Dienstag, 02. Juli 2019

Vergewaltigung in Bozen: „Frei erfunden“

Ganz Südtirol war geschockt, als im Mai die Nachricht bekannt wurde, ein 15-jähriges Mädchen sei am helllichten Tag auf den Talferwiesen von 2 unbekannten Männern in die Büsche gezerrt und vergewaltigt worden. Lange standen die Ermittlungen still, man fand keine Beweise und keine weiteren Spuren. Jetzt erklärte das Mädchen: Es war alles frei erfunden.

Das Mädchen hatte angegeben, nahe der ehemaligen Eisenbahnbrücke vergewaltigt worden zu sein. - Foto: DLife
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Das Mädchen hatte angegeben, nahe der ehemaligen Eisenbahnbrücke vergewaltigt worden zu sein. - Foto: DLife

Der Vorfall ging wochenlang durch die Südtiroler Medienwelt: Ein 15-jähriges Mädchen hatte angegeben, am Nachmittag des 6. Mai nahe der ehemaligen Eisenbahnbrücke auf der Höhe der Europäischen Akademie Eurac auf den Talferwiesen mit ihrem Fahrrad unterwegs gewesen zu sein, als sie plötzlich von 2 Männern vom Rad gestoßen, in die Büsche gezerrt und von einem der beiden Männer vergewaltigt worden wäre (STOL hat berichtet).

Die Männer konnten nie gefunden werden, auf dem Fahrrad fanden sich keine brauchbaren Fingerabdrücke (STOL hat berichtet), die Ermittlungen kamen zum Stillstand.

„Wollte Aufmerksamkeit des Freundes auf sich lenken“

Am Dienstag, fast 2 Monate nach der angeblichen Tat, erklärte die Staatsanwaltschaft von Bozen, die Vorerhebungen seien abgeschlossen: „Im Zuge der Sachverhaltserhebungen hat das Mädchen gegenüber dem ermittelnden Staatsanwalt im Beisein der begutachtenden Psychologin von sich aus erklärt, die Tat frei erfunden zu haben, um die Aufmerksamkeit des Freundes auf sich zu lenken, ohne jedoch die Ausmaße zu bedenken, welche die Geschichte annehmen würde“, heißt es in der Presseaussendung.

Die Aussage des minderjährigen Mädchens decke sich mit den Ermittlungsergebnissen der Spurensicherung.

Die angebliche Tat selbst, aber auch die Angabe, dass es sich um dunkelhäutige Täter gehandelt haben soll, hatte in Südtirol für Empörung gesorgt. Der angebliche Ort des Geschehens war nicht videoüberwacht, weshalb es keine Bildbeweise für oder gegen die Tat gegeben hatte.

Allerdings hatte es mehrere Zeugenaussagen von Passanten gegeben, die dem Mädchen nach der angeblichen Tat geholfen und auch Täterbeschreibungen gegeben hatten (STOL hat berichtet). Die Zeugen hatten jedoch stets berichtet, gesehen zu haben, wie das Mädchen aus den Büschen kam. 

Wenige Tage nach dem Vorfall hatten mehrere Gewerkschaften und Organisationen eine Mahnwache abgehalten (STOL hat berichtet).

stol/liz

stol