Samstag, 09. Juni 2018

Verdächtiger im Fall Susanna landet am Abend in Frankfurt

Der Tatverdächtige im Mordfall Susanna soll am Samstagabend am Frankfurter Flughafen landen. Ali B. werde in Gewahrsam der Bundespolizei aus dem Irak nach Deutschland gebracht, schrieben der „Wiesbadener Kurier” und die Mainzer „Allgemeine Zeitung”. Die Polizei wollte die Berichte nicht bestätigen. Mehrere Initiativen wollen im Laufe des Tages gegen Einwanderung oder gegen Rassismus demonstrieren.

Susanna wurde vergewaltigt und ermordet Foto: APA (dpa)
Susanna wurde vergewaltigt und ermordet Foto: APA (dpa)

Der 20-jährige Verdächtige war in der Nacht auf Freitag im Nordirak von kurdischen Sicherheitsbehörden festgenommen worden. Er wird verdächtigt, die 14-jährige Susanna aus Mainz vergewaltigt und getötet zu haben. Das Mädchen war am Mittwoch in Wiesbaden tot aufgefunden worden. B. war Anfang Juni mit seiner Familie von Düsseldorf aus über die Türkei in den Nordirak geflohen.

In Mainz sind für Samstag mehrere Demonstrationen geplant. Die Bürgerrechtsbewegung „Solidarität” etwa meldete eine Demo in der Innenstadt an. Unter dem Motto „Stop the Violence - gegen sexualisierte Gewalt und Unterdrückung” plant die „Gutmenschliche Aktion Mainz” eine Kundgebung am Hauptbahnhof und einen Zug zum Petersplatz nahe dem Schloss. Dort will man sich mit einer Trauerkundgebung gegen Rassismus wenden. Die AfD-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz will hingegen ganz in der Nähe unter dem Motto „Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!” vor der Staatskanzlei demonstrieren.

Bereits am Freitagabend versammelten sich Menschen in der Nähe des Fundorts der Leiche zu einem Trauermarsch in Gedenken an Susanna. Zur Teilnehmerzahl machte die Polizei keine Angaben.

Der Fall löste bereits eine heftige politische Debatte aus. Nach Auffassung der Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sollte sich die deutsche Gesellschaft Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen. „Das ist jetzt kein Einzelfall mehr”, sagte die Ethnologin.

Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten, sagte die Forscherin. Im Fall Susanna könne dies der Hintergrund sein: „Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt.” Weder vor der deutschen Gesellschaft, noch vor Frauen oder Polizisten, sagte die Forscherin. Es gebe aber in Deutschland auch sehr, sehr viele muslimisch geprägte junge Männer, die Frauen und Werte achteten und selbst gegen patriarchalische Strukturen ankämpften.

Der Fall der getöteten Susanna wecke Ängste in Teilen der Bevölkerung, die auch durch Fehleinschätzungen entstünden, sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir Wahrnehmungsfehlern unterliegen und zur Überschätzung der tatsächlichen Zustände neigen, wenn es um den Zusammenhang von Kriminalität und bestimmten Gruppen geht.” Man könne den Sorgen aber begegnen, sagte der Psychologe. Etwa indem man sich bewusst mache, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst oder das eigene Kind Opfer einer solchen Tat werde, gering sei.

apa/ag.

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stol