Donnerstag, 16. Juli 2020

Vatikan legt Handbuch vor: Missbrauchsverdacht in jedem Fall prüfen

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche fordert der Vatikan alle Kirchenoberen auf, auch kleinste Hinweise ernst zu nehmen.

Papst Franziskus hat mehrfach ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung zugesagt. Er ergriff mehrere Maßnahmen.
Papst Franziskus hat mehrfach ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung zugesagt. Er ergriff mehrere Maßnahmen. - Foto: © APA/afp / HANDOUT
In einem länger erwarteten Leitfaden, der am Donnerstag in Rom veröffentlicht wurde, heißt es, allen Informationen über mögliche Missbrauchsfälle müsse sorgfältig nachgegangen werden.
Das gelte auch, wenn jemand die Vorwürfe anonym an die Kirche sende oder sie aus Sozialen Netzwerken kämen. Das Handbuch stammt von der vatikanischen Glaubenskongregation.

Bei einem Anti-Missbrauchsgipfel hatten Experten 2019 eine Handreichung des Vatikans für den Umgang mit Verdachtsfällen und die Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlern angemahnt. Papst Franziskus hat mehrfach ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung zugesagt. Er ergriff mehrere Maßnahmen.

Opfer bemängeln aber weiter, dass Kirchenmänner vielerorts bei der Aufklärung bremsen und verschleiern würden.
Kardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer erläuterte zu dem sogenannten Vademecum mit mehr als 160 Artikeln: „Dies ist kein Gesetzestext.“ Vielmehr würden Bischöfe und Ordensobere in dem Ratgeber praktische Hinweise erhalten, wie sie mit Missbrauchsfällen umgehen sollten.

In dem Handbuch mahnt der Vatikan erneut die religiösen Institutionen zum offensiven Anzeigen der Taten bei staatlichen Stellen an. Es gehe darum, Minderjährige vor weiteren Übergriffen zu schützen. Es gibt auch Hinweise zu Persönlichkeitsrechten möglicher Täter, zum Umgang mit möglichen Fehlinformationen und vieles mehr.

apa/dpa

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