Im September 2024 haben wir bereits einmal über Maximilian Mussner und seinen waghalsigen Sprung von der Brücke Stari Most berichtet. Damals absolvierte der Brixner gerade sein viertes Oberschuljahr an der High School in Becker, einer Stadt in Minnesota, und spielte erfolgreich in deren Football-Team.<BR /><BR />„Wir haben sogar die Staatsmeisterschaft gewonnen – vor rund 30.000 Zuschauern im U. S. Bank Stadium, wo normalerweise die Minnesota Vikings, eine US-amerikanische Football-Profimannschaft, spielt“, erzählt Mussner, der zwischenzeitlich mit einem Verbleib in den USA geliebäugelt hatte.<h3>Nach Football-Triumph zu neuem Ziel</h3>Im Juni kehrte Mussner – auch auf Wunsch der Eltern – nach Brixen zurück. Und bald schon war für ihn klar: „Ich brauche ein neues Ziel“. Maximilian bat seinen Vater Manfred Mussner, der für seine Teilnahme an Extrem-Marathons bekannt ist, ihn für die Polar-Bear-Challenge anzumelden: Dabei ist ein Marathon (42 Kilometer) und am Folgetag ein Halbmarathon (21 Kilometer) auf dem Polarkreis, den Gletschern Grönlands, zu laufen.<BR /><BR />„Diesen Marathon hatte ich schon drei Jahre lang als Ziel vor Augen. Auch wenn meine Fitness die Teilnahme an Marathons schon vorher erlaubt hätte, sollte dieser mein erster sein, weil er so besonders ist: der kälteste Marathon der Welt, kombiniert mit einem Halbmarathon“, erzählt Maximilian.<BR /><BR />Bei der Anmeldung gab es nur einen Haken. Maximilian war noch nicht volljährig. Erst am Tag des Halbmarathons am 26. Oktober würde er seinen 18. Geburtstag feiern. Die Organisatoren stimmten Maximilians Teilnahme ausnahmsweise zu. Und so war es ihm möglich, „als jüngster Teilnehmer in der Geschichte dieses Laufs diese Herausforderung zu beenden“.<h3>Lauftraining bei minus 40 Grad Celsius</h3>Die Zusage erhielten Maximilian und sein Vater im August. Ab da wurde gezielt trainiert: am Dienstag die Halbmarathon-Strecke, am Donnerstag Intervalltraining, am Freitag (auch an Schultagen) ab 5 Uhr früh, am Wochenende die Langstrecke… Auf die extremen Temperaturen hatte sich Maximilian bereits bei seinen Lauftrainings im Winter in Minnesota bei minus 40 Grad Celsius eingestimmt. <BR /><BR />„In der Kälte muss man öfters und durch den Mund atmen, was anstrengender ist. Es fühlt sich an, als ob die Lungenkapazität geringer wäre“, beschreibt Mussner. Auch die Wahl der Kleidung ist entscheidend. Für Grönland entschied sich Maximilian für das Zwiebelprinzip mit drei Kleiderschichten. <BR /><BR />In den Herbstferien ging es dann für Maximilian und seinen Vater mit dem Flugzeug nach Kangerlussuaq, einer Siedlung mit 400 Einwohnern an der Ostküste Grönlands, die über einen Flughafen verfügt, weil es dort früher einen amerikanischen Militärstützpunkt gegeben hat. <h3>Mit Spikes an den Laufschuhen durchs Eis</h3>„Am Tag vor dem Marathon haben wir Läufer die Icecap-Route besichtigt, die acht Kilometer über pures Eis und Gletscherlandschaft führt“, erzählt Maximilian. Da für die ersten zehn Laufkilometer Spike-Pflicht bestand, testeten die Sportler die Mikrospikes an den Laufschuhen – zusätzliches Gewicht an den Füßen. Auch wurden ihnen die Stellen gezeigt, wo Einbruch- oder Ausrutschgefahr besteht.<BR /><BR />Am Tag des Marathons selbst ging es mit speziellen Gelände-Bussen von Kangerlussuaq in die Eislandschaft. Die Strecke zurück wurde laufend absolviert, anfangs durch Eis und vorbei an Gletscherseen und Eisbergen, dann auf sicheren Forststraßen.<BR /><BR />„Ich habe die volle Marathon-Distanz unterschätzt und bin zu schnell gestartet“, berichtet Maximilian. Die ersten 15 Kilometer hielt er mit den Profis mit, bei Kilometer 32 kam der Einbruch. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1246770_image" /></div> <BR /><BR />„Ein Arzt musste mich anschauen, er hat mir vom Weiterlaufen abgeraten. Wegen der durch die Kälte gereizten Schleimhäute hatte ich Blut gespuckt“, berichtet Maximilian. Aufgeben aber war keine Option. Und so beendete Maximilian als 24. von 129 Teilnehmenden das Rennen. „Von den Läufern aus Italien war ich der schnellste“, erzählt Maximilian stolz.<h3>Zum 18. Geburtstag gemeinsam ins Ziel</h3>Beim Halbmarathon mit 140 Teilnehmenden am nächsten Tag – 96 Läufer bewältigten beide Rennen – war Maximilian die Zeit nicht mehr so wichtig. „In der Nacht hatte es ergiebig geschneit, und wir mussten die gesamte Strecke mit den Spikes laufen“, sagt Maximilian. Mit dem zusätzlichen Gewicht fiel irgendwann jeder Schritt schwer.<BR /><BR />„Mein Vater und ich sind dann gemeinsam durch das Ziel gerannt. Dass ich an diesem Tag meinen 18. Geburtstag feierte, machte den Moment noch einmal mehr besonders“, freut sich Maximilian. Länger in der Kälte wollten sie aber nicht bleiben. Und so ging es bereits am nächsten Tag zur Erholung mit der gesamten Familie nach Teneriffa.<h3>Bald vom Eis in die Wüste?</h3>Dort hat Maximilian im Internet bereits nach nächsten Zielen gesucht. Der Marathon in der Antarktis oder durch die Sahara-Wüste sind bereits notiert. „Und was ich in den nächsten fünf Jahren unbedingt machen will, ist, einen Ironman (einen Langdistanz-Triathlon; Anm. der Red.) zu bestreiten“, kündigt Maximilian an. Vorerst haben die Maturaprüfung und die Entscheidung über das weitere Studium Vorrang.