Freitag, 18. März 2016

"Väter wollen mehr sein als Ernährer oder Kumpel"

"Kinder sind nicht nur Frauensache - auch wenn es oft so dargestellt wird. Junge Väter wissen dies und wollen es anders." Mit diesen Worten zum Vatertag am 19. März lässt das Südtiroler Kinderdorf aufhorchen - und setzt noch weitere Anschauungen obendrauf.

Kinder, auch sehr kleine Kinder, brauchen Männer in ihrem Alltag.
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Kinder, auch sehr kleine Kinder, brauchen Männer in ihrem Alltag. - Foto: © shutterstock

Südtirol Online: Einen Vater braucht das Kind - eine Erkenntnis nur zum anstehenden Vatertag? 
Heinz Senoner, pädagogischer Direktor des Südtiroler Kinderdorfes: Kinder, auch sehr kleine Kinder brauchen Männer in ihrem Alltag, in der Familie, in der Kindertagesstätte, im Kindergarten und in den ersten Schuljahren. Inzwischen dürfte niemand mehr auf die Idee kommen zu hinterfragen, dass Kinder für ihre gesunde Entwicklung Männer genauso wie Frauen brauchen, eben gerade weil sie unterschiedliche Zugänge zur Welt haben.

STOL: Das heißt - die Zeiten ändern sich?
Senoner: Immer mehr junge Väter nehmen sich Vaterschaftsurlaub und das Zusammensein mit ihren Kindern ist ihnen wichtig. Sie wollen mehr sein als Ernährer oder Kumpel. Sie wollen eine tragfähige Beziehung aufbauen. Aber das braucht Zeit und mit den 20 Minuten vor dem Schlafen gehen, ist es dabei nicht getan. Beziehung braucht Zeit.
Aber in Zeiten, in denen Männer immer noch besser bezahlt werden als Frauen, ist es für Familien finanziell schwierig, wenn der Vater Arbeitszeit reduziert. Und wie viele Firmen erlauben Männern Teilzeit zu arbeiten? Teilzeit und Vaterschaftsurlaub sind bei uns noch vielfach ein Tabu. Ein Umdenken in Politik und Wirtschaft tut Not.

STOL: Sie sagen, Männer wird es nicht leicht gemacht - auch wenn sie Väter sein wollen?
Senoner: Der Chef fordert das Gegenteil als die Familie. In der Arbeit sollen sie leisten, möglichst keine Gefühle zeigen, wie z.B. Schwäche, Angst, Überforderung und funktionieren. Daheim sollen sie dann offen sein für die Gefühle der Frau und der Kinder, einfühlsam, verständnisvoll und interessiert und dabei sich selbst öffnen.
Dieses Umschalten ist nicht einfach. Vielleicht brauchen wir ja ein generelles Umdenken in der Arbeitswelt, ob Menschen nur als Arbeitende gesehen werden oder eben als Menschen und da gehören Gefühle dazu.

STOL: Was bringt es einem Mann mehr Zeit für seine Kinder zu haben?
Roland Feichter, vierfacher Vater und Führungskraft: Ich bin davon überzeugt, dass Männer an Lebensqualität gewinnen, wenn sie sich auf ihre Kinder einlassen und mit ihnen in Beziehung gehen. Väter, die sich in den ersten Lebensjahren Zeit mit den Kindern nehmen ohne, dass die Mutter dabei ist, z.B. eine Vaterschaftszeit, erleben, wie bereichernd und wertvoll es ist, ganz für die Kinder verantwortlich zu sein. 
Sie erleben, dass sie nicht auf die Frau angewiesen sind, um gut mit den Kindern in Kontakt zu sein. Sie erkennen, wie bereichernd eine lebendige Vater-Kind-Beziehung ist  und wie wertvoll und kostbar das für das eigene Leben ist.

stol/ker

stol