele Schatzsucher und Hobbyarchäologen, dass man heute kaum noch mehr Schaden anrichten kann. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1328535_image" /></div>