Dienstag, 19. Januar 2021

Vermisstes Ehepaar in Bozen: Sohn unter Mordverdacht

Im Vermisstenfall von Peter Neumair und Laura Perselli wird nun wegen Mord gegen den Sohn des Ehepaares ermittelt. Er befindet sich auf freiem Fuß.

Laura Perselli und Peter Neumair sind seit über 2 Wochen verschwunden. Gegen Sohn Benno (im Bild) laufen nun Mordermittlungen. - Foto: © FB
Wie inzwischen von offizieller Seite bestätigt ist, häufen sich die Verdachtsmomente der Ermittler gegen Benno Neumair, den 30-jährigen Sohn des Ehepaares: Gegen ihn wird wegen Mord und Verbergen von Leichen ermittelt. Momentan sind aber keine weiteren vorbeugenden Maßnahmen gegen ihn ergriffen worden, er bleibt vorerst auf freiem Fuß und sei bei Freunden untergebracht. Die Aufnahme ins Ermittlungsregister sei laut Staatsanwalt Igor Secco ein formeller Akt, der von Amts wegen eingeleitet wird.



Die Spezialeinheit der Carabinieri „RIS“ (Reparto Investigazioni Scientifiche ) wollte am Dienstag das Gebiet zwischen Pfatten und Leifers durchsuchen, wo sich die Leichname von Peter Neumair und Laura Perselli laut Ermittlerkreisen möglicherweise befinden könnten.



Spurensicherung untersucht Wohnung und Auto

Die Wohnung in der Runkelsteiner Straße, in der das Paar mit ihrem Sohn lebte, sowie eine weitere Wohnung nebenan, zu der das Paar Zutritt hatte, wurden auf Anordnung der Staatsanwälte Igor Secco und Federica Iovene beschlagnahmt. Sie wurden am heutigen Dienstag eingehend untersucht werden.

Auch das Auto des Ehepaars wurde von der „RIS“ eingehend unter die Lupe genommen. Die Spurensicherung suchte in der Guella-Kaserne in Leifers nach Spuren im Auto. Auch Staatsanwalt Secco war vor Ort.

Bislang wurden keine neuen Erkenntnisse veröffentlicht.

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Das Ehepaar Peter Neumair und Laura Perselli verschwand am Montag, 4. Jänner. Trotz intensiver Suchaktionen in den vergangenen Wochen fehlt seitdem von den beiden jede Spur.


Benno gab kurzes Telefoninterview bei „Chi l'ha visto

Auch in der Vermissten-Sendung „Chi l'ha visto“ des italienischen Fernsehens RAI wurde nach Perselli und Neumair gesucht. Darin gab Benno Neumair ein kurzes Telefoninterview, in dem er sagte, er habe am späteren Abend des 4. Jänner die Wohnung verlassen und auswärts geschlafen. Am frühen Morgen des 5. Jänner sei er nach Bozen zurückgekehrt, um den Hund auszuführen.

Laut seinen Aussagen, sei am frühen Morgen des 5. Jänner die Tür des elterlichen Schlafzimmers geschlossen gewesen. Ob seine Eltern am Morgen noch zu Hause waren oder nicht, könne er deshalb nicht sagen, so Benno gegenüber der Journalistin von „Chi l'ha visto“ am Telefon.

Während des Gesprächs, das er recht widerwillig führte, betonte er mehr als einmal, dass er für ein Interview zu „ausgelaugt“ sei, weil er als derjenige, der seine Eltern als letzter gesehen habe, permanent befragt werde, und er deshalb bitte seine Schwester oder seine Tante für weitere Informationen anzurufen.

Die Rolle der Schwester

Laut „Chi l'ha visto“ habe Bennos Schwester Madé, die in München lebt, über Stunden keine Antwort auf Nachrichten und Anrufe an ihre Eltern erhalten. Weil das nie vorkam, habe sie am Vormittag des 5. Jänner tief besorgt ihren Bruder Benno angerufen. Dieser soll ihr dann, – immer laut dem Bericht von „Chi l'ha visto“ – gesagt haben, dass er sich gerade am Ritten befinde und dort mit dem Hund spazieren gehe. Er würde aber sofort nach Bozen zurückkehren und nachsehen.

Weil die Eltern spurlos verschwunden waren, wurde am Nachmittag des 5. Jänner die Vermisstenanzeige aufgegeben.


stol/ansa/vs