Alle sechs Minuten stirbt weltweit eine Person an oder mit einer Sepsis (umgangssprachlich oft Blutvergiftung genannt). Die Inzidenz, also die Anzahl der Neuerkrankungen, ist höher als bei Schlaganfällen oder Herzinfarkten – und die Folgen sind oft desaströs. Und doch ist die Krankheit für viele weitgehend unbekannt. <BR /><BR />Dr. Elke Maria Erne leitet die Abteilung für Infektionskrankheiten in Bozen und klärt auf: „Bei einer Sepsis gerät die körpereigene Abwehr außer Kontrolle. Statt nur die Erreger zu bekämpfen, richtet sich das überreagierende Immunsystem gegen den eigenen Körper – das kann zu Organversagen und einem lebensbedrohlichen Schock führen.“<h3>Wie bekommt man eine Sepsis?</h3>Treffen könne die Krankheit jeden; besonders gefährdet seien jedoch ältere Personen, Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen. „Grundsätzlich kann eine Sepsis durch jede Infektion entstehen, meist durch Bakterien, beispielsweise im Rahmen einer Lungenentzündung, einer Harnwegs- oder Darminfektion. Seltener sind Pilze die Ursache. Auch verunreinigte Schnittwunden können eine Sepsis auslösen, wenn Bakterien dadurch in die Blutbahn gelangen“, so Dr. Erne.<h3>Wie erkennt man eine Sepsis?</h3>Da die anfänglichen Symptome wie Fieber oder Schüttelfrost die gleichen sind wie bei vielen viralen Erkrankungen, sei eine Sepsis oft nicht gleich erkennbar: „Wenn jedoch eine sehr rasche Verschlechterung des Allgemeinzustandes – etwa durch Herzrasen, schnelle Atmung, Verwirrtheit oder abfallenden Blutdruck – eintritt, sind das klare Anzeichen einer Sepsis.“ Dann seien rasches Handeln und ein umgehender Notruf (112) entscheidend, da die akute Gefahr eines septischen Schocks bestehe.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1361088_image" /></div> <h3> Die entscheidende „goldene Stunde“</h3>Bei einer Sepsis gilt laut der Expertin ein wichtiger Grundsatz: Je später die Behandlung beginnt, desto höher ist die Schadensrate. Dabei spricht man in der Medizin in diesem Zusammenhang oft von der „goldenen Stunde“. „Wenn man die Sepsis innerhalb einer Stunde erkennt und Antibiotika verabreicht, liegt die Überlebensrate bei etwa 80 Prozent. Diese Rate sinkt kontinuierlich ab; nach sechs Stunden liegt sie nur noch bei etwa 40 Prozent.“<h3> Was sind die Folgen einer Sepsis?</h3>Doch selbst wenn Betroffene den septischen Schock überleben, drohen gravierende Langzeitfolgen. Neben einem Übergang vom Schock ins Koma seien auch dauerhafte neurologische Beeinträchtigungen bis hin zu irreparablen Hirnschäden möglich, ähnlich den Folgen eines Schlaganfalls. Durch die mangelnde Durchblutung im Schockzustand könne es zum Absterben von Gewebe an den Extremitäten oder zu Lähmungen kommen.<h3> Infektionszahlen und Sterblichkeit in Italien</h3>Weltweit steht jeder fünfte Todesfall im Zusammenhang mit einer Sepsis; europaweit liegt die Inzidenz bei 377 Fällen pro 100.000 Einwohner. „In Italien gibt es pro Jahr geschätzte 250.000 Sepsisfälle, wovon 50.000 bis 70.000 tödlich verlaufen“, resümiert Dr. Erne: „Umso wichtiger ist es, die Anzeichen schnell zu erkennen und ernst zu nehmen – eine Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Notfall.“