Dienstag, 19. März 2019

Utrecht: Polizei hat Hinweise auf Terrormotiv

Nach den tödlichen Schüssen in einer Straßenbahn in Utrecht verdichten sich die Hinweise auf ein „terroristisches“ Motiv. Polizei und Staatsanwaltschaft in den Niederlanden teilten am Dienstag mit, ein Brief im Fluchtauto des mutmaßlichen Täters deute in diese Richtung. Bei dem Angriff waren am Montag drei Menschen getötet worden. Die Polizei verhörte insgesamt drei Verdächtige.

Die Polizei vermutet hinter den Schüssen in Utrecht Terror.
Die Polizei vermutet hinter den Schüssen in Utrecht Terror. - Foto: © APA/AFP

Darunter befand sich auch der 37-jährige Hauptverdächtige Gökmen T. Die Ermittler sprachen von „ernsthaften“ Ermittlungen in Richtung eines „terroristischen“ Motivs. Türkische Medien hatten am Vortag Verwandte von T. zitiert, die von einem möglichen Familienstreit als Motiv berichteten.

Keine Verbindung zwischen Täter und Opfer

Die niederländische Polizei und Staatsanwaltschaft erklärten dazu, sie hätten „keinerlei Verbindungen“ zwischen dem Hauptverdächtigen und seinen Opfern gefunden. Bei ihnen handelt es sich um eine 19-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 28 und 49 Jahren. Alle drei stammen aus der Provinz Utrecht.

Die Polizei teilte weiter mit, neben dem Brief im Fluchtauto sei nach T.s Festnahme auch eine Schusswaffe gefunden worden. Bei den anderen beiden Verdächtigen, die ebenfalls verhört würden, handle es sich um zwei Männer im Alter von 23 und 27 Jahren. Die Ermittler aktualisierten außerdem die Angaben zu den Opfern. Demnach wurden sieben Menschen bei der Tat verletzt, drei von ihnen schwer.

Trauer ist groß

Am Tatort legten am Dienstag zahlreiche Utrechter Blumen nieder. Der 43-jährige Marco van Rooijen sagte, eines der Opfer sei die Freundin eines Freundes gewesen. „Hierher zu kommen war also das Mindeste, was ich tun konnte.“ Die 29-jährige Yvette Koetjeloozekoot sagte, sie sei gekommen, um die Opfer zu ehren und ihre Familien zu unterstützen. An vielen Gebäuden in den Niederlanden wehten die Fahnen am Dienstag auf halbmast.

Die Tat hatte in der historischen Universitätsstaat einen stundenlangen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Die Stadt empfahl den Schulen zu schließen und den Einwohnern, im Haus zu bleiben. Die Militärpolizei verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen für Flughäfen, Moscheen und wichtige Gebäude. Auch an der deutsch-niederländischen Grenze wurden die Kontrollen verstärkt. Zwischenzeitlich galt in Utrecht Alarmstufe fünf, nach Tanis' Festnahme wurde sie wieder herabgesetzt.

Niederländische Medien berichteten unterdessen, der 37-jährige Hauptverdächtige habe ein langes Vorstrafenregister. Laut dem öffentlich-rechtlichen Sender NOS stand Gökmen Tanis erst vor zwei Wochen wegen Vergewaltigung vor Gericht. Eine Frau, die mit dem Prozess in Verbindung steht, sagte der Tageszeitung „Algemeen Dagblad“, sie habe die Polizei bereits in der Vergangenheit vor Tanis gewarnt: Er sei „völlig verrückt“ und nehme Drogen. „Er ist kein Terrorist, sondern ein Psychopath“, sagte die Frau demnach weiter.

Versager mit Drogenproblemen

Nachbarn beschrieben Tanis als Kleinkriminellen und Dealer und als „Versager mit einem Drogenproblem“. Der Sender NOS berichtete außerdem, einige von Tanis' Verwandten hätten Verbindungen zu islamistischen Gruppen. Andererseits sei der 37-Jährige nach der Scheidung von seiner Frau vor zwei Jahren durch Stimmungsschwankungen aufgefallen. 

dpa

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stol