Weil die neue Trägerin des Verdienstkreuzes am 15. August beim Festakt in der Hofburg in Innsbruck nicht dabei sein konnte, wurde die Verleihung am 1. Oktober nachgeholt – ganz exklusiv und an einem besonderen Ort. <BR /><BR />Das hat es im Jesuheim in Girlan noch nie gegeben: Eine Heimbewohnerin, die mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol ausgezeichnet wird – und der Landeshauptmann, der sich am Samstag Zeit nimmt für die exklusive Verleihung. Protagonistin war die bekannte Mundartdichterin Irmi Hellweger-Schrentewein (87).<BR /><BR /> Landeshauptmann Arno Kompatscher hob in seiner Würdigung die kulturellen Verdienste der Geehrten in den Bereichen Krippenbau, Volksmusik und Mundartdichtung hervor. Er freue sich, dass die Verleihung gerade am Tag der Senioren am 1. Oktober stattfinde, sagte Kompatscher. „Als jüngere Generation haben wir unseren Eltern und Großeltern enorm viel zu verdanken“, unterstrich der Landeshauptmann. Das gelte nicht nur für den ökonomischen Bereich, sondern vor allem auch für jenen der Sprache, der Traditionen und der Volkskultur, der dank vieler erhalten und ausgebaut worden sei. Eben auch durch solche Menschen wie Irmi Hellweger-Schrentewein. <h3> Ein Gedicht der Geehrten</h3>Nachdem ihr Verdienstkreuz und Urkunde überreicht worden waren, erfreute die Geehrte die Anwesenden, indem sie eines ihrer Gedichte vortrug. Für die musikalische Umrahmung der Feier im Innenhof des Jesuheims sorgte der Männergesangsverein Girlan, bei dessen Veranstaltungen Irmi Hellweger- Schrentewein oft mit humoristischen Einlagen mitgewirkt hatte und bei dem auch ihr Ehemann Franz Schrentewein mitsingt. <BR /><BR />Christian Klotzner, Präsident der St.-Elisabeth-Stiftung, die das Jesuheim führt, dankte dem Landeshauptmann für seinen Besuch und für die Wertschätzung, die damit zum Ausdruck gebracht werde. <BR /><BR /><BR />Tätigkeiten im kulturellen Bereich haben Irmi Hellweger-Schrentewein ihr ganzes Leben begleitet. Was sagt die neue Verdienstkreuz-Trägerin selbst dazu? <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="817526_image" /></div> <BR /><b>Frau Hellweger-Schrentewein, Sie sind im Überetsch in Wort und Schrift, handwerklich und gesanglich sehr bekannt geworden, wie kam es dazu?</b><BR />Irmi Hellweger: Dazu darf ich sagen, dass mir ein Quantum an Talent bereits in die Wiege gelegt wurde. Mein Bruder, Dr. Hermann Zagler, hat mich erst neulich daran erinnert, dass ich als 13-Jährige im Jahre 1948 in der Südtiroler Siedlung von Wörgl, nachdem ich zerschlissene Leintücher eingesammelt und mit diesen ein Zelt errichtet hatte, aus dem Stegreif vor zahlreichen Kindern Theater gespielt habe. Durch eine hervorragende Ausbildung in der Volks- und Hauptschule von Wörgl 1945 bis 1949 und durch spätere Autodidaktik konnte ich mir ein bestimmtes Wissen und Können aneignen. Man sagt ja, dass Lehrpersonen auch Glücksfälle sein können und solche fand ich zu meiner großen Genugtuung in den Lehrpersonen Helma Haselsteiner und Emma Parzeller, in den Fächern Kunstunterricht und Musikerziehung. Diese habe ich besonders geliebt und ihr Können voll aufgesogen.<BR /><BR /><b>Wurde also die „Kleinkunst“ zu Ihrer Lieblingsbeschäftigung?</b><BR />Hellweger: Ja, das kann man so sagen. Ich habe in Bozen neben meiner beruflichen Arbeit als technische Zeichnerin Faschings- und Tageskleider angefertigt, Kasperletheater gespielt, mich intensiv mit dem Krippenbau beschäftigt, Kurse dafür abgehalten, mich als Moderatorin beim RAI-Sender Bozen und als Humoristin bei Faschingsveranstaltungen engagiert und mich immer mit der Literatur auseinandergesetzt. Dabei ist hervorzuheben, dass ich ohne viel Aufhebens und ohne größere Mithilfe von meiner Familie für meine verschiedenen Initiativen immer interessierte Leute gefunden habe.<BR /><BR /><b>Das ging soweit, dass Sie 2 Büchlein, in Überetscher Mundart geschrieben, herausgebracht haben...</b><BR />Hellweger: Das war die Krönung meines bescheidenen kulturellen Schaffens. Sie wissen ja, dass Dichten und Theaterspielen 2 enge Verwandte sind. Vor allem im Theaterspiel muss man die jeweilige Rolle leben und erleben können. So ähnlich ist es auch beim Schmieden von Versen und Prosatexten.<BR /><BR /><b>Früher waren Sie auch als Leserbriefschreiberin in den „Dolomiten“ aktiv. Sie haben gerne das aktuelle Dorfgeschehen kommentiert ?</b><BR />Hellweger: Ja, das habe ich gelegentlich auch getan. Aber ohne in die Politik einzusteigen, und das wollte ich schon gar nicht, wird das auf Dauer schwierig. Ich habe mich mehr oder weniger immer nur um das lokale Geschehen gekümmert und habe mir dabei auch die Finger verbrennt, aber auch das gehört zum Leben dazu.<BR /><BR /><b>Sie wurden generell für kulturelle Verdienste im Überetsch geehrt. Was war Ihnen da besonders wichtig?</b><BR />Hellweger: Die Verleihung des Verdienstkreuzes hat mich schon sehr gefreut und dass jemand sich meiner erinnert hat und die Produkte meiner doch bescheidenen kulturellen Arbeit auszeichnen wollte. Besonders freut es mich, dass hier das Land Tirol, wo ich die Lernjahre fruchtbar – in Wörgl – verbringen konnte, dabei federführend war. Zu Dank verpflichtet fühle ich mich auch gegenüber den vielen Freunden und Verwandten in Wörgl, Meran, St. Lorenzen, Bozen und Girlan, was hiermit ausgesprochen sein sollte. Ein altes, inzwischen ergrautes, im Jesuheim untergebrachtes Weibele möchte auch auf diesem Wege alle sehr herzlich grüßen.<BR />