Samstag, 16. November 2019

Venedig beginnt mit Schadenserhebung

Nach der neuen Flutwelle am Freitag beginnt Venedig mit der Erhebung der Schäden. Während der Markusplatz überschwemmt bleibt, beklagt die Touristikbranche schwere Verluste. Besitzer von Ferienwohnungen meldeten, dass 35 Prozent der für die nächsten Monate gebuchten Aufenthalte storniert wurden.

Eine Entspannung der Lage steht noch nicht unmittelbar bevor.
Eine Entspannung der Lage steht noch nicht unmittelbar bevor. - Foto: © ANSA / Andrea Merola

In Hotels betrugen die Stornierungen 15 Prozent, so der Touristikverband Confturismo. Shop-Inhaber säubern ihre Geschäfte von Wasser und Schlamm. Inzwischen werden auch die Schäden geprüft, die das Hochwasser dem Kunsterbe der Stadt zugefügt hat. Von 120 Kirchen wurde die Hälfte überschwemmt, beklagte die venezianische Tageszeitung „Il Gazzettino“. 5 Vaporetti, die Wasserbusse Venedigs, und 6 Landungsbrücken wurden schwer beschädigt.

Auch die Gondolieri erlitten erhebliche Schäden. 25 Gondeln müssen repariert werden. Wegen der Flutwelle ging kostbares Holz verloren, das dem Gondelbau dient. Der Gondelbauer Alberto Della Toffola verlor im Wasser über 30 Holztafeln, die von der Flutwelle weggeschwemmt wurden. „Wir kaufen das Holz in Slowenien, es ist nicht einfach, das richtige Material für unsere Gondeln zu finden. Die Schäden sind groß“, sagte Della Toffola laut der Tageszeitung „Corriere della Sera“.

Überschwemmungen auch außerhalb Venedigs

Die Kreuzfahrtindustrie will helfen. Die Kreuzfahrtgesellschaften, die in Venedig halten und deren Schiffe seit jeher als Gefahr für die Lagunenstadt betrachtet werden, wurden zu Spenden aufgerufen. Costa Crociere will für die Stadt 100.000 Euro locker machen, kündigte die Reederei aus Genua in einer Presseaussendung an.
Nicht nur Venedig leidet unter dem Unwetter. Auch in der 50 Kilometer von Venedig entfernten Kleinstadt Chioggia kam es zu Überschwemmungen. In der friaulischen Adria-Badeortschaft Grado mussten überschwemmte Straßen gesperrt werden.

In mehreren Gemeinden der Dolomiten-Provinz Belluno blieben Schulen wegen der Schneegefahr geschlossen. Zudem wurden einige Alpenpässe gesperrt. In der ligurischen Provinz Imperia kam es zu Erdrutschen. Nach heftigen Gewittern wurden Stromausfälle in mehreren Stadtvierteln Genuas gemeldet. Auch Rom wurde von Stürmen und Niederschlägen heimgesucht.

Eine Entspannung der Lage steht nicht unmittelbar bevor: Wetterexperten warnten, dass ganz Italien an diesem Wochenende mit einer Schlechtwetterfront mit starken Stürmen und Niederschlägen konfrontiert werde.

apa