Über das Vorhaben, am Grödner Joch die erste außerstädtische verkehrsberuhigte Zone einzurichten, haben wir mehrfach berichtet. Ab 1. September soll es freie Fahrt nur noch für Ansässige geben und für den Berufsverkehr. Alle anderen Verkehrsteilnehmer müssen vorab einen Parkplatz am Joch buchen. Weil die Anzahl der Stellplätze begrenzt ist, dürfte die Nachfrage weitaus höher sein als das Angebot. Die Rede ist von etwa 120 bis maximal 150 Parkplätzen. 2027 könnten die Verkehrseinschränkungen auch auf das Pordoi- und Sellajoch sowie den Campolongo-Pass ausgedehnt werden.<BR /><BR />Osvaldo Finazzer, Hotelier am Pordoijoch, hat jetzt einen Offenen Brief an Landesrat Daniel Alfreider gerichtet, und zwar im Namen eines „Komitees zur Rettung der Dolomitenpässe“. Der Unternehmer kritisiert, dass die Entscheidung für eine Verkehrsberuhigung über die Köpfe der Bevölkerung hinweg getroffen würde. Vor allem mit den direkt betroffenen Betrieben entlang der Passstraßen sei nie geredet worden. Osvaldo Finazzer argumentiert, dass die geplante De-facto-Sperre ein grober und unüberlegter Eingriff in das Leben der ansässigen Bevölkerung sei.<BR /><BR />Ganz andere Töne kommen aus dem Fassatal. Tourismus-Manager Nicolò Weiss fand in einem Interview mit der Trentiner Tageszeitung „l'Adige“ klare Worte: „Die Südtiroler haben den Mut, Neues zu wagen, und es wäre ein Fehler, wenn wir nicht darauf reagieren.“ Weiss befürchtet für den Fall einer Sperre des Grödner Jochs und der Beibehaltung des Status quo im Fassatal eine noch stärkere Belastung. <BR /><BR />„Wir haben das bei den Campern erlebt. Seit die Grödner eine harte Linie fahren, ist das ganze Fassatal zu einem Parkplatz für Wildcamper geworden, weil sie alle hierher ausweichen.“ Weiss spricht sich als Destinationsmanager des Tales für eine Teilnahme am Experiment aus, doch die politischen Vertreter zögern noch. „Je länger wir warten, desto mehr geraten wir unter Druck und handeln dann defensiv und nicht offensiv“, erklärt Weiss.<BR /><BR />Die Rückwärtszählung hat begonnen, die nächsten Wochen dürften bewegt verlaufen. Mit Spannung wird die vom Land zu erlassende Verordnung zum Verkehr am Grödner Joch erwartet.