Samstag, 12. Dezember 2020

US-Behördenchef verneint „Druck“ bei Impfstoff-Zulassung

Der Chef der Arzneimittelbehörde FDA hat nach der Zulassung des ersten Corona-Impfstoffs in den USA erneut Berichten widersprochen, dass diese auf Druck des Weißen Hauses hin beschleunigt worden sei. „Wissenschaft und Daten haben die Entscheidung der FDA gelenkt“, sagte FDA-Chef Stephen Hahn am Samstag bei einer Pressekonferenz.

Der Corona-Impfstoff wird in den USA bereits ausgeliefert.
Der Corona-Impfstoff wird in den USA bereits ausgeliefert. - Foto: © BARBARA GINDL
Aufgrund der Dringlichkeit in der Pandemie habe der normalerweise Monate dauernde Zulassungsprozess auf mehrere Wochen verkürzt werden können – vor allem auch, weil die zuständigen Mitarbeiter Tag und Nacht gearbeitet hätten, sagte Hahn. „Externer Druck“ habe dabei keine Rolle gespielt.

Zuvor hatte es übereinstimmende Medienberichte gegeben, nach denen das Weiße Haus dem FDA-Chef am Freitag mit Entlassung gedroht haben soll, wenn der Impfstoff des deutschen Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer nicht bis Mitternacht zugelassen sei. FDA-Chef Hahn hatte die Berichte zurückgewiesen und sagte bei der Pressekonferenz erneut, sie seien „nicht richtig“. US-Präsident Donald Trump hatte die FDA in den sozialen Netzwerken als „große, alte, langsame Schildkröte“ kritisiert.

Der Corona-Impfstoff wird in den USA bereits ausgeliefert

Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer hatte am Freitagabend (Ortszeit) eine Notfallzulassung in den USA bekommen. Er kann nun bei Menschen ab 16 Jahren eingesetzt werden und wird bereits ausgeliefert. Die Gesundheitsbehörde CDC hatte sich dafür ausgesprochen, als erstes Mitarbeiter von Gesundheitseinrichtungen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen zu impfen. Er selbst werde sich auf jeden Fall impfen lassen, sobald das für ihn möglich sei, sagte Hahn.

Bereits Anfang des Monats hatte die britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel dem Präparat von Biontech/Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. Damit wurde Großbritannien der erste Staat weltweit, der diesen Impfstoff freigab. Inzwischen sind Kanada, Bahrain, Saudi-Arabien und Mexiko gefolgt. Auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (Ema) wurde die Zulassung des Corona-Impfstoffs in der EU beantragt, eine Entscheidung darüber steht allerdings noch aus.

apa

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