Freitag, 28. April 2017

Venedig: „Numerus clausus“ für Touristen

Venedig will bald Personenzähler testen, um den Zugang von Besuchern zu strategischen Orten der Stadt zu regeln. Mit den ersten Tests will die Stadt bereits in den nächsten Wochen beginnen, beschloss der Gemeinderat.

Venedig will den Touristenansturm künftig besser regeln.
Venedig will den Touristenansturm künftig besser regeln. - Foto: © shutterstock

Apparate wie etwa Drehkreuze, sollen den Zugang zu strategischen Orten wie zur Calatrava-Brücke am Eingang der Stadt überwachen, berichteten italienische Medien. Auch beim Zugang zu mehreren Kais sollen die Personenzähler aufgestellt werden.

Die Zahl der Polizisten, die in der Lagunenstadt im Einsatz sind, soll erhöht werden. Die Gemeinde will auch ein System zur Online-Buchung von Besuchen in Venedig einführen. Diese Systeme sollen mithilfe von Hoteliers und Touristikverbänden entwickelt werden.

Maßnahmenpaket für nachhaltigen Tourismus

Die Pläne zur Regelung der Touristenströme sind Teil eines Maßnahmenpakets, das die Gemeinde der Regierung in Rom, sowie der UNO-Kulturorganisation (UNESCO) vorlegen will. Ziel sei einen „verantwortungsbewussten und nachhaltigen Tourismus“ zu fördern und dabei die Interessen der Bewohner zu berücksichtigen. „Die Gemeinde will mit diesem Maßnahmenpaket konkrete Antworten auf das Problem des Umgangs mit den touristischen Strömen geben“, so Bürgermeister Luigi Brugnaro.

Eintrittskarte für Markusplatz

Im Sinne des Maßnahmenpakets denkt die Gemeinde Venedig zudem an die Einführung einer Eintrittskarte für den Markusplatz. Diese soll auch per Internet gebucht werden können, betonte das für Tourismusfragen zuständige Gemeinderatsmitglied, Paola Mar, laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

„Der Markusplatz ist ein Kunstgelände. Wir haben die Möglichkeit einer beschränkten Schließung des Geländes mit der Einführung einer Eintrittskarte geprüft. Vom technischen und juristischen Standpunkt ist das machbar“, erläuterte Mar.

Täglich 100.000 Touristen

Seit Jahren diskutiert die Gemeinde Venedig über Maßnahmen zur Regelung der Touristenströme. Täglich tummeln sich in der Stadt bis zu 100.000 Besucher, während der Faschingszeit sind es sogar 130.000. Deswegen drängt der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, schon seit Jahren auf die Einführung eines „Numerus clausus“ für Touristen.

Auch wegen des starken Touristendrucks ist Venedig seit Jahrzehnten mit einem starken Einwohnerschwund konfrontiert. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Zahl der Bewohner Venedigs von 175.000 auf ein Rekordtief von weniger als 55.000 Menschen gesunken, wie aus Angaben der Gemeinde hervorgeht. Noch im Jahr 2000 zählte die Lagunenstadt 66.386 Einwohner.

apa

stol