Samstag, 9. April 2022

„Verachtenswerte Initiativen“ – Schwazer: Stellen sich eigene Wahrheit zusammen

Nach der Archivierung des Ermittlungsverfahrens vor einem Jahr schien der Fall Schwazer „gegessen“ – für die Weltdopingagentur WADA wohl nicht: Sie gab beim Biochemiker Martial Saugy in Lausanne ein Gutachten in Auftrag. Und diesem zufolge sei das Szenario, wonach Schwazers Dopingprobe manipuliert worden sei, nicht plausibel, es gebe keinen analytischen Beweis. Richter Walter Pelinos „Theorie“, der die Einstellung des Verfahrens zugrunde liege, fuße „auf falschen Voraussetzungen“. Alex Schwazers Verteidiger nehmen sich kein Blatt vor den Mund: „Diese Initiativen der WADA verdienen nur Verachtung.“

Alex Schwazer - Foto: © DLife

„Irren mag menschlich sein (nicht in diesem Fall, denn es steht, gelinde gesagt, böse Absicht dahinter), aber auf Irrtümern zu bestehen, ist teuflisch“, heißt es in der Reaktion der beiden Rechtsanwälte Gerhard Brandstätter und Thomas Tiefenbrunner. Auf heimlichen Gutachten zu angeblichen Urinproben zu beharren, ohne die Einhaltung eines Streitgespräches, verrate nur den verzweifelten Versuch, ein unrechtfertigbares Vorgehen zu rechtfertigen, so die Rechtsanwälte. Es habe Mängel gegeben, „von Ratschings bis Rio“, mit Verletzungen der elementarsten Grundsätze eines fairen Prozesses.

Es fehle der Respekt vor der Entscheidung eines italienischen Richters, die auf der Grundlage technischer und wissenschaftlicher Gutachten von höchstem Niveau fuße. Wenn schon, dann hätte man während des Beweissicherungsverfahrens konkrete Gegenbeweise vorlegen müssen, die aber nicht erbracht wurden.

Nun aber werde nachträglich ein höchst abenteuerliches und unhaltbares Sachverständigengutachten vorgelegt, stellen Schwazers Rechtsanwälte fest. Die Verlegenheit der WADA müsse groß sein, wenn sie versuche, die Sache nun mit „derart illegitimen Initiativen “ auszubügeln. Die Anwälte erinnern in ihrer Stellungsnahme auch an den E-Mail-Verkehr, in dem es um ein „Komplott gegen A.S.“ ging – wie berichtet, hat die Bozner Staatsanwaltschaft dazu Ermittlungen eingeleitet, die noch laufen.

Schwazers Rechtsanwälte bleiben inzwischen nicht untätig. „Wir rufen den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg an. Diese Initiativen der WADA verdienen nur Verachtung.“

Alex Schwazer selbst unterstreicht, dass das neue Gutachten erstellt wurde, ohne dass alle Parteien eingebunden waren – wie es vor Gericht passiert und wie es im Beweissicherungsverfahren auch war. „Das offizielle Ergebnis passt ihnen wohl nicht, deshalb stellen sie sich ihre eigene Wahrheit zusammen“, sagt Schwazer.

rc

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