Dienstag, 14. Juli 2020

Verbote für zu laute Motorräder bald auch in Südtirol?

Das Bundesland Tirol hat kürzlich auf ausgewählten Passstraßen besonders laute Motorräder verboten. Und Landesrat Daniel Alfreider könnte sich solche Verbote auch gut für Südtirol vorstellen. So wird er zumindest in einem Artikel von Spiegel online zitiert. Denn Motorrad-Lärm wird auch auf den Dolomiten-Pässen teils als untragbares Problem wahrgenommen.

Fahrverbote für zu laute Motorräder könnten auch auf Südtirols Passstraßen zur Realität werden.
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Fahrverbote für zu laute Motorräder könnten auch auf Südtirols Passstraßen zur Realität werden. - Foto: © shutterstock
Das Bundesland Tirol sperrte, wie berichtet, vom 10. Juni bis 31. Oktober bestimmte Straßenabschnitte für besonders laute Motorräder. Wer dagegen verstößt, riskiert ein hohes Bußgeld von bis zu 220 Euro. Die Polizei kann die Fahrer zudem zum Umkehren zwingen.

Die Tiroler Landesregierung begründete ihre Entscheidung im Juni damit, dass sich durch den wachsenden Motorradverkehr und die erhebliche Lärmbelastung 44 Prozent der dortigen Bevölkerung beeinträchtigt fühle. Besonders das hochtourige Fahren, also das Aufheulen lassen des Motors beim Beschleunigen oder Bremsen, sei störend.

Motorräder dürfen nicht mehr als 95 dB(A) haben

Da die bisherigen Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt hatten, entschlossen sich die Tiroler im Rahmen eines Pilotprojekts nun zu abschnittsweisen Sperrungen.

Das Fahrverbot gilt laut dem ADAC für alle in Österreich und im Ausland zugelassenen einspurigen Kraftfahrzeuge, die laut Zulassung ein Standgeräusch (Nahfeldpegel) von mehr als 95 dB(A) aufweisen.

Auch in Deutschland und der Schweiz nimmt die Diskussion um Fahrverbote an Fahrt auf.

„Passstraßen sind keine Rennstrecken“

In dem Artikel von Spiegel Online „Verbote für zu laute Motorräder: Ist der Tiroler Weg ein Vorbild auch für Deutschland?“ wurde am Montag zu diesem Thema auch der Südtiroler Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider zitiert, der diese Fahrverbote ausdrücklich gut heißt. „Viele verwechseln unsere kurvenreichen Passstraßen mit Rennstrecken, deswegen halten wir die Tiroler Fahrverbote für einen Schritt in die richtige Richtung“, erklärt Alfreider darin.


Reaktionen aus Politik und von Verbänden

Sehr positiv überrascht und erfreut über diese Aussagen zeigte sich der Dachverband für Natur- und Umweltschutz, der nun hofft, dass die Verkehrsverbote demnächst auch in Südtirol umgesetzt werden. Und auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion im Landtag, Brigitte Foppa schreibt in einer Mitteilung am Dienstag: „Es freut uns von Herzen, dass Landesrat Alfreider den Grünen Vorschlag zu einer Reduzierung des Lärms auf den Straßen Tirols für gut befindet. Hoffentlich erstreckt sich dieses Wohlwollen auch auf die Straßen und Bergwelt Südtirols.“

Welche Lösungsansätze sie sonst noch für den Verkehr auf den Dolomitenpässen sehen, werden die Landesräte Alfreider und Failoni mit den betroffenen Bürgermeistern am Donnerstag in Wolkenstein bekanntgeben.

Zusätzliche Info: Diese Strecken in Tirol sind für laute Bikes tabu

B 198 Lechtalstraße von Steeg (Landesgrenze Vorarlberg) bis Weißenbach am Lech

B 199 Tannheimerstraße von Weißenbach am Lech bis Schattwald (Staatsgrenze Deutschland)

L 21 Berwang-Namloser Straße von Bichlbach bis Stanzach

L 72 Hahntennjochstraße 2. Teil von Pfafflar bis Imst (Passhöhe)

L 246 Hahntennjochstraße 1. Teil von Imst (Passhöhe) bis Imst Kreuzung Vogelhändlerweg

L 266 Bschlaber Straße von Elmen bis Pfafflar

Die Fernpassstraße (B 179) ist von den Fahrverboten nicht betroffen. Die Regelung wird laufend evaluiert und könnte im Bedarfsfall ausgeweitet werden.

vs