Wer hat die besseren Karten in der Hand, was die Zukunft der ehemaligen Drususkaserne in Schlanders betrifft? Die Entscheidung darüber hat weitreichende Auswirkungen.<BR /><BR />Die Nachricht ging vergangene Woche wie ein Lauffeuer zuerst durch Schlanders und dann durch das ganze Land: Die Abbrucharbeiten in der Ex-Kaserne hatten noch in der Nacht begonnen. Sie dauerten dann nicht allzulange an, da sie vom Denkmalamt unterbrochen wurden und weil sich Protest regte von Künstlern, Architekten, Grünen , Fratelli d'Italia und auch Team K angesichts der „Nacht-und-Nebel-Aktion“, wie allenthalben kritisiert wurde. <h3> Aufgeschoben ist nicht aufgehoben</h3>Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denkt sich hingegen der Schlanderser Bürgermeister Dieter Pinggera. Er glaubt, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Gemeinde hinter dem Abbruch steht und sagt, dass wesentliche Entscheidungen der Verwaltung öffentlich im Gemeinderat bzw. auch mit direkter Bürgerbeteiligung getroffen wurden. Pinggera wird auch nicht müde zu erwähnen, dass man bereits seit zig Jahren über die Zukunft des Areals rede – und nicht nur er fragt sich, warum sich das Denkmalamt nicht bereits von Beginn an eingebracht hat in die Diskussion.<BR /><BR />Nun wird ein Ortsaugenschein durchgeführt, um zu klären, ob und was schützenswert ist in der Kaserne und was vor allem in jenem Teil davon geschieht, der bereits abgerissen wurde. Statisch sichern und Wiederaufbauen bzw. die bestehenden Gebäude belassen und in der Folge so nutzen, wie es z. B. eine Initiativgruppe vorschlägt? Oder weiter abbrechen und das Gemeindekonzept umsetzen, welches ebenfalls den Bau von Wohnraum, aber auch z. B. eine zusätzliche Schulstruktur vorsieht?<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="821696_image" /></div> <BR />Der Bürgermeister gibt zu, dass der Abbruch bei Nacht angesetzt wurde, um allfälligen Protesten jener vorzubeugen, die bereits heute Teile der Kaserne nutzen. Diese halten sich in Gebäudeteilen auf, die dem Gründerzentrum BASIS von der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurden – auf Zeit jedoch wohlgemerkt bzw. zur Zwischennutzung. <BR /><BR />Seine Befürchtungen waren in der Tat richtig, denn es gab nach Beginn des dann gestoppten Abbruchs tatsächlich sofort massive Proteste einzelner Personen, die sich ganz und gar nicht den Baustellenabsperrungen und Mahnungen der Polizeibehörden fügen wollten. Der Stopp des Abbruchs wurde schon allein nötig, um ihre Gesundheit nicht zu gefährden – immerhin stellten sich einige von ihnen den Baggern in den Weg.<h3> Verhärtete Fronten, keine Vermittlung in Sicht</h3>Was nun also? Die Situation ist verfahren, Kompromisse zwischen der Abbruch- und der Erhalterfraktion scheinen bislang nicht möglich. Die Fronten sind verhärtet, Vermittler sind nicht in Sicht.<BR /><BR />Das Denkmalamt will nun weiterforschen und unter Schutz stellen, die Gemeinde hofft letzten Endes auf eine politische Lösung, sprich die Entscheidung durch die Landesregierung. Dabei zieht Bürgermeister Pinggera eine Karte aus dem Ärmel, welche noch stechen könnte. Das Land habe der Gemeinde das Areal der Kaserne vor Jahren verkauft – und schon zu diesem Zeitpunkt sei vom Abbruch der Gebäude die Rede gewesen. Wenn das Land sich nun gegen den Abbruch stelle, wäre das zumindest „seltsam“, wie der Bürgermeister sagt. <BR />Es bleibt also spannend in Schlanders und das ganze Land schaut gespannt zu.