Im Rahmen des Projekts „Jugend forscht“ des Vereins Museum Hinterpasseier machten sich jüngst engagierte Geschichtsforscher auf den Weg, um die Spuren dieses dramatischen Ereignisses zu entdecken.<BR /><BR />Heini Frei leitete die Tour. Vor Ort konnten noch Überreste des Flugzeuges gefunden und die dramatische Geschichte des Absturzes besprochen werden.<BR /><BR />Zur Geschichte: Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Norditalien im Herbst 1943 wurde der Brennerkorridor zu einer der wichtigsten Nachschublinien der Wehrmacht. Die Alliierten versuchten mit massiven Luftangriffen, diese Verbindung zu unterbrechen. Ihren Höhepunkt erreichten die Bombardierungen am 20. April 1945, als allein auf den Verschiebebahnhof bei Schloss Sprechenstein südlich von Sterzing rund 2.000 Bomben abgeworfen wurden.<BR /><BR />Museumsleiter Peter Heel blickt zurück: „An diesem Tag startete auch von der US-Basis Lucera in Apulien ein Verband der ‚Fifteenth US Air Force‘.“ Dazu habe auch ein Bomber vom Typ B-17 G „Flying Fortress“ (Seriennummer: 44-6737) gehört. „Kurz vor dem Ziel wurde die Maschine von der Flugabwehrartillerie bei Sterzing schwer getroffen – ein Motor geriet in Brand“, erzählt Peter Heel dank seiner umfangreichen Recherchen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1231707_image" /></div> <BR /><BR />„Trotz des Schadens blieb Pilot Howard T. Bowers mit seiner Crew in der Formation, warf die Bomben noch ordnungsgemäß über dem Ziel ab und versuchte anschließend, nach Westen auszubrechen – in der Hoffnung, vielleicht noch die Schweiz zu erreichen.“<BR /><BR />Doch über der Töll musste die brennende Maschine abdrehen, überflog Partschins und das Zieltal, verlor weiter an Höhe und zerschellte schließlich unterhalb der Hohen Weißen auf den Andelsböden in Pfelders. „Die letzten Besatzungsmitglieder sprangen noch über dem Zieltal ab, die übrigen hatten sich schon zuvor per Fallschirm gerettet“, weiß der Museumsleiter. „Alle zehn US-Soldaten wurden in den folgenden Stunden aufgegriffen und an die deutsche Wehrmacht übergeben. Sie kamen in das Gefängnis beim Hotel ‚Emma‘ in Meran, wurden jedoch zwei Wochen später – nach Ende des Zweiten Weltkriegs – wieder freigelassen.“<h3> Zweiter Absturz?</h3>Nach Kriegsende wurde die Absturzstelle vielfach aufgesucht, um brauchbare Teile des Bombers zu bergen. Heute sind nur mehr wenige Reste sichtbar. Warum sind noch so viele Teile erhalten? „Bei den B-17-Bombern wurde häufig eine Alclad-Beschichtung verwendet, die den Aluminiumteilen über Jahrzehnte hinweg einen wirksamen Korrosionsschutz verleiht“, erklärt Museumsleiter Peter Heel.<BR /><BR />Und ein Motor des Autopiloten ist im Schreibmaschinenmuseum in Partschins zu sehen. Martin Gstrein hat ihn dem Museum übergeben. „Meine Recherche basiert auf Zeitzeugeninterviews und auf Unterlagen aus dem amerikanischen Militärarchiv Fold3“, erklärt Heel. „Darin finden sich auch die Aussagen der Crew und anderer Piloten des Verbandes, die den Absturz aus der Luft beobachtet hatten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1231710_image" /></div> <BR /><BR />Weitere Recherchen zum Luftkrieg über dem Alpenraum weisen darauf hin, dass nach der Landung der Alliierten in Italien im Jahr 1943 viele Bomber auf ihrem Weg zu Zielen in Süddeutschland das Passeiertal überflogen haben. Und wurde ein Kampfflugzeug über dem Bozner Talkessel getroffen, musste es seine Bomben oft ziellos abwerfen, um an Höhe zu gewinnen.“ <BR /><BR />So kam es 1944 bei Ulfas – ebenfalls im Hinterpasseier – zu einem Notabwurf von neun Bomben. Ein gezielter Angriff auf das Tal fand aber nie statt. „Das Passeiertal galt während des Krieges als sicheres Gebiet, doch auch hier zogen manchmal brennende Flugzeuge ihre Bahnen über die Berge“, erinnert der Museumsleiter. „Im Frühsommer 1944 sollen über dem Tal Besatzungsmitglieder eines angeschossenen Bombers abgesprungen sein. Und auch dieses Kampfflugzeug soll im Bereich der Andelsböden in Pfelders abgestürzt sein.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1231713_image" /></div> <BR /><BR />Und Peter Heel fügt hinzu: „Ob es sich dabei um einen zweiten Absturz handelt oder ob sich in den mündlichen Überlieferungen Ereignisse vermischt haben, wird Gegenstand weiterer Nachforschungen sein – möglicherweise wieder gemeinsam mit den Jugendlichen des Projekts ‚Jugend forscht‘.“