Rückblick: Im November vergangenen Jahres platzte eine historische Bombe. Mehr als ein Dutzend Schmuckstücke wie etwa die Diamantkrone von Kaiserin Elisabeth („Sisi“), Preziosen der französischen Königin Marie-Antoinette und deren Mutter Kaiserin Maria Theresia, wertvolle Orden, Haarnadeln und vieles mehr wurden in einem Bankschließfach in Kanada entdeckt.<BR /><BR />Das absolute Highlight der Sammlung: der legendäre „Florentiner“-Diamant. Der gelbe, walnussgroße Edelstein im Neunbogenschnitt bringt stolze 137 Karat auf die Waage und gehörte im 15. Jahrhundert Karl dem Kühnen, dann wechselte er in den Besitz der Medici und schließlich der Habsburger. Seit den 1920er Jahren rankten sich Mythen um seinen Diebstahl oder ein Umschleifen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1348572_image" /></div> <BR /><BR />Ein Mythos, der keiner mehr ist. Denn heute lässt sich der Weg des „Florentiner“-Diamanten bis zu seinem Versteck in Kanada nachvollziehen: Wenige Tage vor dem Ende der Monarchie 1918 ließ Kaiser Karl I. den Familienschmuck aus der Vitrine 13 der Wiener Hofburg in die Schweiz bringen. 1940 schmuggelte Kaiserin Zita (gestorben 1989) die Juwelen auf ihrer dramatischen Flucht vor den Nationalsozialisten in einem einfachen Koffer nach Kanada.<BR /><BR />Warum dies nie bekannt wurde? Das Versteckspiel der Habsburger-Juwelen basiert auf einem meisterhaft inszenierten Geheimplan, der über acht Jahrzehnte hinweg lückenlos funktionierte. Als Zita den wertvollen Familienschatz nach Québec rettete, etablierte sie ein strenges Sicherheitsprotokoll: Zu keinem Zeitpunkt durften mehr als zwei männliche Familienmitglieder der nachfolgenden Generationen vom Versteck wissen. Die ersten Eingeweihten waren ihre Söhne Robert und Rudolph. Starb einer von ihnen, wurde das Geheimnis an einen Nachfolger weitergegeben. Selbst das heutige Familienoberhaupt, Karl von Habsburg, wurde jahrzehntelang bewusst im Dunkeln gelassen.<BR /><BR />Zusätzlich zu dieser Verschwiegenheitskette verfügte Zita eine Sperrfrist: Das Schließfach in Québec durfte frühestens zum 100. Todestag von Kaiser Karl I. geöffnet werden, welcher im April 2022 verstrich. Erst im Jahr 2024 brachen Karl von Habsburg und seine zwei eingeweihten Cousins schließlich nach Kanada auf, um den Tresor legal zu öffnen. Im Inneren des Safes stießen sie auf ein Bild purer Pragmatik: Zum Schutz vor Kratzern waren die unbezahlbaren Edelsteine hastig in einfache Papierschnipsel und vergilbte Zeitungsseiten aus den 1940er-Jahren gewickelt worden. <BR /><BR />Um jeglichen Zweifel an der Sensation auszuschließen, wurde der Wiener Traditionsjuwelier und einstige kaiserliche Hoflieferant Christoph Köchert unter strengster Geheimhaltung nach Kanada geflogen. Direkt im Tresorraum untersuchte er die Stücke mit Lupe und Spezialwerkzeug. Die Erleichterung war enorm: Sämtliche Stücke erwiesen sich als makellose Originale. Insbesondere der riesige „Florentiner“-Diamant war unversehrt. Mit der offiziellen Verkündung des Fundes im vergangenen November und dem nun erlassenen kanadischen Schutzdekret ging das am besten gehütete Geheimnis der Habsburger endgültig in die Geschichtsbücher ein.<BR /><BR />Durch die Echtheit der Prunkstücke war aber auch ein juristisches Tauziehen vorprogrammiert. Während Karl von Habsburg unmissverständlich klarstellte, dass es sich um reinen Familienschatz handelt, lief man in Österreich Sturm – allen voran SPÖ-Chef und Kulturminister Andreas Babler, der den Schatz mithilfe einer eilig einberufenen Expertenkommission für die Republik Österreich beanspruchen wollte.<BR /><BR />Die Kernfrage der Wiener Juristen: Fällt die Sammlung unter das historische Habsburgergesetz von 1919 zur Enteignung des Hofvermögens? Die Kommission prüft noch bis Herbst – doch Kanada hat inzwischen Fakten geschaffen. Die Provinz Québec hat die unschätzbar wertvollen Schmuckstücke – per Dekret – für die Dauer einer geplanten Ausstellung im Nationalmuseum von Québec für unpfändbar erklärt. Jegliche Versuche aus Wien, den Schatz zu beschlagnahmen, prallen damit an einer juristischen Festungsmauer ab.<BR /><BR />Das Dekret stärkt damit die Rechtsposition der Habsburger erheblich. Da Kaiserin Zita den Schmuck rechtlich in eine kanadische Stiftung überführt hatte, erkennt Québec diesen nun als rechtmäßigen Eigentümer an. Karl von Habsburg zeigte sich sichtlich erleichtert: „Wir begrüßen die Entscheidung der Regierung von Québec, die Schmuckstücke vor potenziellen Ansprüchen Dritter zu schützen.“ Zugleich bekräftigte er die Rechtsauffassung der Familie: „Denn es bestehen für uns keinerlei Zweifel daran, dass es sich um privaten Familienschmuck handelt, dessen rechtmäßiger Eigentümer heute ein kanadischer Trust ist.“ Für das Oberhaupt der Habsburger-Familie ist das kanadische Schutzdekret außerdem ein „Zeichen andauernden gegenseitigen Vertrauens“ mit der einstigen Zufluchtsstätte seiner Großmutter.<BR /><BR />Und ausgerechnet das bestgehütete Geheimnis der Habsburger soll nun öffentlich zu sehen sein: Bereits im Mai wurde eine spektakuläre Ausstellung der Juwelen in Kanada angekündigt. Der „Florentiner“-Diamant dürfte dabei zum größten Star werden.