„Ich hatte das Gefühl, dass sie etwas zu verbergen hatte“, berichtet Domenica Mezzalira. „Mein Bruder war ein guter und sehr liebevoller Mensch. Auch wenn wir uns selten sahen, weil ich in der Nähe von Mantua lebe, hätte er nicht einfach verschwinden können, ohne sich zumindest zu melden.“ <BR /><BR />Das Schicksal von Vito Mezzalira (70) galt seit 2019 als rätselhaft. Seine Partnerin hatte damals erklärt, er habe sich freiwillig entfernt, um ins Ausland zu ziehen. <h3> Domenica Mezzalira: „Ich habe keinen Zweifel“</h3>Deshalb war Domenica Mezzalira nicht überrascht von der Wende, die am vergangenen Freitag eintrat. An diesem Tag fanden die Carabinieri in einem mit Beton verschlossenen, rund vier Meter tiefen Brunnen hinter dem Wohnhaus ihres Bruders in Sagrado (Provinz Gorizia) in Friaul-Julisch Venetien einen Sack mit menschlichen Knochen und Stoffresten. Die Überreste sollen nun gerichtsmedizinisch untersucht werden. Vermutlich handelt es sich dabei um Mezzalira, einen ehemaligen Postboten.<BR /><BR />„Ich habe keinen Zweifel“, erklärt Domenica Mezzalira dem Online-Nachrichtenportal „Corriere della Sera“. „Es bleibt nur noch zu klären, ob sie ihn getötet haben oder seinen Tod ausgenutzt haben. Bei letzterem muss es ein plötzlicher Tod gewesen sein, sonst hätte er sich gemeldet.“<BR /><BR />Gegen die Lebensgefährtin von Vito Mezzalira, Mariuccia Orlando, und deren Halbbruder Moreno Redivo laufen Ermittlungen. Der Mann lebte im selben Haus. <h3> Was ihren Verdacht erhärtete</h3>Eng umschlungen vor dem Weihnachtsbaum. Darunter stand eine Nachricht: „Ich habe ihn besucht. Jetzt steige ich aus dem Zug. Sobald ich zu Hause bin, rufe ich dich an.“ Dies teilte Mariuccia Orlando im Dezember 2021 ihrer Schwägerin Domenica Mezzalira mit, um sie zu beruhigen. In Wirklichkeit soll es sich bei dem Weihnachtsbild jedoch um eine Fotomontage handeln. <BR /><BR />Es war genau dieses letzte Hindernis, das die Schwester des Postboten davon überzeugte, dass es an der Zeit war, sich an die Carabinieri zu wenden. „Da habe ich gesagt, jetzt reicht's“, erzählt Domenica Mezzalira dem „Corriere della Sera“. „Es war klar, dass etwas nicht stimmte.“ Ein Jahr später wurden die ersten Ermittlungen aufgenommen. „Eigentlich hatte ich schon vorher einen Verdacht, aber man sagte mir, dass die Töchter meines Bruders Anzeige erstatten müssten. Nach dieser Fotomontage konnte ich nicht länger warten.“ <BR /><BR />2022 meldete Domenica Mezzalira ihren Bruder als vermisst. Daraufhin leiteten die Behörden zunächst Ermittlungen wegen Betrugsverdachts ein, die später auf Mordverdacht ausgeweitet wurden.<h3> Orlando: „Er ist mit dem Geld geflohen“</h3>Jahrelang hatte Mariuccia Orlando die absurdesten Geschichten erzählt. „Am Anfang sagte sie mir: ‚Vito ist plötzlich von zu Hause weggegangen. Er ist mit der Bardame aus dem Dorf geflohen und hat das ganze Geld mitgenommen‘“, berichtet seine Schwester. In der Zwischenzeit wurden jedoch weiterhin Abhebungen von seinem Girokonto vorgenommen, und vor allem wurde regelmäßig die Rente in Höhe von 1.500 Euro pro Monat abgehoben. In vier bis fünf Jahren soll die Frau etwa 100.000 Euro eingestrichen haben, so der Verdacht ( <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/6-jahre-nach-seinem-verschwinden-ueberreste-von-ex-postboten-entdeckt" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">wir haben berichtet</a>).<BR /><BR />„Aber wie ist es möglich, dass die Rente abgehoben wird?“, fragte ich sie, erinnert sich Domenica Mezzalira. „Sie sagte mir, dass sie das im Auftrag von Vito tat. Irgendwann erzählte sie mir, dass mein Bruder sich an einem geheimen Ort verstecken musste, weil er von gefährlichen Leuten verfolgt wurde, denen er Geld schuldete. Ein Ort, den nur sie kannte und an den sie ihm regelmäßig Geld brachte.“ Auch Bekannten habe sie absurde Geschichten erzählt. <h3> Mezzalira: „Ich will Gerechtigkeit“</h3> Als Domenica Mezzalira darauf bestand, wenigstens mit ihrem Bruder sprechen zu dürfen, blockierte ihre Schwägerin sie oder war telefonisch nicht erreichbar. <BR /><BR />„Was mir keine Ruhe lässt, ist der Gedanke, dass diese Frau nicht nur viele Lügen erzählt, sondern auch weiterhin in demselben Haus gelebt hat, nur wenige Meter von der Leiche meines Bruders entfernt“, sagt Mezzalira. Nun will sie Gerechtigkeit. „Ich will dieser Frau auch ins Gesicht sehen. Sie muss mir sagen, warum sie das getan hat und wie sie mit dieser Last auf dem Gewissen leben kann.“